Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos

75. GEBURTSTAG: ALEXANDER KLUGE

DIE ARTISTEN IN DER ZIRKUSKUPPEL: RATLOS

| Deutschland 1967/68 | 103 Min.|
| Buch und Regie: Alexander Kluge | Kamera: Günther Hörmann, Thomas Mauch | Schnitt: Beate Mainka-Jellinghaus | Musik: Liviane Gomorrhi, Hellmuth Löffler | mit Hannelore Hoger, Sigi Graue, Alfred Edel, Curt Jürgens u.a.

Alexander Kluge feiert am 14. Februar seinen 75. Geburtstag. Er war einer der Initiatoren des »Oberhausener Manifests« von 1962 und blickt heute auf ein umfangreiches filmisches und literarisches Oeuvre zurück. DIE ARTISTEN IN DER ZIRKUSKUPPEL: RATLOS ist Kluges zweiter Langfilm und erhielt 1968 in Venedig den Goldenen Löwen. Drei große Themen werden variiert: der uralte Menschheitstraum vom Fliegen, die Liebe zur Sache und die kollektive Anstrengung für ein Projekt. Alle drei sind durch Schiffbruch gefährdet, besitzen aber auch gewaltige Anziehungskraft. In einem Kaleidoskop von Bildern und Kommentaren wird von der Artistentochter Leni Peikert erzählt, die ein Zirkusunternehmen gründen will.

Warum ist der Zirkus, der zeitgleich mit der französischen Revolution entstand, der Ort der Utopie? An der Aufhebung der physikalischen Gesetze liegt es nicht. Irgendwie hat es mit Intuition zu tun. Am Hochtrapez schwingen die Artisten sich sekundengenau aufeinander ein, und der Dompteur lenkt seine Elefanten und Tiger präzise. Dennoch will Leni Peikert einen anderen, einen reformierten Zirkus.

Die Zuschauer sollen die Kraft der Tiere wieder spüren: die Stärke des Elefanten, die Geschicklichkeit der Raubkatzen – und auch, dass Eisbären frieren! Reformzirkus wäre authentischer Zirkus, aber er ist utopisch. Das versteht Leni Peikert, und mit ihr das Zirkusteam – ein zirkusspielendes Filmteam. So erfahren der Filmemacher, seine Mitarbeiter, die Zuschauer etwas über die Menschen und ihre Phantasien: der Traum vom Fliegen ist nicht verwirklicht, wenn Artisten scheinbar schwerelos unter der Zirkuskuppel fliegen. Die Ideen, die Menschen, ihre Gefühle, sind schwer und sinnlich, und dazu gehört es auch, zu scheitern. »Fliegen, es ist eine wunder-bare Sache, fliegen, reinfliegen – in den Dreck fliegen«.

Wir gratulieren dem großen Liebhaber von Zirkus, Kino und Utopien zu seinem 75. Geburtstag!

| So 11.02., 19:30 | Mi 14.02., 21:30 | Sa 17.02., 21:30 |

 


 

schreib mir mal! e-mail ans Kommunale Kino
kino@freiburger-medienforum.de
Startseite Kommnunales Kino Freiburg
Zurück zur
Startseite