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JENSEITS VON CANNES: DAS ANDERE IRANISCHE KINO

» Seit Ende der 1980er Jahre ist der iranische Film zum Exportschlager der »Islamischen Republik« geworden. Alljährlich feiern Regisseure wie Abbas Kiarostami oder Mohsen Makhmalbaf Erfolge auf internationalen Festivals. Zu sehen ist dabei jedoch nur ein bestimmter Ausschnitt aus dem iranischen Filmschaffen, der europäischen Sehgewohnheiten und Bedürfnissen nach exotischer Sinnlichkeit entspricht.

Mit dem Schwerpunkt DAS ANDERE IRANISCHE KINO zeigt das Kommunale Kino ein breites Spektrum alternativer iranischer Filmkunst: von Meilensteinen der Dokumentarfilmgeschichte bis hin zu zeitgenössischen Autoren-, Kurz- und Undergroundfilmen. Im Februar diesen Jahres besuchte Neriman Bayram das internationale Fajr Filmfestival in Teheran und Filmschaffende in der Freiburger Partnerstadt Isfahan. Das Resultat ist das vorliegende Programm. Es bietet Höhepunkte der vorrevolutionären Filmproduktion, die in Freiburg neu entdeckt werden können. Aus der iranischen »Nouvelle Vague« der 60er und 70er Jahre sind hochgradig ambitionierte Werke zu sehen, deren Umgang mit Erzähltempo, Montagetechnik, Bildaufbau und Symbolsprache Maßstäbe gesetzt und dem Iranischen Kino zu seiner Weltgeltung verholfen hat. Insgesamt präsentiert das Programm ein halbes Jahrhundert iranischer Kinogeschichte: engagierte, innovative Schlüsselwerke, welche die heterogene und widersprüchliche Gesellschaft Irans – auch die städtische – abbilden.

Für wertvolle Hilfe bei der Auswahl und Beschaffung der Filme danken wir Robert Richter, Bern, Experte für iranischen Film. Danken möchten wir auch der Farabi Cinema Foundation, dem Filmarchiv in Teheran und dem Filmkritiker Zaven Ghokasian (Isfahan).

http://www.freiburg.de/iran


P WIE PELIKAN | DIE KUH
IRANIAN CONSERVE | DIE PRÜFUNG | EMTEHAN
ISFAHAN-FILMABEND
KURZFILMPROGRAMM GLAUBE, RITUALE, MYSTIK
SOLITUDE OPUS 1 | NARGESS
DAS HAUS IST SCHWARZ | ZINAT, EIN BESONDERER TAG |
DER TEUFELSKREIS

 


 

P WIE PELIKAN

P MESL-E PELIKAN

Regie und Buch: Parvis Kimiavi
| Iran 1972 | OmeU | 26 Min. |

In einer Ruinenstadt lebt ein alter, obdachloser Mann. Den Kindern, die ihn necken und mit Steinen bewerfen, erzählt er von seinem Leben. Ein Junge nimmt ihn schließlich auf eine Kutschenfahrt mit und zeigt ihm einen paradiesischen Garten. In dessen Teich entdeckt er einen Pelikan; von der Ruinenstadt bleibt nur eine Staubwolke übrig.


DIE KUH

GAV

Regie und Buch: Dariush Mehrjui
| Iran 1968 | OmeU | 100 Min. |

Der iranische Bauer Hassan verliert seinen wichtigsten Besitz, eine Kuh, und kann diese Katastrophe nicht bewältigen; sie führt für ihn zum völligen Identitätsverlust. Er zieht sich in seine Scheune zurück und nimmt nach und nach die Identität der Kuh an, während die Dorfbewohner hilflose Versuche zu seiner Rettung unternehmen.

GAV ist einer der Filme, die die Enstehung des Neuen Iranischen Films einleiteten. Wegen seiner schonungslosen Darstellung der ärmlichen Verhältnisse wurde DIE KUH obwohl vom Schah-Regime gefördert, zuerst verboten und dann mit einem Insert, das die Handlung in eine weit entfernte Vergangenheit zurückversetzte, in die iranischen Kinos gebracht. Über Umwege nach Venedig geschmuggelt, wurde der Film zum Überraschungserfolg des Filmfestivals 1971. Heute hat er Kultfilmstatus und wurde von iranischen Kritikern zum besten iranischen Film aller Zeiten gewählt.

| Sa 04.11., 20:00 |

 


 

IRANIAN CONSERVE

Regie: Mohammad Shirvani
| Iran 2004 | OmeU | 14 Min. |

Eine junge Frau steckt im Aufzug fest. Per Handy sucht sie Hilfe. Am anderen Ende der Telefonverbindung ist ein junger Mann… Von Abbas Kiarostami gepriesen als einer der besten Kurzfilme, die im postrevolutionären Iran gemacht wurden.


DIE PRÜFUNG

EMTEHAN

Regie: Nasser Refaie
| Iran 2002 | OmeU | 35mm | 80 Min. |

Junge Frauen im schwarzen Tschador, aber mit modernen, lässig über die Schulter geworfenen Rucksäcken versammeln sich im Innenhof der Universität. Sie warten auf ihre Zulassungsprüfung zum Studium an einer iranischen Hochschule. Der Film folgt ihren Unterhaltungen und bietet damit bisher so nicht gezeigte Einblicke in die iranische Gesellschaft.

Zur Lesung LOLITA LESEN IN TEHERAN des Literatürbüros am So. 05.11., 11:00.

| So 05.11., 19:30 | So 19.11., 19:30 |

 


 

ISFAHAN-FILMABEND

In Zusammenarbeit mit dem Freundeskreis Freiburg-Isfahan e.V. widmen wir der Freiburger Partnerstadt einen Abend mit Filmen aus und über Isfahan: einem aktuellen Kurzfilm über Architektur und Handwerkskunst in Isfahan von Reza Mohiman, und einem in Vergessenheit geratenen Juwel aus der Geschichte des iranischen Kurzfilms: DAS ERWACHEN DES STEINBOCKS (TOLU-E DSCHADI) von 1963. Der Film spielt in Isfahan und wurde seit 20 Jahren in Europa nicht mehr gezeigt. Fast eine Europa-Premiere!

| Mi 08.11., 20:00 |

 


 

KURZFILMPROGRAMM GLAUBE, RITUALE, MYSTIK

OH BESCHÜTZER DER GAZELLEN

YA ZAMAN-E AHU

| Iran 1970 | 19 Min. | Regie: Parviz Kimiavi |

Bilderstarker Essay über Glanz und Elend des Irdischen. Der jahrelang schubladisierte Meilenstein der Dokumentarfilmgeschichte zeigt den Alltag von Gläubigen in der Pilgerstätte Imam Reza in der nordostiranischen Stadt Mashad. Imam Reza, der achte schiitische Imam, wird im Volksmund auch »Beschützer der Gazellen« genannt. Täglich pilgern tausende Gläubige zu seiner Grabstätte. Im Zentrum des Heiligtums steht der prächtige goldene Schrein, den die Pilger zu berühren versuchen, während sie dem Heiligen ihr Herz ausschütten und ihn um Segen und Heilung ihrer Krankheiten bitten. Kimiavi hält einen Tag im Heiligtum vom Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang fest.


DER VIERZIGSTE

ARBA’ IN

| Iran 1970 | 21 Min. | | Regie: Nasser Taghvai |

Anlässlich des vierzigsten Tages nach dem Todestag von Imam Hosain werden Stadt und Moschee von Buschehr am Persischen Golf mit grünen und schwarzen Tüchern geschmückt. Der Film hält Prozession und Rituale fest.


MAST QALANDAR

| Deutschland 2005 | 30 Min. | | Regie: Till Passow |

Das Fest der Vereinigung Mast Qalandars mit Allah lockt jährlich Millionen Gläubige. Ein Erlebnis voller Rituale, Mystik und Ekstasen.

| So 12.11., 19:30 |

 


 

SOLITUDE OPUS 1

Regie : Kamran Shirdel
| Iran 2002 | OmeU | 19 Min. |

Warten auf Godot auf der Insel Kish im Persischen Golf. Eine faszinierende Hommage an Sohrab Shahid-Saless von Kamran Shirdel, dem Altmeister des iranischen Dokumentarfilms.


NARGESS

Regie: Kamran Shirdel
| Iran 1992 | OmeU | 100 Min. |

Eine Dreiecksgeschichte im kriminellen Milieu Teherans: Der Dieb Adel will die einfache und gutgläubige Nargess heiraten. Doch seine ältere Komplizin und Geliebte möchte ihn nicht verlieren. Weil Adel von seiner Familie zurückgewiesen wird, bietet sie ihm an, sich als seine Mutter auszugeben, damit die Heirat mit Nargess über die Bühne gehen kann. Der Preis für ihre Kooperation ist hoch…

Regisseurin Bani-Etemad untersucht beinahe dokumentarisch den ausweglosen Kreislauf von Armut, Kriminalität und dem Verlust der Würde in einer patriarchalischen Welt, in der die Männer an den eigenen Vorgaben scheitern. NARGESS bekam große internationale Anerkennung.

| Mi 15.11., 19:30 |

 


 

ZINAT, EIN BESONDERER TAG

ZINAT, YEK RUZ-E BEKHOSUS

Regie: Ebrahim Mokhtari | Iran 2000 | OmeU | 56 Min. |

1999 wurden im Zuge der Dezentralisierung unter Präsident Khatami die ersten Stadt- und Gemeinderatswahlen im Iran seit zwanzig Jahren durchgeführt. Unter den 330.000 Kandidaten waren 5.000 Frauen. Eine von ihnen ist die Krankenschwester Zinat, in deren Dorf auf der Insel Qeshm im Süden des Iran verheiratete Frauen eine Maske, die boregeh, tragen. Zinat, die mit dreizehn Jahren verheiratet wurde, führte bald ihren persönlichen Kampf gegen diese und weitere allgemein akzeptierte Vorschriften, die den Frauen die Macht über ihr eigenes Leben nehmen. Sie beschloss, die boregeh nicht zu tragen, wurde Krankenschwester und vollzog einen weiteren Akt des Widerstands, als sie sich für die Wahlen nominieren ließ. In unprätentiösem Stil folgt das Filmteam Zinat durch den Wahltag.

| Mi 22.11., 19:30 |

 


 

DER TEUFELSKREIS

DAYEREH MINA

Regie: Dariush Mehrjui
| Iran 1974 | OmeU | 95 Min. |

Der Bauernjunge Ali bringt seinen alten kranken Vater in die Stadt. Doch die Krankenhäuser sind überfüllt. Ärzte und Verwaltung verbergen ihre Unfähigkeit, des Elends Herr zu werden, hinter bürokratischer Härte. Es gibt kein freies Bett für den Vater. Durch Blut spenden versuchen sich Vater und Sohn Geld zu beschaffen und fallen in der Nähe des Spitals Straßengangstern in die Hände. Diese handeln für ein obskures Labor mit infiziertem Blut, das sie für wenig Geld Betrunkenen, Drogenabhängigen, den Kranken und Bedürftigen der Stadt abgenommen haben. Während der Vater auf seine Spitalsaufnahme wartet, befreundet sich der Junge mit einer Krankenschwester, die die beiden heimlich mit Essen versorgt. Trotz seiner moralischen Bedenken wird Ali zum Schlepper für das kriminelle Labor…

Der von der Schah-Zensur verbotene Film ist ein düsteres Gleichnis von der unausweichlichen Korrumpierung der Unschuld in einer unterprivilegierten Gesellschaft.

| Mi 29.11., 19:30 | So 03.12., 17:30 |

 


 

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