FILMFESTIVAL AUSNAHME | ZUSTAND

Im Rahmen des bundesweiten Filmfestivals AUSNAHME | ZUSTAND werden im Kommunalen Kino vier ausgewählte, internationale Filme zu psychischen Erkrankungen gezeigt und im Anschluss an die Vorführungen in der Galerie im Alten Wiehrebahnhof mit Expertinnen und Experten diskutiert. Ziel ist dabei, die Öffentlichkeit über psychische Erkrankungen, den Umgang mit ihnen und mit deren Folgen aufzuklären. Das Festival wird am 16.10. um 20:00 Uhr von Bürgermeister Ulrich von Kirchbach eröffnet. In Zusammenarbeit mit dem Dezernat für Kultur, Jugend und Soziales der Stadt Freiburg und dem Arbeitskreis sozialpsychiatrische Hilfen im Rahmen der Freiburger Informationstage zum Welttag für seelische Gesundheit 2006 (10.–14.10.06). Weitere Informationen:
www.ausnahmezustand-filmfest.de

NOCH EINE STUNDE MIT DIR | PEOPLE SAY I‘M CRAZY | ENTFREMDUNGEN | RAUM 4070/4071

 


 

NOCH EINE STUNDE MIT DIR

UN‘ ORA SOLA TI VORREI

Regie: Alina Marazzi
| Italien 2003 | OmU | 65 Min. |

Familienfotos und -filme, Tagebuchaufzeichnungen und Briefe und auch die Krankenberichte verarbeitet Alina Marazzi zu einer Spurensuche nach der eigenen Mutter, die – von Depressionen gequält – Selbstmord beging, als die Regisseurin 7 war. Viele Jahre waren die Fundstücke, die Alina Marazzi hier zu einer intensiven Collage verarbeitet hat, in einem Schrank ihrer Großeltern versteckt: ein Familiengeheimnis versiegelt von Staub und Vergessen. Dieses Material benutzt Marazzi, um ein Bild dieser hübschen, jungen Frau der Mailänder High Society zu zeichnen, die ihre Mutter war und die sie kaum kannte. Mit ihrer visuell beeindruckenden Erinnerungsarbeit hat Alina Marazzi nicht nur eine Lücke in ihrer persönlichen Geschichte geschlossen; sie hat auch ein ergreifendes Porträt einer Depression geschaffen, dem sich der fremde Zuschauer nicht entziehen kann.

| Mo 16.10., 20:00, anschl. Diskussion | Di 17.10., 21:30 |

 


 

People say I'm crazy

PEOPLE SAY I‘M CRAZY

Regie: John Cadigan | USA 2004 | OmU | 84 Min. |

»Willkommen in meinem Gehirn. Mein Name ist John Cadigan und ich bin ein schizophrener Künstler.

PEOPLE SAY I‘M CRAZY ist meine Doku über die Welt in meinem Kopf. Es ist eine chaotische Welt, voll von Paranoia, Kreativität, Angst und Verlangen. Ich muss da jeden Tag kämpfen, um herauszufinden, was real ist und was nicht. Vor zehn Jahren nach meinem ersten Schub begann ich mich zu filmen, weil ich die Leute wissen lassen wollte, wie das ist, mit Labeln wie ›psychotisch‹, ›schizophren‹ und ›schwerbehindert‹ herumzulaufen. Ich habe alles gefilmt – Katatonie ebenso wie EKT. Jetzt gibt es Medikamente, die helfen. Mein Leben ist jetzt auszuhalten und manchmal sogar zu genießen. Ich habe wieder angefangen künstlerisch zu arbeiten, ich zeichne und mache Holzschnitte. Aber wenn meine Familie und mein Doktor mich nicht so unterstützt hätten, wäre ich wahrscheinlich schon tot.« John Cadigan

| Di 17.10., 19:30, anschl. Diskussion | Mi 18.10., 21:30 |

 


 

ENTFREMDUNGEN

ALIÉNATIONS

Regie: Malek Bensmail
| Frankreich/Algerien 2003 | OmU | 105 Min. |

Indem Bensmail den Alltag in der psychiatrischen Abteilung eines Krankenhauses von Constantine filmt, porträtiert er zugleich Algerien: ein Land, worin die Qualen auf den Jammer und das Leid der heutigen Zeit stoßen.

Bensmail widmet den Film seinem Vater, einem für sein soziales Engagement bekannten algerischen Arzt. ALIÉNATIONS zieht Parallelen zwischen der Welt der Kranken und dem ganzen Land. Über die Bildlichkeit will der Film nichts Spektakuläres präsentieren. Die Bilder folgen ohne jede Hektik aufeinander, in einer klugen Montage, die den betreffenden Menschen, den Patienten, den Pflegern und Ärzten, Respekt bezeugt. – Die Geschichten der Patienten, die mit bestimmt sind von der allseits herrschenden sozialen Gewalt, bergen immer auch markante Splitter eines betont eigensinnigen und fesselnden Kollektiv-Porträts der algerischen Gesellschaft.

| Mi 18.10., 19:30, anschl. Diskussion | Sa 21.10., 21:30 |

 


 

Raum 4070/4071

RAUM 4070/4071

Regie: Jana Kalms, Torsten Striegnitz
| Deutschland 2006 | 80 Min. |

»Was außen so konfus aussieht, wird innen immer stimmiger. Und die anderen wollen das bloß nicht verstehen.«
Lutz (Betroffener)

»Wir sind in einem Raum, in dem sich Menschen Erlebnisse erzählen, die man sich eigentlich nicht erzählt. Es sind Erfahrungen, die sie selbst gemacht haben und Erfahrungen von Menschen, die ihnen sehr nahe stehen. Es geht um Angst und Gewalt. Es geht um Familien, die zerstört werden. Es geht um ihre Existenz. In dem Raum findet ein Psychose-Seminar statt. Innerhalb der letzten zehn Jahre sind etwa 100 Seminare solcher Art in Deutschland entstanden. Das zeigt, dass diese Idee auf Zustimmung stößt. Grundgedanke ist, miteinander zu reden, um voneinander zu lernen. Das Potsdamer Seminar wurde 1996 von Prof. Peter Stolz, Psychiater und Hochschullehrer, gegründet. Es findet jeden zweiten Mittwoch statt. Manchmal sind 40 Menschen im Raum, manchmal 80. Einige sind verwandt miteinander, die meisten kennen sich nicht. – Jedes Seminar ist ein Experiment. Es gibt so unterschiedliche Verstehensperspektiven und Wahrheiten wie Menschen in diesem Raum.« Jana Kalms, Torsten Striegnitz

| Do 19.10., 19:30, anschl. Diskussion | Sa 21.10., 17:30 |

 


 

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