KUNST UND FILM: MATTHEW BARNEY – THE CREMASTER CYCLE

» Mit dem CREMASTER CYCLE hat Matthew Barney, einer der herausragendsten Künstler unserer Zeit, den wohl unkonventionellsten Filmzyklus des modernen Kinos geschaffen. Für die Fertigstellung seines insgesamt 400 Minuten umfassenden Gesamtwerks benötigte der Künstler nahezu zehn Jahre (1994–2002). Nicht in chronologischer Reihe entstanden, bilden die fünf Teile des CREMASTER CYCLE ein in sich geschlossenes, ästhetisches Ganzes (Sa 16.09. ab 18 Uhr).

Mit seiner überwältigenden Bildersprache und seiner höchst eigenwilligen Verquickung von unterschiedlichen Stoffen, die etwa dem Musical, dem Western oder der keltischen Sagenwelt entlehnt sind, ist der CREMASTER CYCLE tatsächlich, wie Michael Kimmelman in der New York Times meinte, »sowohl vom Ehrgeiz und vom Umfang des Projektes her, wie auch auf Grund seiner provozierenden Direktheit, ein Meilenstein für die Kunst des neuen Jahrhunderts.«

Das Grundkonzept des Zyklus ist der Biologie entlehnt. Barney beschäftigt sich besonders mit dem Prozess der geschlechtlichen Differenzierung während der embryonalen Phase des Menschen. Von CREMASTER 1, dem »femininsten« Stadium des embryonalen Prozesses, in dem der Fötus noch geschlechtlich unbestimmt ist, bis CREMASTER 5, der seinen differenziertesten Zustand darstellt.

Buch u. Regie: Matthew Barney | Kamera: Peter Strietmann

CREMASTER 1 / 2 | CREMASTER 3 | CREMASTER 4 / 5

 


 

Cremaster 1

CREMASTER 1

| USA 1995 | OF | 40 Min. |

Im Inneren von zwei Goodyear-Zeppelinen, die über einem Stadion schweben, ordnet eine platinblonde Frau grüne und blaue Weintrauben zu geometrischen Mustern an. Diese Figuren werden auf dem blauen Rasen des Stadions von Tänzerinnen nachgebildet, die direkt einer Musicalkomödie von Busby Berkeley zu entstammen scheinen. Mit Marti Domination.

CREMASTER 2

Mit Norman Mailer und Matthew Barney.
| USA 1999 | OF | 76 Min. |

Zwei scheinbar unzusammenhängende Geschichten überlagern einander. Erstere ist inspiriert durch Norman Mailers Roman »Gnadenlos« (»The Executioner‘s Song«), der seinerseits auf einer wahren Begebenheit basiert. Es geht um den Fall Gary Gilmore, ein Sohn aus einer Mormonenfamilie aus Utah, der einen jungen Tankstellenbesitzer ermordet hat und zum Tode verurteilt wurde. Im Film wird die Hinrichtung als ein Rodeo auf einem Eisfeld inszeniert. Gleichzeitig spielt Norman Mailer vor der Kulisse der Columbia-Gletscher die Rolle des Harry Houdini: einen ungarischen Verwandlungs- und Zauberkünstler. Er soll der Großvater von Gary Gilmore gewesen sein – Genealogie also als ein Bindeglied der beiden Ebenen ...

| Do 07.09., 19:30 | Mi 13.09., 21:30 | Sa 16.09., 18:00 |

 


 

CREMASTER 3

| USA 2002 | OF | 182 Min. |

Ehrgeiz und Macht stehen im Zentrum von CREMASTER 3. Die Haupthandlung spielt im New Yorker Chrysler Building während dessen Errichtung in den Jahren 1929–30. Barney verbindet die Architektur des Gebäudes mit den Übergangsriten der Freimaurer: einer streng hierarchischer Rangordnung, was stets mit Prüfungen einhergeht. Nur durch eisernen Willen rückt man bis ganz nach oben – quasi in göttliche Nähe... – am Anfang und Ende wird auf eine keltische Sage über die Entstehung der Inseln in der Irischen See Bezug genommen. Zwei irische und ein schottischer Riese im Wettkampf: Durch den Rückgriff auf eine List gewinnt der Kleinste. Mit Richard Serra, Aimee Mullins, Matthew Barney.

| Sa 09.09., 20:00 | Do 14.09., 20:00 | Sa 16.09., 20:15 |

 


 

Cremaster 4

CREMASTER 4

Mit Matthew Barney.
| USA 1994 | OF | 42 Min. |

Schauplatz: Isle of Man – bekannt sowohl für das alljährliche Motorradrennen wie auch für eine seltene Widderrasse, den »Loughton Ram« – der Film kreist um drei – parallele Handlungsstränge. Während zwei miteinander wetteifernde Motorradteams die Insel in entgegengesetzter

Richtung umkreisen, kämpft sich der »Loughton Candidate« durch einen morastigen Untergrund; allesamt werden sie dabei von einer Triade muskelbepackter und geschlechtsloser »Feen« begleitet, die ihnen das Vorwärtskommen abwechselnd erleichtern oder erschweren.

CREMASTER 5

| USA 1997 | OF | 54 Min. |

Die letzte Episode des Zyklus spielt vor der romantischen Kulisse von Budapest. Allein durch ihren Gesang vermag es die Königin der Ketten, die anderen Protagonisten herbeizurufen, nämlich »ihre Diva«, »ihren Zauberer« und den »Riesen«, gespielt von M. Barney.

Die Königin wohnt als einzige Zuschauerin einer Darbietung ihrer Diva bei, einer asexuellen, mit rosafarbenen Bändern bekleideten Figur, die hoch über der Bühne balanciert, am Ende jedoch das Gleichgewicht verliert und brutal zu Boden stürzt. Angesichts dieser Vorführung gibt sich die Königin nostalgischen Erinnerungen an ihren Liebhaber hin, den Zauberer nämlich, dessen Tod sie beklagt. Mit Ursula Andress, Matthew Barney.

| So 10.09., 19:30 | Sa 16.09., 23:30 | So 17.09., 21:30 |

 


 

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