World Cinema: Fremdsein im Fokus

Der Begriff der Fremdheit besitzt in Deutschland eine erstaunliche Selbstverständlichkeit. Trotz zunehmender transnationaler und -kultureller Bewegungen erscheint das Eigene als abgrenzbar und intakt, als fremd gilt, wer nicht zu »uns« gehört. Dabei wird Fremdheit vor allen Dingen als kulturelle Unterschiedlichkeit verstanden oder an der Hautfarbe festgemacht.

Obwohl Deutschland zu den wichtigsten Einwanderungsländern Europas zählt, tut man sich schwer mit dem Zugeständnis, ein Einwanderungsland zu sein. Wie sind die Geschichten der Einwanderer im Kino repräsentiert? Wir zeigen vier Beispiele aus Frankreich, Deutschland, Großbritannien und USA. Frankreich und Großbritannien gelten schon wegen ihrer Kolonialtradition als klassische Einwanderungsländer, USA ist das Einwanderungsland schlechthin. Zwei der Filme präsentieren das neue »Migrantenkino«; ein Filmschaffen, das sich selbstbewusst zwischen den Welten bewegt und den stereotypen und naturalisierten Bildern über »die Fremden« eine eigene Bildsprache entgegensetzt. Während WESH WESH, QU‘EST-CE QUI SE PASSE? in cinema beur Stil nicht vor der harten Schilderung von Konflikten und Gewalt zurückscheut, arbeitet Hussi Kutlucan in seinem Film ICH CHEF, DU TURNSCHUH mit Satire und Humor. Debatten um alte und neue Einwanderer, Asyl, Staatsbürgerschaft, nationale Einheit und Identität werden ironisch unterwandert. In Zusammenarbeit mit Theater Freiburg, E-Werk und Literaturbüro Freiburg. www.neger-kuessen.de

ICH CHEF, DU TURNSCHUH | WESH, WESH, WAS GEHT HIER AB? | YASMIN | L.A. CRASH

 

 


 

Ich Chef, du Turnschuh

ICH CHEF, DU TURNSCHUH

Regie: Hussi Kutlucan |
| Deutschland 1998 | OF | 92 Min. |

Das Wort von der »ausweglosen Situation« ist Dudie völlig unbekannt. Dabei ist er wirklich vom Pech verfolgt. Doch ob seine Freundin vom überfüllten Containerschiff abhaut, in dem der Asylbewerber in Hamburg lebt, ob der deutsche Vorarbeiter auf der Großbaustelle am Berliner Reichstag ihm lautstark mit Rausschmiss droht oder er wieder mal keinen Schlafplatz in Aussicht hat – dem armenischen Asylbewerber kommt noch immer der rettende Einfall. Dudie ist ein respektloser Schelm, der die hypernervösen, stets hysterisch herumbrüllenden Deutschen mühelos auskontert. Auch den perfekt assimilierten Türken, die am lautesten »Ausländer raus!« fordern, bleibt er keine Antwort schuldig. So schlängelt sich Dudie, der begnadete Geschichtenerzähler, durch den deutschen Illegalen-Dschungel.

Hussi Kutlucan, der selbst die Hauptrolle spielt, erzählt Dudies Odyssee als erfrischende, anarchische Überlebens-Komödie, in der Ethnizität als Maskerade und Rollenspiel inszeniert wird.

Zuvor (Kurzfilm): SCHWARZFAHRER von Pepe Danquart | 12 Min.

| Mi 07.06., 19:30 | Fr 09.06., 21:30 | Sa 10.06., 21:30 |

 


 

Wesh, Wesh, was geht hier ab?

WESH, WESH, WAS GEHT HIER AB?

WESH, WESH, QU’EST-CE QUI SE PASSE?

Regie: Rabah Ameur-Zaimeche |
| Frankreich 2001 | OmU | 83 Min. |

Nachdem er die doppelte Strafe von Gefängnis und Ausweisung verbüßt hat, kehrt Kamel heimlich aus Algerien nach Frankreich zurück, zu seiner Familie, in die Stadt seiner Kindheit. Von diesem Moment an bemüht er sich nach Kräften, Ordnung in sein Leben zu bringen. Er hofft auf ein besseres Leben in Frankreich. Daran glaubt er fest, auch wenn seine Versuche, Arbeit zu finden und Papiere zu bekommen, ergebnislos bleiben. Was geht hier ab? fragt Rabah Ameur-Zaimeche. Integration – wenn jeder Einwanderer verdächtig ist? Pflichten – wenn die Rechte nicht für alle gelten? Ein zorniger Spielfilm, der ausschließlich im Department Seine-

Saint-Denis (Pariser Banlieu) gedreht wurde und dessen Darsteller zum größten Teil dort leben.

Zuvor (Kurzfilm) SCHWARZFAHRER von Pepe Danquart | 12 Min.

| Di 06.06., 19:30 | So 11.06., 17:30 | Mi 14.06., 21:30 |

 


 

Yasmin

YASMIN

Regie: Kenny Glenaan
Großbritannien 2004 | OmU | 87 Min. |

Yasmin, eine pakistanische Immigrantin der zweiten Generation, lebt in der Spannung zwischen ihrem westlichen Lebensstil und den Forderungen ihrer Familie. Sie arbeitet als Sozialarbeiterin mit Kindern in Nordengland und wird von ihren Kollegen sehr geschätzt. Der 11. September 2001 wird für Yasmin zum Wendepunkt. Arbeitskollegen meiden sie plötzlich, die britischen Muslime geraten unter Generalverdacht. Der Film zeichnet ein lebendiges und berührendes Porträt der pakistanischen Community in Großbritannien unter den Auswirkungen des 11. Septembers und ist trotz der schweren Themen voller Witz und Ironie.

Zuvor (Kurzfilm) IM BUS von C. Cay Wesnigk | 1 Min.

| Di 20.06., 19:30 | Do 22.06., 21:45 | Di 27.06., 21:30 |

 


 

L.A. CRASH

Regie: Paul Haggis | mit: Sandra Bullock, Don Cheadle, Matt Dillon, Brendan Fraser
| USA 2004 | OmU | 113 Min. |

Alles beginnt mit einem Autounfall, bei dem Menschen unterschiedlicher Herkunft, Hautfarbe und Gesellschaftsschicht aufeinander treffen. Ob nun wegen einer kurzen Unaufmerksamkeit oder weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort waren: Alle Protagonisten werden mit dem Rassismus und mit einer brodelnden Wut konfrontiert, die in der Gesellschaft unter einer dünnen Oberfläche allgegenwärtig sind.

L.A. CRASH tritt in die Fußstapfen von Klassikern wie Altmans »Short Cuts« oder »Magnolia« und entwirft das Porträt einer Metropole am Rande der sozialen Explosion. Der Film wurde dieses Jahr mit dem Oscar für den besten Film ausgezeichnet.

| Do 29.06., 19:30 | Sa 01.07., 21:30 | So 02.07., 19:30 |

 


 

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