Filmstadt Moskau – Neues russisches Kino

Der russische Film macht in den letzten Jahren wie schon lange nicht mehr von sich reden: Auf Festivals erfolgreich, schaffen es einzelne Produktionen bis in die Kinosäle Westeuropas. Künstlerisch und wirtschaftlich kann von einer regelrechten Wiedergeburt des russischen Films gesprochen werden, der mit neuen Bildern und innovativer Ästhetik die radikal veränderte Realität nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion reflektiert und zugleich an die reiche Tradition des sowjetischen Kinos anknüpft. Kristallisationspunkt des neuen russischen Kinos ist die Filmstadt Moskau, in der sich eine junge Filmszene etabliert hat, deren kreatives Potenzial und Vitalität fasziniert. Wir zeigen in Zusammenarbeit mit der Kinemathek Karlsruhe einen Querschnitt des jungen russischen Kinos der letzten Jahre.

STAUB | ALTE FRAUEN | MEIN STIEFBRUDER FRANKENSTEIN | DIE UNSRIGEN

 


 

Staub

STAUB

PYL

Regie: Sergej Loban | mit Aleksej Podolskij, Pjotr Mamonov, Psoi Korolenko, Dimitrij Pimenov u.a.
| Rußland 2005 | OmeU | 107 Min. |

Die Handlung dieses Filmes zu erzählen, lohnt sich nicht, man muss ihn einfach gesehen haben. Die Geschichte eines dicken und infantilen 24-jährigen Moskauers, der sich einen schönen Körper wünscht, ist vielleicht nicht außergewöhnlich, jedoch die Art, wie diese unabhängige Lowbudget-Produktion gemacht wurde, ist dafür umso interessanter!

Die Autoren Sergej Loban (Regie), Marina Potapova (Buch) und Dmitri Model (Kamera) waren in den 90er Jahren Mitglieder einer Künstlervereinigung mit dem provozierenden Namen ZAIBI (Für eine Anonyme und kostenlose Kunst). Beim letzten Moskauer Filmfestival wurde STAUB von der Kritik gefeiert nicht nur als ein innovatives künstlerisches Experiment, sondern als wegweisendes Werk des jungen, unabhängigen russischen Kinos.

| So 04.06., 19:30, am Pfingstsonntag um 22.00 Uhr laden wir Euch zur Musiklounge »Moscou-Paris« im Foyer mit russischem und französischen Retro-Pop der 60er Jahre ein. | Mo 05.06., 21:45 |

 


 

Alte Frauen

ALTE FRAUEN

STARUCHI

Regie: Genadij Sidorov | mit Valentina Beresuzkaya, Galina Smirnova, Zoya Norkina u.a.
| Rußland 2003 | OmeU | 100 Min. |

In einem kleinen Dorf in der Nähe von Kostroma, das alle jüngeren Menschen verlassen haben, weil es keine Arbeit gibt, wohnen nur noch ein Dutzend alter Frauen. Sie warten meist umsonst auf ihre schmale Rente und müssen sich irgendwie ernähren. Der Tauschhandel blüht, es gibt einen engen Zusammenhalt. Mit den Frauen lebt auch Mikolka, der am Downsyndrom leidet. Ab und zu kommt Major Fyodor mit einigen Soldaten von der nahe gelegenen Kaserne vorbei und bringt Leben in den Ort.

Doch da kommt in den Ort eine Flüchtlingsfamilie aus Usbekistan. Die Frauen beobachten sie zunächst mit großer Skepsis. Mikolka, der ihr fremdenfeindliches Gerede über »diese Asiaten« für bare Münze nimmt, steckt schließlich das Haus an, in dem die Familie sich gerade eingerichtet hat. Von der menschlichen Tragödie ›bekehrt‹, entwickeln die Dorfbewohner doch noch ein freundschaftliches Verhältnis.

Nahezu ausnahmslos mit Laiendarstellern und ohne Drehbuchvorlage entstanden, vermittelt der Film fast dokumentarische Eindrücke vom ländlichen Leben in Russland. Das Regiedebüt von Gennadij Sidorov sorgte im Land für Diskussionen und wurde mit verschiedenen nationalen Preisen ausgezeichnet.

| Do 01.06., 19:30 | Fr 02.06., 22:30 |

 


 

Mein Stiefbruder Frankenstein

MEIN STIEFBRUDER FRANKENSTEIN

MOI SVODNYI BRAT FRANKENSTEIN

Regie: Valerij Todorovskij | mit Leonid Iarmolnik, Elena Iakovleva, Daniil Spivakovskii, Sergei Garmash
| Rußland 2004 | OmeU | 111 Min. |

Daran dass Russland seit mehr als zehn Jahren im Kaukasus Krieg führt, erinnern sich die meisten Russen nur noch nach dem ein oder anderen spektakulären Terroranschlag. Sonst ist das Leben ganz ›normal‹: die Wirtschaft wächst, die Einkommen steigen und das Chaos der Postperestrojkazeit ist fast vergessen. Im heutigen Russland nennt man das »Stabilnost/Stabilität«. In dieser »Stabilität« lebt auch die Familie von Julik, einem erfolgreichen Arzt. Alles scheint sicher und stabil, bis eines Tages ein schwerverwundeter 20-jähriger Kriegsveteran in seiner Wohnung auftaucht und behauptet, er sei sein ältester Sohn... Der mit hervorragenden Schauspielern besetzte Film zeigt, wie ein verdrängter und vergessener Krieg in die bürgerliche Idylle eindringt und sich das Seine nimmt.

| Fr 09.06., 19:30 | Sa 10.06., 19:30 |

 


 

DIE UNSRIGEN

SVOI

Regie: Dmitrij Meschiev | mit Konstantin Khabensky, Sergei Garmash, Mikhail Evlanov, Natalya Surkova
| Rußland 2004 | OmeU | 100 Min. |

Sommer 1941 war die Zeit, als alles für die Sowjets vorbei zu sein schien... Irgendwo in Westrussland, aus einer endlosen Kolonne von Gefangenen, fliehen drei Rotarmisten: ein Soldat, ein Geheimdienstler und ein jüdischer Politoffizier. Sie versuchen beim Vater des Soldaten – ein von den Sowjets repressierter Großbauer, der von den Deutschen zum Dorfältesten ernannt wurde – ein Versteck zu finden.

SVOI ist der erste Film, in dem nach dem großen Tabubruch um den Großen Vaterländischen Krieg künstlerisch das Thema der Kollaboration mit den Besatzern verarbeitet wird. Es ist der Versuch, die verschiedenen Gründe, die Menschen zur Kollaboration bewegt haben, zu durchleuchten. Als Resultat entsteht ein Bild, das weit entfernt ist von den schon bekannten Darstellungen aus der Sowjetzeit. Der in Russland mit verschiedenen Preisen bedachte Film wurde sehr unterschiedlich aufgenommen und sorgte für heftige Polemik in der Presse.

| Mi 07.06., 21:30 | Do 08.06., 19:30 |

 


 

schreib mir mal! e-mail ans Kommunale Kino
kino@freiburger-medienforum.de
Startseite Kommnunales Kino Freiburg
Zurück zur
Startseite