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CINÉMA BEUR – MigrantInnen in Frankreich

Als Cinéma Beur wird das Anfang der 80er-Jahre entstandene Kino nordafrikanischer Filmemacher bezeichnet, die in Frankreich aufgewachsen sind und in ihren Filmen die Lebenswelten der Einwanderer thematisieren. Der Kontrast zwischen der maghrebinischen Vergangenheit der Eltern und der Gegenwart in den Banlieues der französischen Großstädte waren der Ausgangspunkt für das Konzept eines Kinos, das die Unumkehrbarkeit der kulturellen Vermischung und das Leben in mindestens zwei Kulturen thematisiert.

Wir nehmen die politische Lage in Frankreich zum Anlass, um aktuelle Schlüsselwerke dieses engagierten Kinos zu zeigen. Es sind beeindruckende, wütende, melancholische Filme gegen soziale Exklusion und Rassismus.

 

LA FAUTE À VOLTAIRE · BYE BYE · MARIE-LINE · L’ESQUIVE

Zum gleichen Thema zeigen wir unseren Film des Monats: WAS LEBST DU?

 


 

LA FAUTE À VOLTAIRE

VOLTAIRE IST SCHULD

Regie und Buch: Abdel Kechiche | Kamera: Dominique Brenguier | mit Elodie Bouchez, Sami Bouajila, Aure Atika, u.a.
| Frankreich 2000 | OmU | 128 Min. |

 

Jallel, ein tunesischer Immigrant, verkauft Früchte in der Metro und Rosen in Restaurants. Jallel ist ein »sans papier« und träumt von einem »legalen« Aufenthalt in Frankreich. In einem Café lernt er die schöne Nassera kennen, eine tunesische Kellnerin, die ihm eine arrangierte Ehe verspricht. Im letzten Moment aber lässt sie ihn im Stich. Jallel ist völlig zerstört. Seine Freunde bringen den Deprimierten in ein Sanatorium für psychisch Kranke. Dort macht er eine außergewöhnliche Bekanntschaft: Die verwirrte Lucie (grandios: Elodie Bouchez), die für ein paar Zigaretten mit jedem Mann schläft. Zwischen den beiden beginnt eine Amour fou der besonderen Art...

Kechiches gefeiertes Regiedebüt erzählt die Odyssee eines tunesischen Einwanderers in Frankreich, der mit der Naivität des Voltaire-Helden »Candide« in Paris ein neues Leben beginnen will. Gekrönt mit dem Goldenen Löwen für das beste Erstlingswerk in Venedig und mit zwei Publikumspreisen der Jugend!

| Mi 07.12., 19.30 | Sa 10.12., 21.30 |

 


 

BYE BYE

Buch und Regie: Karim Dridi | Kamera: John Mathieson | Musik: Steve Shehan, Jikmy Ohid | mit Sami Bouajila, Nozha Khouadra, Ouassini Embarek u.a.
| Frankreich 1995 | OmU | 105 Min. |

 

BYE BYE ist ein zärtliches und vitales Portrait der in Frankreich lebenden Nordafrikaner. Der Film erzählt von Rassismus und Liebe und von dem Versuch, zwischen der französischen und der arabischen Kultur einen eigenen Weg zu finden.

In Panier, dem dichtgedrängten, von maghrebinischen Einwanderern geprägten Stadtteil von Marseille, geraten die Brüder Ismael und Mouloud in Turbulenzen. Die Menschen leben auf engstem Raum zusammen, jeder weiß über jeden Bescheid. Der alltägliche Rassismus stellt eine Bedrohung dar, die jederzeit eskalieren kann. Ismael arbeitet auf einer Baustelle und beginnt ein heimliches, stürmisches Verhältnis mit der Freundin seines Kumpels. Mouloud soll eigentlich zurück zu den Eltern, die überraschend nach Nordafrika zurückgekehrt sind. Wie Ismael fühlt sich Mouloud aber als Franzose. Zusammen mit seinem Cousin taucht er unter. Ismael setzt alles daran, ihn wiederzufinden ... (Prix de la Jeunesse Filmfestival Cannes 1995)

| Mi 14.12., 19.30 | Fr 16.12., 21.30 |

 


 

MARIE-LINE

Regie und Buch: Mehdi Charef | Kamera: Alain Levent | mit Muriel Robin, Fejria Deliba, Valérie Stroh, Yan Epstein, Gilles Treton u.a.
| Frankreich 2000 | OmU | 100 Min. |

 

Marie-Line ist die Chefin einer Putzkolonne, die vorwiegend aus illegalen Einwanderern besteht. Frauen, die Nacht für Nacht einen großen Supermarkt reinigen und tagsüber in der Illegalität leben, sich um ihre Familien kümmern und ständig den herrschenden Rassismus zu spüren bekommen. Auch Marie-Lines Ton ist hart und feindselig. Sie ist ehrgeizig: Wie die Jahre zuvor möchte sie den begehrten Preis »Putzstaffel des Jahres« gewinnen. Den Schwierigkeiten mit den illegalen Arbeiterinnen begegnet sie zunächst mit Gleichgültigkeit; im Lauf der Zeit jedoch taut sie auf und zeigt sich den Frauen gegenüber einfühlsamer. Sie setzt sich für eine der bis dahin verhassten Migrantinnen ein und riskiert dafür sogar ihren Job ...

Wie schon in seinem Regiedebüt »Tee im Harem des Archimedes« verbindet Mehdi Charef in seinem atmosphärisch dichten Film Humor und Tragik, Poesie und Realität, und sorgt dafür, dass trotz der sozialen Thematik keine Larmoyanz aufkommt.

| Mi 21.12., 19.30 | Fr 23.12., 21.45 |

 


 

L’ESQUIVE

Regie: Abdellatif Kechiche | mit Osman Elkharraz, Sara Forestier, Sabrina Ouazani, Nanou Benahmou, Hafet Ben-Ahmed, Aurélie Ganito u.a.
| Frankreich 2003 | OmU | 117 Min. |

 

Regisseur Abdellatif Kechiche (»La faute à Voltaire«) hat im Pariser Banlieue-Milieu L'ESQUIVE gedreht: einen Film, der Marivaux verehrt. Denn dessen Komödie »Das Spiel von Liebe und Zufall« soll auf einem Schulfest aufgeführt werden. Lydia hat darin die weibliche Hauptrolle übernommen, Krimo, der sehr in sie verliebt ist, tut alles, um nun die männliche Hauptrolle zu bekommen. Aber er ist als Schauspieler eher ungeeignet, zu schüchtern und zu wortkarg. Und dann noch der höllisch schwere Text von Marivaux. Lässt ihn die Liebe Marivauxs Verse bewältigen?

Kechiche hat seinen Film mit großartigen Laiendarstellern an Originalschauplätzen (einer Sozialsiedlung in der Nähe von Paris) gedreht: »Diese Vororte werden dermaßen stigmatisiert, dass es fast revolutionär erscheint, dort eine Geschichte anzusiedeln, bei der es nicht um Drogen, verschleierte Mädchen oder Zwangsheirat geht. Ich hingegen wollte verstehen, wie dort über die Liebe und auch das Theater geredet wird. Ich wollte eine andere, persönliche Sichtweise vermitteln.« L’ESQUIVE erhielt den César als »bester französischer Film« des Jahres 2005.

| Mi. 28.12., 19.30 | Fr. 30.12., 21.30 | So 01.01.06, 17.30 |

 

 


 

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Zuletzt bearbeitet am 30.11.2005 © vivasoft1997-2005 Schreib mal wiederinfo@vivasoft.de