Kommunales Kino im alten Wiehrebahnhof
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Mittwochskino

Filme, Vorträge, Lesung zum deutschen Kolonialismus in Afrika.

Im Jahr 2004 jährte sich zum hundertsten Mal der Beginn des Kolonialkrieges, den das deutsche Kaiserreich zwischen 1904 und 1908 gegen die Herero und Nama im damaligen 'Deutsch-Südwestafrika' führte. Wie die gesamte deutsche Kolonialgeschichte ist hierzulande auch dieser erste deutsche Völkermord im öffentlichen Bewußtsein kaum präsent – und das, obwohl damals Denkmuster, Argumentationsweisen und Praktiken eingeübt wurden, die dann dreißig Jahre später bei der Diskriminierung und Ermordung der europäischen Juden weiterentwickelt wurden.
Mit einem vielseitigen Programm aus Filmen, Vorträgen und Lesungen vom 19.1. bis 9.2. rückt unser aktueller Schwerpunkt den Kolonialkrieg gegen die Bevölkerung des heutigen Namibia ebenso in den Blick wie das Fortwirken kolonialistischer Einstellungen im Faschismus und bis in die Gegenwart. Dabei freuen wir uns, eine ganze Reihe von Gästen begrüßen zu können: Anhand von historischen Jagd- und Reisefilmen wird der Filmhistoriker Wolfgang Fuhrmann den kolonialistischen Blick auf das deutsche Schutzgebiet vor dem Ersten Weltkrieg analysieren. Dem Selbstbild der Deutschen als den besseren Kolonialherren gilt der Vortrag über DIE IMAGINÄRE EROBERUNG AFRIKAS DURCH DEUTSCHE WISSENSCHAFTLER, mit dem Alexander Honold die Vorführung des NS-Propagandafilms GERMANIN einleiten wird. In Anwesenheit des Regisseurs zeigen wir Martin Baers neuesten Film WEISSE GEISTER, der anhand einer deutschen und einer namibischen Biografie den bis in die Gegenwart reichenden Folgen des grausamsten Kapitels deutscher Kolonialgeschichte nachgeht. Und in einer Lesung aus seinem Roman FESTER rückt der Autor Christof Hamann das Verhältnis von Kolonialkrieg und Shoah in den Blick und zeigt das Fortwirken kolonialer Einstellungen im ganz „normalen“ Biertourismus.

In Zusammenarbeit mit dem
Informationszentrum 3. welt (iz3w)

 

Weisse Geister · Filme und Diskussion · Wir hatten eine Dora in Südwest · Germanin – Die Geschichte einer Kolonialen Tat · Die Hottentotten · Lesung: Christof Hamann: »Fenster«

 


 

Mittwochskino

Der Kairos - Filmverleih stellt sich vor

November Novembre · Le Prix du Pardon

 


 

Film und Diskussion

WEISSE GEISTER

( DER KOLONIALKRIEG GEGEN DIE HERERO )

Regie: Martin Baer

| Deutschland 2004 | DF | 70 Min. |

Der Kolonialkrieg gegen die Herero

 

Vor hundert Jahren führte das deutsche Kaiserreich einen Vernichtungskrieg gegen die aufständischen Herero in »Deutsch-Südwest-Afrika«. Wie wird auf beiden Seiten mit den Erinnerungen an dieses Kapitel der Kolonialgeschichte umgegangen? Der deutsche Filmemacher Martin Baer begleitet die Spurensuche des in Berlin lebenden Herero Israel Kaunatjike in dessen namibische Heimat und wird dabei selbst zum Protagonisten: In beiden Biografien zeigt sich die Verflechtung von deutscher und namibischer Geschichte. Martin Baer kommt im Rahmen der Recherchen völlig unerwartet mit der eigenen, familiären Vergangenheit in Berührung. Die Debatte über finanzielle Entschädigung, die durch die Reparationsforderungen der Herero People Reparations Corporation ausgelöst wurde, erhält eine persönliche Dimension.

| Mi 19.1., 19.30 | Fr 21.1., 19.30 in Anwesenheit des Regisseurs Martin Baer



 

Filme und Diskussion

Filmgeschichte als Kolonialgeschichte

( Frühe Filme aus den Kolonien )

 

 

Die deutschen Kolonien waren immer wieder Schauplatz für filmische koloniale Reisebilder und Jagdfilme. Doch nur sehr wenige Filme sind bis heute überliefert. Der Filmvortragsabend bietet die seltene Möglichkeit, neben Bilddokumenten und Illustrationen aus der Kolonialfilmgeschichte eine Auswahl von Filmen (1910 bis 1913) aus der deutschen Kolonialzeit zu sehen und in einer abschließenden Diskussion zu analysieren.
Gast: Dr. Wolfgang Fuhrmann (Filmhistoriker und Medienwissenschaftler)

| Mi 26.1., 19.30 |

 


 

Wir hatten eine Dora in Südwest

Regie: Tink Diaz

BRD 1991 | 70 Min. |

 

Der Dokumentarfilm greift einen bisher wenig beachteten, aber hochinteressanten Aspekt der deutschen Kolonialgeschichte und ihrer Folgen auf. 1907 wird der 'Deutschkoloniale Frauenbund' gegründet, mit dessen Hilfe u.a. die »Zufuhr« von deutschen Bräuten an die Schutztruppen und Siedler gefördert werden soll, um der vermeintlich drohenden »Verkafferung der Männer in Deutsch Südwest und Deutsch Ostafrika« entgegen zu wirken. Auch noch nach 1918, als Deutschland gar keine Kolonien mehr hatte, vermittelt der Frauenbund noch ausreisewillige junge Frauen als »Trägerinnen deutscher Zucht und Sitte« nach Windhoek, Swakopmund oder Tanga.
Der Film kompiliert historisches Archivmaterial, zeitgenössische Fotos, Lieder, Zitate aus Theaterstücken oder Kolonialromanen und er kontrastiert diese collagenartige Zusammenschau mit den aktuellen Aussagen einiger Frauen, die in den dreißiger oder vierziger Jahren mit dem Frauenbund nach Namibia gingen und noch heute dort leben.

| So 30.1., 19.30 | Vortrag, Filme, Diskussion – Menschenversuche in Afrika Vortrag im Kinosaal

 


 

Vom Gipfelsturm zum Busch - Krieg in der Blutbahn

( DIE IMAGINÄRE EROBERUNG AFRIKAS
DURCH DEUTSCHE WISSENSCHAFTEN )

Referent: Alexander Honold (Literatur- und Kulturwissenschaftler, Universität Basel)
anschließend der Film

GERMANIN – DIE GESCHICHTE EINER KOLONIALEN TAT

| Deutschland 1942/43 | 95 Min. |

 

Im ersten Weltkrieg entwickelte der Bayer-Konzern ein Mittel, das gegen die Schlafkrankheit helfen sollte. Zunächst hieß es »Bayer 205«. Das Mittel wurde später in »Germanin« umbenannt und in den afrikanischen Kolonien erstmals 1921 an Menschen in Konzentrationslagern getestet. Während des Nationalsozialismus erschien eine ganze Reihe von Propagandawerken über die Erfindung des »Germanin«, allen voran Hellmuth Ungers gleichnamiger Roman von 1938. Dieser wurde 1942/43 von Max Wilhelm Kimmich verfilmt, einem Schwager des Propagandaminister Goebbels.

| Mi 2. 2., 20.00 |

 


 

Die Hottentotten

Venus

( Das Leben der Sara Baartman )

Regie: Zola Maseko

| Frankreich 1998 | OmU | 52 Min. |

Die Hottentotten

 

1810 wurde Saartjie Baartmann, eine junge Khoi-Frau, von Südafrika nach Europa gebracht. Als exotisches Wunder bestaunt, wurde sie als »Hottentotten-Venus« zur Zirkusattraktion von London bis Paris. Auch die wissenschaftlichen Kreise zeigten Interesse an dem fremden Körper: Nach ihrem Tod 1815 wurde Baartmans Körper seziert und noch bis 1976 im Pariser Musée de l'Homme ausgestellt. Neben der populären Schaulust geht der Dokumentarfilm der Rolle der Wissenschaft nach, die lange Zeit den gängigen Rassismus untermauert und legitimiert hat.

| Do 3.2., 19.30 | Mi 9.2., 19.30 |

 


 

 

Lesung:

Christof Hamann: »Fenster«

 

Christof Hamann liest aus seinem neuen Roman »Fester«, der 2003 im Steidl Verlag erschien. Der auf unterschiedlichen Schauplätzen spielende Roman reflektiert unter anderem die deutsche Kolonialgeschichte Namibias.
Bekannt wurde der 1966 am Bodensee geborene, bei Düsseldorf lebende Schriftsteller Christof Hamann durch seinen ersten Roman Seegfrörne (2001), für den er den Förderpreis des Landes NRW und den Preis ›Debüt im Buddenbrookhaus‹ erhielt.

| Fr 4.2., 20.00 | Galerie Alter Wiehrebahnhof

 


 

 

November Novembre

Regie: Achero Mañas I mit Ó. Jaenada, I. Rubio, P. Lorena

I Spanien 2004 I OmU I 104 Min. I

 

Madrid in den Neunzigern: Alfredo will Schauspieler werden. Die Schauspielschule verlässt der begabte, charismatische junge Mann jedoch schon bald wieder, um seine ganz eigene Art von Theater zu machen: freies, unabhängiges Straßentheater, engagiert und ohne Kompromisse. Voller Ideen und Ideale gründet er die Compagnie »Noviembre«, die mit ihren schrägen, provozierenden Stücken schon bald Aufsehen erregt, allerdings auch bei der Polizei. Ein Auftrittsverbot führt schließlich zur Zerreißprobe mit tragischen Folgen... Nach wahren Begebenheiten und mit tollen spanischen Nachwuchsdarstellern erzählte Story um junge Theaterrebellen, die unter die Haut geht – und ganz bestimmt nicht nur den Theaterfans.

I So 2.1., 19.30 I Fr 7.1., 21.30 I

 


 

 

Le Prix du Pardon

Regie und Buch: Mansour Sora Wade | Kamera: P.O. Larrieu | Musik: W. Diop, Y. Larrieu | mit G. Seck, R. Niang, H. Kounde, J. Campbell u.a.

| Senegal 2001 | 90 Min. | OmU |

Le Prix du Pardon

 

Die Lebu, ein kleines Fischervolk, leben an der südlichen Atlantikküste des Senegal. Das Meer ist sozusagen alles, was sie zum Leben brauchen. Doch seit langer Zeit schon liegt ein eigenartiger dichter Nebel über dem Wasser, behindert die Fischer und bedroht so die Zukunft des Dorfes. Die Gebete des Marabut, des im Sterben liegenden Wunderheilers, können das Verhängnis nicht beseitigen. Erst sein Sohn Mbanik wagt es, sich dem Fluch der Geister entgegenzustellen, und bringt die Sonne zurück ins Dorf. Mit dieser Tat erobert er zugleich die Liebe der schönsten Frau im Dorf, Maxoy, sehr zum Unwillen seines Freundes Yatma, der ebenfalls in Maxoy verliebt ist. Regisseur Mansour Sora Wade und der Autor der Romanvorlage Mbissane Ngom entstammen beide selbst der Gruppe der Lebu und schöpfen aus der mündlichen Tradition ihrer Kultur. Ein Griot, ein afrikanischer Geschichtenerzähler, führt in die Handlung ein, die auf einer alten Legende beruht.
LE PRIX DU PARDON gewann den Publikumspreis bei letztjährigen Internationalen Festival in Fribourg. Die Musik stammt von Wasis Diop, einem der bekanntesten Meister des afrikanischen ‘Ethnopop‘, unter Mitwirkung von Youssou Ndour.

 

| Mi 05.01., 19.30 | So 09.01., 17.30 | Mi 12.01., 19.30

 

 

 




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