Kommunales Kino im alten Wiehrebahnhof
Urachstr. 40
79102 Freiburg
Tel. 0761 - 709033

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Autobiographie in Film und Literatur

 

> Schon immer diente das eigene Leben dem Schriftsteller wie dem Filmemacher als Fundgrube für seine künstlerischen Entwürfe. In der Veranstaltungsreihe »Autobiographie in Film und Literatur« wollen wir, Kommunales Kino und Literatur Forum Südwest, ausleuchten, in welchen Facetten die Beschäftigung mit dem Ich filmisch und literarisch in Erscheinung tritt. Die Bandbreite unserer Veranstaltungen reicht dabei von einer literarischen wie filmischen Annäherung an Büchnerpreisträger Arnold Stadler, dessen Texte stark in autobiographischen Bezügen verortet sind, bis hin zu Johan van der Keukens' Film »Die großen Ferien«, der seine Kamera unnachgiebig auf die eigene vom nahen Tod geprägte Lebenszeit richtet. In welchen Formen versuchen sich Filmemacher und Schreibende, ihrem eigenen Leben anzunähern? Wo und wie verlaufen die Grenzen zwischen eigenem Erleben und dessen künstlerischer Gestaltung? Warum überhaupt lässt der Künstler andere an dem eigenen Erinnern, am eigenen Leben teilhaben? Auf die Spuren dieser und anderer Fragen möchten wir Sie gerne mitnehmen. Seien Sie uns bei den zahlreichen Veranstaltungen unserer Reihe »Autobiographie in Film und Literatur« herzlich willkommen.
Kommunales Kino e.V. &
Literatur Forum Südwest e.V.

Liebes Tagebuch · Die Grossen Ferien · As i was Moving ahead

 


 

Literaturforum Südwest

Autobiographie in Film und Literatur

 

Lesung und Film · Vortrag · Vortrag und Lesung · Autorenlesung

 


 

Architektur als Autobiographie

Emigholz dokumentiert Bruce Goff

Goff in der Wüste

 


 

Liebes Tagebuch

(CARO DIARIO)

| Regie und Buch: Nanni Moretti | Kamera: G. Lanci | Musik: N. Piovani | mit N. Moretti, R. Carpentieri, C. della Seta u.a.

| Italien/Frankreich 1993 | OmU | 101 Min. |

Tagebuch

»Eines der Dinge, die mir Spaß machen, ist mit der Vespa zu fahren«, so schreibt eine Hand in ein Notizbuch, und schon folgt man dem Hauptdarsteller bei seinen Fahrten durch unbekannte (Vor-)Orte Roms, vorbei an Häusern, Plätzen und Straßen. In CARO DIARIO wird das Tagebuch von Nanni Moretti als Darstellungsform benutzt, um Ereignisse und Wahrnehmungen freier ›atmen‹ zu lassen.
In drei Kapiteln entfaltet der Regisseur sehr persönliche Gedanken über die Wechselbeziehungen zwischen Gesellschaft und Individuum, zwischen Kino und Fernsehen und über die kleinen und großen ›Wunder‹ des Lebens und Überlebens. Eine zeitgenössische, ebenso spielerische wie verspielte Odyssee, die von liebenswürdiger Sinnlichkeit und intelligentem Witz geprägt ist.

So 24.10., 21.30 | Do 28.10., 22.00 |
Sa 30.10., 17.30 |

 


 

Die grossen Ferien

(DE GROTE VAKANTIE)

Regie und Kamera: Johann van der Keuken

| Niederlande 1999 | OmU | 145 Min. |

Ferien

Im Oktober 1998 wurde dem Dokumentarfilmer Johan van der Keuken von seinem Arzt mitgeteilt, dass er infolge einer Krebskrankheit nur noch wenige Jahre zu leben hätte. Jahrelang hatte er mit seiner Frau Nosh van der Lely die Welt bereist. Sie war für den Ton verantwortlich, er stand hinter der Kamera. Nun beschlossen die beiden, den kostbaren Rest ihrer gemeinsamen Zeit damit zu verbringen, zu sehen und zu hören. Zu Weihnachten machten sie sich auf den Weg nach Bhutan. Johan van der Keuken betrachtete den Film, den sie machen wollten, als eine Art Chronik seiner ganz persönlichen Weltsicht, die ihm durch seinen drohenden Tod sehr dringlich geworden war. »Trotz aller Widrigkeiten weiterzuleben, mit Hilfe von wunderbaren Geschichten, die sich wie von selbst offenbaren und ein Trost im Angesicht des Nichts sind«, wie van der Keuken im Kommentar formuliert. Die Haltung, trotz allem weiterzuleben, macht aus DIE GROSSEN FERIEN keinen düsteren, sondern einen ausgesprochen lebensbejahenden Film.

Fr 08.10, 19.00 | Di 12.10., 15.00 Dienstagskino | Mi 13.10., 21.30 |
Sa 23.10., 19.15 | So 31.10., 17.30 |

 


 

AS I WAS MOVING AHEAD

(OCASIONALLY I SAW BRIEF GLIMPSES OF BEAUTY)

Regie, Buch, Kamera und Schnitt: Jonas Mekas | Musik: A. Varkalis

| USA 2000 | OF | 288 Min. |

 


Moving

Ein Filmtagebuch aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, eine Rückblende in die (sprunghafte) Erinnerung eines bald Achtzigjährigen, der sein Leben damit zugebracht hat, die Welt um sich herum aufzuzeichnen, zu konservieren. In zwölf Kapiteln, gelegentlich begleitet von der Erzählerstimme des Regisseurs, führt Mekas – eine zentrale Figur des New American Cinema, des Underground-Films der 60er Jahre – durch eine sehr private Welt, der alles »Außerordentliche« fehlt und (paradoxerweise) dadurch nur das Wesentliche bleibt. Sein Film, als geschriebene, besprochene, gefilmte Erinnerung, ist eine lyrische Evokation des Glücks und der Melancholie des Augenblicks, der verstreichenden, ungreifbaren Zeit: eine riskante Investition von Gefühlen.
Der viereinhalbstündige Film vermittelt kurze Momente von Schönheit und Glück, die dem Autor auf dem langen Weg durchs Leben begegneten. Über die Bild- und Tonfragmente spricht Jonas Mekas selbst einen Kommentar. Die Bilder sind Schnipsel, Reste von Filmen aus den Filmdosen im Regal, die er zusammenklebte. Zu Anfang versucht er, eine Chronologie einzuhalten, gibt diese Ordnung jedoch nach einer Weile auf. Es gibt keine Geschichte, die erzählt werden soll, es sind gesammelte Augenblicke des Familienlebens – Alltag. (Vera Thomas)

| Di 12.10., 19.00 kino avantgarde |

 


 

Lesung und Film

( DON’T IMAGINE« – ARNOLD STADLER UND MICHAEL CARSTENS )


»Imgaine, there’s no heaven, above us only sky«, sang John Lennon in den freiheitsbewegten 60ern. Der Himmel sollte auf Erden errichtet werden, über den ins Diesseits befreiten Menschen, der Himmel nicht mehr der Ort jenseitiger Hoffnungen sein. Knapp 40 Jahre später setzt der Autor Arnold Stadler in einem Essay ein trotziges »Don’t« vor Lennons Imaginationsappell. Denn der Himmel auf Erden ist für Stadler eine »Dreckwelt«, eine Welt, in der »Grüne-Tonnen-Stolz und Geräteschuppen im Landhausstil-Ehrgeiz« alle himmlischen Hoffnungen auf wirkliche Befreiung abgelöst haben. Wie diese »Dreckwelt« in ihrer Aufgeräumtheit aussieht, zeigt eine der Szenen von Michael Carstens filmischer Auseinandersetzung mit Stadlers Plädoyer für die Rückgewinnung des Himmlischen am Himmel. Carstens Filmsprache, fast so eindeutig wie die Worte Stadlerscher Abrechung mit den Kleinbürgern und ihrem Verrat an der Fähigkeit utopisch zu träumen, feiert in »Don’t imagine« ein höchst beachtliches Debut.

| Do 21.10., 20.00h | Kinosaal | Eintritt: Euro 4 / 2,50 |

 


 

Vortrag

( ERINNERN - ERZÄHLEN - ERSCHREIBEN )

VON DER ALLTÄGLICHEN SELBST(ER)FINDUNG IN AUTOBIOGRAPHISCHEN TEXTEN – PROF. DR. GABRIELE LUCIUS-HOENE


Nicht nur in literarischen Werken, sondern auch in unserer alltäglichen Selbstvergewisserung erinnern wir uns, schaffen Geschichten von dem, was wir erlebt haben, legen uns in Tagebüchern oder anderen Selbstdokumenten schreibend Rechenschaft von unseren Erfahrungen ab und bemühen uns, ihnen dauerhafte sprachliche Form zu verleihen.
Der Vortrag setzt sich mit den Erkenntnisprozessen und Transformationen auseinander, die sich in den Stufen der Erfahrungsbildung vom Erleben bis zum Schreiben autobiographischer Texte abspielen und reflektiert, welche Bedeutung sie für unser Selbstverständnis und Weltverhältnis haben. Er beleuchtet, wie wir uns in unseren Geschichten verfangen oder mit ihrer Hilfe befreien können, wenn wir uns darin selbst begegnen.

| Di 26.10., 20.00h | Galerie | Eintritt Euro 4 / 2,50 |

 


 

Vortrag und Lesung

( VÄTER UND SÖHNE – DAS DEUTSCHE TAGEBUCHARCHIV )


Eine Fülle von privaten Dokumenten wie Tagebüchern, Briefwechseln, Lebenserinnerungen landete über Jahre im Keller oder auf dem Müll, da die Nachkommen den Bezug zu den schreibenden Vorfahren verloren hatten oder die Schrift nicht mehr lesen konnten und es keine deutsche Institution gab, die sich den autobiographischen Dokumenten annahm. Höchste Zeit also 1998 das Deutsche Tagebucharchiv zu gründen, dem es nicht um die Lebenszeugnisse bedeutender Persönlichkeiten geht, sondern um die Bewahrung der Alltags- und Mentalitätsgeschichte breiter Bevölkerungsschichten. Die Gründerin Frauke von Troschke wird das Tagebucharchiv und seine Arbeit vorstellen. Anschließend wird in einer szenischen Lesung anhand von Tagebuchdokumenten das wandelnde Verhältnis von Vätern und Söhnen über die letzten zwei Jahrhunderte hinweg beleuchtet.

| Do 28.10., 20.00h | Galerie | Eintritt: Euro 4 / 2,50 |

 


 

Autorenesung

( MARIA BOSSE-SPORLEDER UND KASPAR STEINHOFF )


Das Thema autobiographisches Schreiben von verschiedenen Seiten beleuchten werden Maria Bosse-Sporleder und Kaspar Steinhoff, die den literarischen Teil der Autobiographiereihe abschließen. Maria Bosse-Sporleder ist in Freiburg und darüber hinaus bekannt als Leiterin kreativer Schreibwerkstätten, die sich immer wieder schwerpunktmäßig mit dem Thema Autobiographie beschäftigen. Unter Kaspar Steinhoffs Leitung erscheint regelmäßig die »Eule«, Zeitschrift des Seniorenstudiums an der PH Freiburg, deren Fokus auf der Zeitzeugenschaft und Erinnerungsarbeit seiner AutorInnen liegt. Darüberhinaus sind Maria Bosse-Sporleder und Kaspar Steinhoff aber auch selbst Schreibende autobiographisch geprägter Texte, die sie im Rahmen der Lesung vorstellen werden. Beiden gemein ist dabei der Ansatz, das eigene Erleben als Textgrundlage zu verwenden, dabei aber immer auch literarische Gestaltungsfragen miteinzubeziehen.

| Sa 30.10., 20.00h | Galerie | Eintritt: Euro 4 / 2,50 |

 


 

Goff in der Wüste – Photographie und Jenseits 7

Regie, Kamera und Schnitt: Heinz Emigholz

| Deutschland 2003 | 110 Min. |


Heinz Emigholz zeigt 62 Bauwerke – vom Tankstellenhäuschen bis zum repräsentativen Museumsbau – des US-amerikanischen Architekten Bruce Goff (1904-1982) in der Wüste ihrer US-amerikanischen Umgebung. GOFF IN DER WÜSTE ist die erste umfassende filmische Dokumentation fast aller noch existierender Gebäude des Architekten.
Mit seinem Film holt Emigholz Goff nicht bloß aus der Vergangenheit zurück, er stellt überhaupt den Siegeszug des International Style in Frage. Emigholz zeigt eine »Utopie ohne Dramaturgie«, bei der selbst im unscheinbaren Gebäude am Straßenrand heute noch der Geist von Goff lebt – als Rascheln der Blätter, als Surren der Ventilatoren. In den Bildern dieser Architektur fühlt man sich bald wie auf sanften Drogen. Ziemlich losgelöst. (Harald Fricke)

Mi 06.10., Do 07.10., 21.30 | Sa 09.10., 19.30 | So 10.10., 17.30 |

 

 





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Zuletzt bearbeitet am 27.09.2004 © aptum1997-2004 Schreib mal wieder webmaster@aptum.de