Kommunales Kino im alten Wiehrebahnhof
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Hommage an YASUJIRO OZU

Vier Filme bei einem Gesamtwerk von 54 Filmen sind keine Retrospektive oder Werkschau, auf jeden Fall aber eine Ehrenbezeigung, denn »wenn es in unserem Jahrhundert noch Heiligtümer gäbe ..., wenn es so etwas gäbe wie das Heiligtum des Kinos, müsste das für mich das Werk des japanischen Regisseurs Yasujiro Ozu sein« (Wim Wenders in TOKYO-GA). Und wenn es die Absicht (oder die Sehnsucht) vieler wirklicher Cineasten war, »das Leben und nichts als das Leben« zu zeigen, so ist sicher Yasujiro Ozu einer derjenigen gewesen, die diesem Traum am nächsten gekommen sind. Er entwickelte einen Stil äußerster Kargheit und Schlichtheit und schilderte mit Vorliebe den Alltag einfacher Menschen, das Zerbrechen familiärer oder gesellschaftlicher Traditionen, die Auseinandersetzung des einzelnen mit der neuen Zeit. Und es geht ihm dabei nicht um spektakuläre Dramen, sondern um Einsichten, Entschlüsse, Bewusstseinsveränderungen seiner Helden.
Ozus berühmte Kamera aus Untersicht blieb durch die 40 Jahre seiner Karriere eine Konstante in seinem Werk, als wolle er beweisen, dass eine einfache stilistische Wahl unendliche Variationsmöglichkeiten der Komposition und Bildtiefe zuließe.
Die subtile Bandbreite, die er in einer vermeintlich simplen stilistischen Technik fand, wird ergänzt durch den emotionalen Reichtum seiner Dramen, die auch heute noch zum höchsten Ausdruck des Kinos gehören.
Im letzten Jahr wäre Yasujiro Ozu hundert Jahre alt geworden, und aus diesem Anlass hat die Produktionsfirma Shochiku, für die der Meister des stillen Kinos hauptsächlich tätig war, eine Anzahl seiner Filme in neuen Kopien herausgebracht. Eine Auswahl davon wurde 2003 auf der Berlinale gezeigt, nun tourten sie durch wenige Kinos in Europa. Bevor die Filme weiter nach Australien oder zurück nach Japan gehen, können wir einige davon noch in Freiburg zeigen. Unser ganz besonderer Dank geht an Klaus Volkmer (Filmmuseum München) und Akiko Suzuki (Shochiku-Film, Tokio), ohne deren Hilfe und Engagement diese Träume der Kinomacher nicht zu verwirklichen gewesen wären.

Die Reise nach Tokio · Ich wurde geboren, aber... · Früher Fühling · Sommerblüten · Tokyo-Ga

 


 

Die Reise nach Tokio

(TOKYO MONOGATARI)

Regie: Yasujiro Ozu / Buch: Buch: Y Ozu, K. Noda / Kamera: Y.
Atsuta / Musik: K. Saito / mit C. Ryu, C. Higashiyama, S.
Hara, H. Sugimura, N. Nakamura u.a.

Japan 1953 OmeU / 135 Min.

DIE REISE NACH TOKIO

Der Besuch des alten Paares bei den Kindern in Tokio ist auch eine Reise ins Nichts, in die Entfremdung und Beziehungslosigkeit. Nicht die leiblichen Kinder sind es, die sich letztlich mit wirklicher innerer Anteilnahme den beiden Alten zuwenden, sondern die verwitwete Schwiegertochter Noriko.
Eine so auratische Szene wie die, als der Großvater nach dem Tod der Großmutter im Licht der aufgehenden Sonne steht und zur Schwiegertochter (die ihn gesucht hat) sagt: »Es war ein schöner Sonnenaufgang« und »Heute wird es wieder heiß« (während aus der Ferne das Tuckern eines Bootes zu hören ist) wird man im Kino so schnell nicht wieder zu sehen bekommen.

Sa 04.09., 19.30 / So 05.09, 19.30

 


 

Ich wurde geboren, aber...

(UMARETE WA MITA KEREDO)

Regie und Schnitt: Yasujiro Ozu / Kamera: H. Shigehara
mit H. Sugawara, T. Kozo u.a.

Japan 1932 dt. Zwischentitel / 89 Min.

ICH WURDE GEBOREN

(Stummfilm mit Musikbegleitung)

Zwei kleine Schuljungen, die über die soziale Rangordnung empört sind – ihr Vater katzbuckelt vor seinem Chef –, treten in den Hungerstreik und demolieren die elterliche Wohnung. Schließlich finden sie sich mit der Realität ab, die fragwürdig ist, jedoch durch Einzelne unveränderbar erscheint.
Yasujiro Ozus gesamtes Schaffen zählt zur Tradition des »shomin-geki«, einer Gattung, die sich mit den Familienbeziehungen in der Mittelschicht befasst. So beschäftigt er sich schon in diesem frühen Stummfilm mit psychologischer Genauigkeit und intensiver Bildgestaltung in seinem typischen Stil mit der Situation der japanischen Familie. ICH WURDE GEBOREN, ABER... gilt als Ozus erstes bedeutendstes Werk.

Sa., 11.09., 21.30 / So., 12.09., 19.30

 


 

Früher Frühling

Regie: Yasujiro Ozu / Buch: Y. Ozu, K. Noda / Kamera: Y. Atsuta
Musik: K. Saito / mit C. Awashima, R. Ikebe, K. Kishi,
T. Takahashi u.a.

Japan 1956 OmeU / 144 Min.

FRÜHER FRÜHLING

Angestelltenmilieu, Konformität und Einöde des Bürolebens... Ein paar Angestellte haben sich zu einer Clique zusammengeschlossen, die denselben Pendelzug nimmt und am Abend Mah- Jongg oder Pachinko spielt. Chiyo Kaneko, genannt »Goldfisch«, hat auf einem Ausflug mit Shoji Sugiyama angebandelt und ihn, dem seine Ehe langweilig geworden ist, verführt. Sie ist die einzige, die ihr Leben zu leben versucht.
SHOSHUN handelt von der Relativität von Zeit, Raum und der eigenen Situation. Die Situation ist die eines jungen Büroangestellten in Tokio, und sie ist für ihn frustrierend und wenig versprechend. Zwei Kriegskameraden jedoch, die er auf einem Treffen sieht, finden sein Leben mit regelmäßiger Bezahlung und Sicherheit beneidenswert.
Ein alter Freund, der im Sterben liegt, vermisst plötzliche Dinge wie überfüllte Züge, während ein anderer, der kurz vor der Pensionierung steht, große Bitterkeit bekundet über ein im Büro vergeudetes Leben. Ein Reigen einsilbiger Kommentare und Klagen von den jungen Angestellten über ihr Schicksal endet grotesk mit »Unser einziges Vergnügen – Nudeln!«

Sa., 18.09., 19.30 / So., 19.09., 19.30

 


 

Sommerblüten

(HIGANBANA)

Regie: Yasujiro Ozu / Buch: Y Ozu, K. Noda, nach einer Erzählung von Ton Satomi
Kamera: Y. Atsuta / Musik: K. Saito / mit S. Saburi, K. Tanaka, I. Arima, K. Sada u.a.

Japan 1958 OmeU / 118 Min.


»Erziehung durch Frauen« könnte dieser Film im Untertitel auch heißen: Für Wataru Hirayama, eine Respektsperson, dem seine Untergebenen in der Firma mit Ehrfurcht begegnen, ist es die selbstverständlichste Sache der Welt, dass er für die Heirat seiner Tochter zuständig ist. Weil diese Haltung aber dem entgegensteht, was die Tochter aus eigenem Antrieb will, nehmen die Frauen die Sache in die Hand – und zwar so, dass er es kaum bemerkt. Das Schöne daran ist aber auch, in welch liebevoller Weise Ozu zeigt, wie der Bürochef und Ehegatte zur Einsicht kommt und nachgeben kann, ohne seine Würde zu verlieren.

Sa 25.09., 19.30 / So 26.09., 19.45

 


 

Tokyo-Ga

Regie und Buch: Wim Wenders / Kamera: E. Lachmann
Musik: D. Tracy / mit C. Ryu, Y. Atsuta,W. Herzog

BRD 1985 OmU / 92 Min.

 

 

Wim Wenders über Yasujiro Ozu

»Für mich war das Kino nie vorher und nie mehr seitdem so nah an seiner Bestimmung: Ein Bild des Menschen des 20. Jahrhunderts zu geben, ein brauchbares, wahres und gültiges Bild, in dem er sich nicht nur wiedererkennen, sondern von dem er vor allem über sich selbst lernen konnte. Ozus Werk hat meinen Lobpreis nicht nötig. Und auf jeden Fall könnte solch ein ›Heiligtum‹ des Kinos auch nur im Imaginären angesiedelt sein. Meine Reise nach Tokio hatte deshalb auch nichts von einer Wallfahrt. Ich war neugierig, ob ich überhaupt noch etwas aufspüren könnte von dieser Zeit, ob überhaupt noch etwas übrig war von diesem Werk, Bilder vielleicht oder sogar Menschen...« (Wim Wenders)
Höhepunkte von TOKYO-GA sind die Begegnungen mit Chishu Ryu, der sein Leben lang Hauptrollen für Ozu spielte, und mit Yuharu Atsuta, Ozus langjähriger Kameramann.

So., 05.09., 17.30 / Do. 09.09., 19.30 / So., 12.09. 17.30

 

 





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Zuletzt bearbeitet am 31.08.2004 © aptum1997-2004 Schreib mal wieder webmaster@aptum.de