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Mittwochskino - cinemafrica

Abouna – Der Vater

Porträt Ousmane Sembène

Fast zehn Jahre nach seinem Meisterwerk GUELWAAR legt der senegalesische Regisseur Ousmane Sembène mit FAAT KINÉ den zweiten Teil seiner Trilogie des alltäglichen Heroismus ("Héroisme au quotidien") vor: eine wunderbare Hymne auf die Frauen in Senegal. Es ist ein Film, der bitter mit den Männergenerationen abrechnet, die die jüngeren Jahrzehnte Afrikas gestaltet haben. Ihre Mythen und sogenannten Lebensweisheiten schickt er dabei gleich mit in die Versenkung. "Afrika wird niemals frei sein, wenn wir nicht das herausragende Heldentum unserer Frauen preisen und ehren" schrieb Sembène einmal. Bereits in seinem Film XALA von 1974, der in Afrika sehr populär war und in dem Sembène die neuen postkolonialen Machthaber in Afrika aufs Schärfste kritisiert, sind es die Frauen, die für gesellschaftlichen Fortschritt und Zusammenhalt sorgen.
Ousmane Sembène steht für vieles zugleich. Er war einer der großen Künstler der afrikanischen Unabhängigkeit, seine Romane betrachteten diesen Prozess aus der Perspektive der Arbeiterklasse, deren Bewusstwerdung für ihn wesentlicher Teil der Emanzipation von der französischen Kolonisation war. In der 60er-Jahren war Sembène einer der Pioniere des afrikanischen Kinos, experimentierte mit Doku- und Spielfilmen, bis er den klassischen Eineinhalb- bis Zweistünder als sein Format entdeckte. Manche Sujets hat er sowohl zwischen Buchdeckeln als auch als Filme veröffentlicht.

Xala · Guelwaar

Einen weiteren Film von Ousmane Sembène zeigen wir als Film des Monats.

 


 

Xala

 

Regie & Buch: Ousmane Sembène; Kamera: Georges Caristan; Schnitt: Florence Eyman; Musik: Samba Diabara Samb
Senegal 1974 OmU / 120 Min.

 

El Hadji Abdou Kader ist ein erfolgreicher Geschäftsmann und als solcher Repräsentant der neuen afrikanischen Elite. Die weißen Kolonialherren sind gegangen, die im Land verbliebenen Franzosen agieren diskret im Hintergrund. Diplomatenköfferchen voller Banknoten werden gerne entgegengenommen; in der Handelskammer spricht man weiterhin französisch; an der Tradition der Polygamie hingegen hält man aus Überzeugung fest. El Hadji beschließt, eine dritte Frau zu nehmen. Sie hat das Alter seiner Tochter. Die Hochzeitsfeier gerät zu einer eindrücklichen Demonstration seiner Macht und seines Ansehens. Doch in der Hochzeitsnacht findet das Glück ein jähes Ende. Voll Missgunst hat ihn jemand mit dem Xala bedacht, und mit dem Verlust der Manneskraft geht es auch mit seinem Erfolg und Selbstbewusstsein schnell bergab. Der vorher so aufgeklärte Geschäftsmann schreckt in seiner Verzweiflung auch davor nicht zurück, Wunderärzte und Marabuts aufzusuchen, die ihn von seinem Fluch befreien sollen.
Mit komödiantisch satirischen Mitteln entlarvt Ousmane Sembène die mit der Unabhängigkeit des Landes an die Macht gekommene Bourgeoisie, deren Verhalten sich nur allzu wenig abhebt von dem der weißen Kolonisatoren.

Mi., 21.7., 19.30 / So., 25.7., 21.30

 


 

Guelwaar

 

Regie & Buch: Ousmane Sembène; Kamera: Dominique Gentil; Schnitt: Marie-Aimée Debril; Musik: Baba Mail; mit Omar Seck, Ndiawar Diop, Mame Ndoumbé Diop, Isseu Niang u.a.
Senegal 1992 OmU / 105 Min.

 

 

Guelwaar ist tot. Er war ein respektierter und angesehener Mann. Die Trauergemeinde kommt zusammen, doch sein Leichnam ist verschwunden. Infolge einer Verwechslung wurde er bereits nach muslimischem Ritus bestattet; er war aber Katholik. Die Polizei wird gerufen, Politiker schalten sich in die Verhandlungen um die Exhumierung der Leiche ein, aber die muslimische Familie, die Guelwaar als ihren vermeintlichen Familienangehörigen bestattet hat, will von einer Verwechslung nichts wissen. So beschließt die Trauergemeinde, ‚ihren‘ Leichnam zurückzuholen.
Ousmane Sembène, einer der wichtigsten Filmemacher und Schriftsteller Afrikas, hat hier einen poetischen wie kritischen Film realisiert, der bestimmte Formen der Entwicklungshilfe hinterfragt, dabei aber die gesellschaftlichen, politischen und religiösen Konflikte seines Landes ebenso pointiert darstellt.

Mi., 14.7., 19.30 / Fr., 16.7., 21.30

 


 

Abouna – Der Vater (Abouna)

Regie & Buch: Mahamet-Saleh Haroun; Kamera: Abraham Haile Biru; Schnitt: Sarah Taouss-Matton; Musik: Ali Farka Touré; Diego Mustafa Ngarade; mit Ahidjo Mahamet Moussa, Hamza Moctar Aguid, Zara Haroun, Mounira Khalil u.a.
Tschad/F 2002 (arab./fr.) OmU / 85 Min.

Abouna

 

Der 17-jährige Tahir und sein jüngerer Bruder Amin leben am Rande von Ndjamena, der Hauptstadt des Tschad. Eines Tages verschwindet ihr Vater auf geheimnisvolle Weise und kehrt nicht mehr zurück. Die Brüder schwänzen tagelang die Schule, durchsuchen die ganze Stadt, finden von ihm jedoch keine Spur. Doch eines Abends im Kino glauben sie, in einer kurzen Szene sein Gesicht auf der Leinwand wiederzuerkennen. Spontan beschließen Tahir und Amin, am nächsten Tag die Filmrolle aus dem Kino zu klauen. Eines Tages erhalten die beiden Brüder durch ihren Onkel eine Nachricht vom Vater aus Tanger in Marokko: Er schickt ihnen ein großes Poster mit einem Blick aufs Meer...
Mit einer anrührenden Geschichte erzählt ABOUNA vom Alltag im Tschad, einem der ärmsten Länder der Erde, von seinen weiten Horizonten, von der Sehnsucht nach dem Meer, von Glück und Trauer, vom Leben ohne Vater, von einer sehr kurzen Kindheit und von der innigen Beziehung zweier Geschwister.
Regisseur Mahamet-Saleh Haroun gilt seit BYE BYE AFRIKA (1999) als einer der großen Erneuerer des afrikanischen Kinos. Der Ausgangspunkt der Handlung ist ein weit verbreitetes Phänomen im Tschad: dass Männer ihre Familien plötzlich spurlos verlassen, meist um irgendwo im Ausland Arbeit zu suchen. Zum künstlerischen Erfolg von ABOUNA tragen die schauspielerischen Leistungen der beiden jugendlichen Hauptdarsteller ebenso bei wie der melancholisch schöne Soundtrack des bekannten Musikers Ali Farka Touré und die Farbgestaltung, bei der Regisseur und Kameramann eng mit dem Maler und Kalligrafen Kader Badaouni zusammenarbeiteten.
ABOUNA wurde für die "Quinzaine des Réalisateurs" beim Festival von Cannes ausgewählt.

Fr., 23.7., 19.30 / So., 25.7., 17.30 / Di., 27.7., 21.30
Mi., 28.7., 19.30

 

 




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Zuletzt bearbeitet am 25.06.2004 © aptum 1997-2004 Schreib mal wieder webmaster@aptum.de