Kommunales Kino im alten Wiehrebahnhof
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Vietnams Gesichter: Filme und Ausstellung

Vom 12. bis 31. Dezember stellen wir in der Galerie im Alten Wiehrebahnhof Fotografien aus Vietnam von Thomas Billhardt aus.

Billhardt ist seit mehr als vier Jahrzehnten als freischaffender Fotograf in der ganzen Welt unterwegs. Sein Interesse gilt gesellschaftlichen Umbrüchen, Revolutionen und Kriegen wie in Vietnam, Kambodscha und Chile. Die sie dokumentierenden Bilder hat er in nationalen und internationalen Zeitschriften veröffentlicht und weltweit in Ausstellungen präsentiert.

Unsere Ausstellung zeigt Fotos von Menschen, die er in den Jahren 1967 und 1968 während mehrerer Reportagereisen nach Vietnam aufnahm. Mit diesen Schwarz-Weiß-Exponaten begab sich Billhardt 30 Jahre nach Kriegsende noch einmal nach Vietnam, um die Personen, die er fotografiert hatte, zu suchen. Mit Hilfe der Bevölkerung und einer Ausstellung im Zentrum Hanois bemühte er sich, sie wiederzufinden. Eine der Gesuchten war die Vietnamesin Hong Li, die Billhardt 1969 in Hanoi kennen lernte. Billhardts Recherche wurde von den Filmemachern Dietmar Ratsch und Arek Gielnik begleitet. Ihren Dokumentarfilm EISLIMONADE FÜR HONG LI zeigen wir zur Vernissage und zu weiteren Terminen im Kommunalen Kino.

Die Farbfotografien, die Billhardt während der Dreharbeiten aufnahm, stellen wir in unserer Ausstellung seinen früheren Bildern aus dem Krieg gegenüber. Sie zeigen ein anderes, auch im übertragenen Sinn farbigeres Land.

Wir freuen uns sehr, zur Ausstellungseröffnung und zur Filmvorführung am Freitag, den 12.12. um 19.00 den Fotografen Thomas Billhardt und den Filmemacher Dietmar Ratsch begrüßen zu dürfen.

Im Rahmen unseres Vietnam-Schwerpunkts zeigen wir zwei jüngst entstandene Filme, die aus unterschiedlichen Perspektiven das Thema der Rückkehr nach Vietnam behandeln.

BOATPEOPLE, der am 7. Dezember um 19.30 im Kommunalen Kino Vorabpremiere hat, begleitet die in Waldshut lebende Nguyen Thi Nga nach über 20 Jahren wieder in das Land ihrer Herkunft. In dem Spielfilm DOI CAT kann der Protagonist wie unzählige andere Soldaten nach dem Sieg über die Franzosen nicht zu seiner Ehefrau in den Süden Vietnams zurückkehren. Er verliebt sich neu, wird Vater und stellt bei seiner Heimkehr verzweifelt fest, dass seine Ehefrau voller Hoffnung und Vertrauen auf ihn gewartet hat.

Für die Unterstützung bei der Realisierung des Vietnam-Programms und der Fotoausstellung danken wir dem Progress Film-Verleih in Berlin.

 

Boatpeople · Auf Sand gebaut · Das Ufer der Frauen ohne Männer

 


 

Boatpeople

Regie & Schnitt: Martin Zawadzki; Buch: Annett Meinke u. Martin Zawadzki; Kamera: Ralph Netzer, Tien Tran; Musik: Karl Hoffmann
Deutschland 2003 109 Min.

 

Als achtjähriges Mädchen flieht Nguyen Thi Nga gemeinsam mit ihrer Mutter und dem an Lepra erkrankten Stiefvater vor dem Krieg aus Vietnam. In Deutschland angekommen, kämpft sie bald mit den unterschiedlichen Ansprüchen, die die asiatische und europäische Kultur an sie stellen.

Mit sechzehn bricht sie mit den Traditionen der Eltern. Sie verlässt den Kreis der vietnamesischen Gemeinde in Freiburg und hat schließlich nur noch wenig Kontakt zu ihrem ursprünglichen Heimatland und seiner Kultur.

Nach über zwanzig Jahren fährt Tina Nguyen, wie sie in Deutschland genannt wird, erstmals zurück nach Vietnam. Zu ihrer Schwester und ihrem leiblichen Vater hat sie seit ihrer Kindheit keinen Kontakt mehr gehabt.

Die Reise in das Land ihrer Herkunft wird zur Suche nach den vermeintlichen Bezügen zu Familie und Kultur und zur Frage nach der Existenz angesichts der Ungleichheiten dieser Welt - eine Rückkehr, die nicht mehr ist, was das Wort verspricht.

So., 7.12., 19.30 Vorabpremiere in Anwesenheit der Filmemacher u. Produzenten Martin Zawadzki, Mike Schlömer u. der Protagonistin Nguyen Thi Nga / Di., 9.12., 21.30

 


 

Auf Sand gebaut

(Doi Cat)

Regie: Nguyen Thanh Van; Buch: Nguyen Quang Lap, nach Nguyen Huu Phuongs Kurzgeschichte Three Men in a Station; Kamera: Nguyen Duc Viet; mit Mai Hoa, Hong Anh, Don Duong, Cong Ninh u.a.
Vietnam 2000 OmU / 90 Min.

 

Nach der Befreiung Südvietnams und der 'Wiedervereinigung' des Landes kehrt Herr Canh nach 20 Jahren der Abwesenheit in sein Heimatdorf zurück, das im sandigen Landesinneren liegt. Dort hat seine Frau Thoa voller Hoffnung und Vertrauen, dass er zurückkehren werde, auf ihn gewartet. Doch Tam, Canhs zweite Frau, und die kleine Tochter der beiden stellen Thoa vor die bittere Realität.

"Vor kurzem hat Vietnam den 25. Jahrestag seiner Befreiung und Vereinigung gefeiert. Neben der Freude darüber, das neue Jahrtausend zu begrüßen, gibt es noch immer die furchtbare Angst vor dem Krieg. Bis heute bedrohen Minen und Bomben das Leben der Menschen. Viele Verwundete haben zwar überlebt, leiden jedoch unter unüberwindlichen seelischen Schäden. Frauen haben ihre Jugend im Krieg und anschließend während des endlosen Wartens auf ihr Glück verloren. Der Krieg ist zu Ende, aber den Traum, Mutter zu werden, mussten sie aus Altersgründen aufgeben. Sie sehnen sich nach einem Glück, das vielleicht niemals kommen wird." (Nguyen Thanh Van)

Sa., 27.12., 19.30 / So., 28.12., 17.30 / Fr., 2.1., 21.30

 


 

Das Ufer der Frauen ohne Männer

Regie: Luu Trong Ninh; mit Thuy Ha, Luu Trong Ninh u.a.

Vietnam 2000 OmU / 90 Min.

 

Endlich einmal wurde der Vietnamkrieg nicht aus der US-Sicht, sondern von der anderen Seite beleuchtet. Und vietnamesische Regisseure setzen andere Prioritäten: keine Action, keine Bomben. Sie schildern die Nachwirkungen des Krieges, beschreiben psychische Traumata, Veränderungen des Alltags.

So auch in DAS UFER DER FRAUEN OHNE MÄNNER von Luu Trongh Ninh. Im Mittelpunkt steht der Soldat Van, der 1956 nach dem gewonnenen Indochinakrieg gegen die Franzosen in sein Heimatdorf im nun kommunistischen Nordvietnam zurückkehrt. Hier ist der schüchterne und wortkarge Soldat plötzlich Hahn im Korb, denn viele Frauen haben ihre Männer im Krieg verloren. Als Van sich für eine Witwe im Dorf zu interessieren beginnt, begehren die eifersüchtigen Dorfbewohnerinnen auf.

Liebe, Eifersucht, Neid und Hass - existenzielle menschliche Gefühle, deren Darstellung im kommunistischen Vietnam bisher eher tabuisiert war. - Ein deutliches Anzeichen für eine Trendwende.

Do., 1.1., 17.30 / Sa., 3.1., 19.30 / So., 4.1., 17.30 / Di., 6.1., 19.30

 


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Zuletzt bearbeitet am 28.12.2003 © aptum1997-2003 Schreib mal wieder webmaster@aptum.de