Kommunales Kino im alten Wiehrebahnhof
Urachstr. 40
79102 Freiburg
Tel. 0761 - 709033

kino@freiburger-medienforum.de

 

Hölderlin: Literatur und Film

Mit einem Hölderlin-Schwerpunkt machen das Kommunale Kino und das Literatur Forum Südwest ernst mit der Zusammenführung von Film und Literatur unter einem Dach.

Den Auftakt bildet ein Opus, das Kinogeschichte geschrieben hat: Mit ihrer Realisierung von Hölderlins Empedokles-Tragödie gelang es Jean-Marie Straub und Danièle Huillet, einen Text von ungeheurer sprachlicher Energie in Film zu übersetzen, ohne seine Sprachlichkeit den Bildern zu opfern. Unser Film des Monats, Harald Bergmanns Scardanelli, beschäftigt sich mit Hölderlins Biografie. Auf der Basis von Originalzitaten berichtet er vom 'umnachteten' Dasein des Dichters im Tübinger Turm, wo sich Hölderlin in seiner zweiten Lebenshälfte im Wahn verbarg und seine Gedichte mit Namen wie "Scardanelli" unterzeichnete. Harald Bergmanns Film ist der dritte Teil einer Hölderlintrilogie, die am 14. Dezember in Anwesenheit des Regisseurs vollständig zu sehen sein wird.

Gelegenheit zur unmittelbaren Auseinandersetzung mit Hölderlins Texten bietet ein Wochenendseminar mit dem Literaturwissenschaftler Dr. Hansjörg Bay. Unter dem Titel "Die eigene Rede des andern". Hölderlins Poetik des Fremden sollen ausgewählte Gedichte und Briefe gemeinsam gelesen und diskutiert werden. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage nach der Bedeutung des Fremden für Hölderlins literarisches und kulturelles Projekt.

 

November / Dezember 2003
"Die eigene Rede des andern"
Der Tod des Empedokles Oder Wenn dann der Erde grün von Neuem euch erglänzt

Harald Bergmanns Hölderlin - Trilogie:
Film des Monats November: SCARDANELLI · Lyrische Suite / Das Untergehende VaterLand · Hölderlin Comics

Januar 2004
Passion Hölderlin · Antigone · Leseseminar: Hölderlins Poetik des Fremden

 


 

"Die eigene Rede des andern". Hölderlins Poetik des Fremden Leseseminar mit Dr. Hansjörg Bay (Universität Gießen)

 

Hölderlins spätere Gedichte gehören zu der Art von Texten, die einen faszinieren, ohne dass man sie 'versteht'. Während ihre sprachliche Intensität ihresgleichen sucht, bleibt ihr Sinn zunächst dunkel. Umso wichtiger ist es, sie gemeinsam zu lesen.

Das Seminar verbindet eine Einführung ins Werk Hölderlins mit einer Fragestellung von aktueller Relevanz: In einem Durchgang durch verschiedene, unterschiedlichen Werkphasen zugehörige Texte soll Hölderlins Versuch nachgegangen werden, Kultur und kulturelle Identität nicht im Beharren auf dem 'Eigenen' zu begründen, sondern in der Öffnung aufs 'Fremde'.

Das Seminar setzt keine besonderen Vorkenntnisse voraus - eingeladen sind alle Interessierten. Ein Faltblatt mit genaueren Informationen liegt im Alten Wiehrebahnhof aus.

Galerie im Alten Wiehrebahnhof: Sa., 29.11., 9.30 - 18.30, So., 30.11., 9.30 - 13.00

Begrenzte Teilnehmerzahl!
Anmeldung bis spätestens 20.11.03 im Büro des Kommunalen Kinos oder unter der Nummer 0761/709033

 


 

Jean-Marie Straub & Danièle Huillet: Hölderlin - Literatur - Film

Der Tod des Empedokles Oder Wenn dann der Erde grün von Neuem euch erglänzt

Regie: Danièle Huillet & Jean-Marie Straub; Kamera: Renato Berta; mit Andreas von Rauch, Vladimir Baratta, Martina Baratta, Ute Cremer u.a.
BRD 1986 132 Min.

 

Ähnlich wie in Moses und Aron haben Huillet & Straub in ihrer Inszenierung des Hölderlin'schen Trauerspiels eine rigide Form gewählt, die sich der bürgerlichen Verwertbarkeit von Kunst stringent verweigert. Die Darsteller stehen vor der malerischen Kulisse der Landschaft von Sizilien. Sie sprechen ihren Text mehr, als dass sie ihn spielten. Aber neben ihnen, mit ihnen, in der Landschaft, spielen die Kräfte der Natur, manchmal fast unmerklich, ihr Spiel. Es sind Licht, Schatten, Wind, Geräusche, Zufälligkeiten, die ins starre Bild geraten und das Gesprochene auf eine sehr direkte, wenn auch unscheinbare Weise konterkarieren.

Für die Filmkopie danken wir dem Zeughauskino / Deutsches Historisches Museum (DHM), Berlin

So., 16.11., 19.00 / Di., 2.12.,19.00

 


 

Hölderlin Exzessiv:

Harald Bergmanns Hölderlin - Trilogie

in Anwesenheit des Regisseurs

Sonntag, 14.12. ab 17.00 Uhr

Hölderlins späte Gedichte und die Entwürfe im Homburger Folioheft gehören zu den radikalsten und spannensten künstlerischen Vorgängen in der deutschen Sprache. Dass sich der Autor dabei gewissermaßen selber verloren hat, um als Entmündigter im Tübinger Turm zu keiner Auskunft über das Geschaffene mehr zur Verfügung zu stehen, hat diesem Vorgang noch eine besondere Brisanz verliehen, und auch zur Legendenbildung beigetragen. Der Filmemacher Harald Bergmann hat sich über ein Jahrzehnt mit dem Thema beschäftigt und so sind drei abendfüllende Filme unterschiedlicher Stilart entstanden, die in einer cinematographischen Form versuchen, den dichterischen Prozeß nachzuvollziehen. Die insgesamt fast fünf Stunden, die sich dabei an Filmzeit ergeben, sind hier auch bewusst als Exzeß gemeint, der die Dimension des dichterischen Unternehmens am ehesten nahe kommt.

 


 

Lyrische Suite / Das Untergehende VaterLand

Réalisation: Harald Bergmann
D 1993 85 Min.

DAS UNTERGEHENDE VATERLAND ist ein assoziativ gebauter Film über Friedrich Hölderlin, über Deutschland und Faschismus sowie über das Wechselspiel von Poesie in Sprache und Film. Oder wie es Hölderlin sagte: "Spitzbübisch schnakisch lächeln, wenn dem Menschen seine kühnsten Hoffnungen erfüllt werden."

In seinem ersten langen Kinofilm verbindet Harald Bergmann die filmischen Positionen des Dokumentarischen, Poetischen und Lyrischen zu einem sinnlichen Spannungsbogen, welcher die 200 Jahre zurückliegenden Texte und Visionen von Hölderlin in Dialog zur deutschen Geschichte und Gegenwart und zum Begriff 'Vaterland' bringt. Dabei gelingt es Bergmann mit seiner filmischen Methode, die zwischen Fragmenten einen unerwarteten, manchmal ironischen, manchmal beängstigenden Sinnzusammenhang schafft, eine strukturelle, der filmischen Montage entsprechenden Lesart dieses Dichters anzubieten.

Dem Hauptfilm vorangestellt ist der filmische Prolog LYRISCHE SUITE, der ausgehend von Alban Bergs gleichnamiger Musikkomposition auf das Nachfolgende einstimmt. Man muss kein Hölderlin-Kenner sein, um die Suggestivkraft der Hölderlinschen Sprache und Bergmannschen Filmlyrik zu erfassen.

So., 14.12., 17.00 Zu Gast der Regisseur Harald Bergmann / auch am Di., 16.12., 21.30

 


 

Hölderlin Comics

Regie: Harald Bergmann
D 1993/94 90 Min.

Von den Nazis missverstanden und missbraucht, von den romantischen Seelen schwärmerisch verfolgt und in den Wahnsinn entlassen; von den 'Dichterfürsten' Goethe und Schiller hochmütig, engstirnig und schulmeisterlich fertiggemacht; ein halbes Leben lang unterwegs - und die andere Hälfte aufgenommen im Turm am Neckar; die Biographie von Friedrich Hölderlin bietet den Stoff für Legendenbildungen vom wahnsinnig gewordenen Dichter, der an einer tragischen Liebe zerbricht. Dahinter verschwand das Werk im Nebel romantischer Klischees, die aus dem großen deutschen Dichter einen armen Poeten machten.

Doch die Schrift ist da, man muss sie nur lesen können. Das führt Harald Bergmann in seinen HÖLDERLIN-COMICS vor, einer aufregenden filmischen Anleitung zur Annäherung an Hölderlins Texte. Seine Materialien sind die originale Handschrift, mit der er die Arbeit an der Entstehung eines Gedichts dokumentiert, die Stimmen und Mimik von Schauspielern (Udo Samel, Walter Schmidinger), die nicht rezitieren, sondern sich lesend den Text erarbeiten, und rohe Bilder von Himmel und Wolken, Straßen, Landschaften, Rollfeldern, die sich der Illustration der Texte verweigern und daran erinnern, dass wir auf einer Reise sind, die uns Friedrich Hölderlin alias Scardanelli näherbringt.

So., 14.12., 19.00 Zu Gast der Regisseur Harald Bergmann

 


 

Scardanelli

Regie und Buch: Harald Bergmann; Musik: F. Schubert, W. A. Mozart und J. S. Bach

Text siehe Novemberprogramm

So., 14.12., 21.30 Zu Gast der Regisseur Harald Bergmann

 


 

 

Passion Hölderlin

Regie: Harald Bergmann; Kamera: Elfi Mikesch; mit Walter Schmidinger, Heinz Wismann, Anke Bennholdt Thomsen, D.E. Sattler, Heinz Hollinger, Detlef B. Linke
D 2003 66 Min.

 

"Man wurde zum Adler und flog plötzlich zwischen Felsen und hatte Blick auf ganz unten."

Erwarten Sie nicht, dass Ihnen in einer Stunde Hölderlin erklärt werden könnte. Aber worin besteht überhaupt die Passion, die Menschen heute veranlasst, sich mit Hölderlins Werk ein Leben lang auseinander zu setzen?

Harald Bergmann hat sechs Hölderlin-Addicts gebeten zu erklären, warum Hölderlins Texte für sie eine solche Faszination besitzen: Der Hölderlin-Herausgeber D.E. Sattler entziffert die Handschriften, der Philosoph Heinz Wismann vergleicht das Hölderlin-Lesen mit dem Gleiten eines Segelfliegers, der Hirnforscher Detlef B. Linke untersucht die Zyste in Hölderlins Kopf, der Komponist Heinz Holliger denkt über Hölderlin als Musiker nach. Die Germanistin Anke Bennholdt-Thomsen spricht über die Dreidimensionalität in Hölderlins Dichtung und Walter Schmidinger, der Grandseigneur unter Deutschlands Rezitatoren, liest "Andenken". Der für ARTE produzierte Dokumentarfilmessay zeigt die anhaltende Wirkung und das Echo seiner Dichtung in den verschiedensten Disziplinen und führt über die Passion von Wissenschaftlern und Künstlern ins Hölderlinuniversum.

Sa., 10.1., 19.30 Premiere mit dem Regisseur Harald Bergmann / So., 11.1., 17.30

 


 

Antigone

Regie, Drehbuch & Schnitt: Danièle Huillet & Jean-Marie Straub - nach Sophole, Hölderlin & Bertolt Brecht; Kamera: William Lubtchansky; mit Astrid Ofner, Ursula Ofner, Libgart Schwarz, Werner Rehm u.a.
BRD 1991 99 Min.

 

Die Antigone des Sophokles in der Hölderlinschen Übertragung, für die Bühne bearbeitete von Bertolt Brecht. In der 'Antigone' wird nunmehr die Gewalt erklärt aus der Unzulänglichkeit. Der Krieg gegen Argos kommt von der Mißwirtschat in Theben. Die Beraubten werden auf raub verwiesen. Das Unternehmen übersteigt die Kräfte zusammenzuhalten, spaltet sie: das elementar Menschliche, zu sehr gedrückt, explodiert. Und wirft das ganze auseinander in die Vernichtung. (Danièle Huillet, Jean-Marie Straub)

ANTIGONE erfüllt die Anforderung, die sich Straub und Huillet seit Jahren aufgelegt haben. Die Filmfassung des Textes bedeutet keinesfalls dessen Auflösung: Schauspielerinnen stehn ausschließlich in seinem Dienste und sind bestrebt, ihn in seiner ganzen Klarheit erscheinen zu lassen. Es kommt nun dem Ton und dem Bild zu, ihn in die alleinige Gegenwart seiner Verknüpfung zu stelle, jede Lichtveränderung auf den Gesichtern und jedes Geräusch wiedergebend: vom Wind, der durch die Bäume streicht, bis zum Zirpen der Grillen.

Sa., 17.1., 19.30 / So., 18.1., 21.30

 


 

Leseseminar:

Hölderlins Poetik des Fremden

 

Gelegenheit zur unmittelbaren Auseinandersetzung mit Hölderlins Texten bietet ein Wochenendseminar mit dem Literaturwissenschaftler Dr. Hansjörg Bay. Unter dem Titel "Die eigene Rede des andern". Hölderlins Poetik des Fremden sollen ausgewählte Gedichte und Briefe gemeinsam gelesen und diskutiert werden. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage nach der Bedeutung des Fremden für Hölderlins literarisches und kulturelles Projekt.

Sa, 17.1., 9.30 - 18.30 und So, 18.1., 9.30 - 13.00 in der Galerie im Alten Wiehrebahnhof

Anmeldung im Büro des Kommunalen Kinos: 70 90 33



schreib mir mal! e-mail ans Kommunale Kino
kino@freiburger-medienforum.de
Startseite Kommnunales Kino Freiburg

Zurück zur
Startseite


Zuletzt bearbeitet am 02.11.2003 © aptum1997-2003 Schreib mal wieder webmaster@aptum.de