Kommunales Kino im alten Wiehrebahnhof
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Eine Filmgeschichte der neuen Wellen im Kino

Vortrags- und Filmreihe in Zusammenarbeit mit der Pädagogischen Hochschule Freiburg im Wintersemester 2003/ 2004

In Zusammenarbeit mit der Pädagogischen Hochschule

"Nur wer die Geschichte kennt, versteht die Gegenwart."

Die Filmgeschichte nach dem Zweiten Weltkrieg wurde entscheidend von "neuen Wellen" geprägt, die sich gegen das überkommene "Kino der Väter" und das kommerzielle Kino Hollywoods auflehnten. Oft gründeten diese Bewegungen auf einem Manifest (z.B. Oberhausener Manifest, Dogma95), das eine Gruppe engagierter Filmautoren verkündet und in dem zu einer Erneuerung des Kinos (seiner Produktionsbedingungen, seiner Ästhetik usw.) aufgerufen wurde.

Die Vortragsreihe der Pädagogischen Hochschule möchte - ausgehend von einer Reflexion des Hollywood-Kinos und zwei wichtigen Epochen der Filmgeschichte als "Vorspann" - chronologisch einige dieser neuen Wellen vorstellen.

Die Vorträge finden jeweils mittwochs von 20.00 bis 21.30 in der Galerie im Alten Wiehrebahnhof statt, Beginn der begleitenden Filmvorführung ist um 21.45 im Kinosaal. Die Filme haben in der Regel noch weitere Vorstellungen.

Zu der Vortragsreihe erscheint ein Gesamtprogramm.

Oktober 2003:
Panzerkreuzer Potemkin

November 2003:
Das Cabinet des Dr. Caligari · Casablanca · La Strada - Das Lied der Strasse · Ausser Atem

Dezember 2003:
Momma Don't Allow / Saturday Night and Sunday Morning · Chronique d'un été · Abschied von Gestern

Januar 2004:
Das Alter der Erde · Bonnie und Clyde · Das Fest

Februar 2004:
Mulholland Drive · Blue Velvet · Romance

 


 

Vorträge in der Galerie im Alten Wiehrebahnhof, jeweils 20.00 h

Oktober 2003
Mi., 29.10. Die Entdeckung des Dazwischen
— Sergej Eisensteins "Panzerkreuzer Potemkin" und der Russische Formalismus
Vortrag von Dr. Matthis Kepser

November 2003
Mi., 5.11. DÄMONEN UND VAMPIRE
Der deutsche expressionistische Spielfilm
Vortrag von Joachim Pfeiffer
Mi., 12.11. THE GENIUS OF THE SYSTEM
Classical Hollywood Cinema
Vortrag (in engl. Sprache) von Jon Adams
Mi., 19.11. HANDWERKLICHE FILMKUNST IM NEOREALISTISCHEN FILM
Vortrag von Johannes Schroeder
Mi., 26.11. ALAIN, FRANCOIS, JEAN-LUC ET LES AUTRES
Die Nouvelle Vague in Frankreich
Vortrag von Olaf Kühn

Dezember 2003
Mi., 3.12. DAS FREIE KINO IM SPÜLTROG
Zu Free Cinema und British New Wave
Vortrag von Andres Janser
Mi., 10.12. REVOLUTIONÄRER UMBRUCH IN DER FILMISCHEN REPRÄSENTATION DES REALEN CINEMA VERITE
- Spielarten im franz. und amerik. Dokumentarfilm der 60er und 70er Jahre
Vortrag von Hans-Peter Hagmann
Mi., 17.12. AUFSTAND GEGEN DAS VÄTERKINO
Der Neue Deutsche Film in den 60er und 70er Jahren
Vortrag von Hans-Peter Schwander

Februar 2004
Mi., 4.2. LE JEUNE CINÉMA FRANÇAIS
Pornographie und Identität: Der Blick des Weiblichen
Vortrag von Katinka Bräunling
Mi., 11.2. VOM POSTMODERNEN AUTOREN-KINO ZUM POSTKLASSISCHEN BLOCKBLUSTER
Vortrag von Georg Seeßlen im Kommunalen Kino
(Sonderveranstaltung, Eintritt 3 Euro)
Der Vortrag entfällt wegen Krankheit und wird zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt!
stattdessen läuft 'Derrida' in einer Zusatzvorstellung.

 


 

Panzerkreuzer Potemkin

(Bronenosec Potjomkin)

Regie: Sergej M. Eisenstein; Buch: Nina Agadzanova-Sutko & S. Eisenstein; Kamera: Eduard Tisse; mit A. Antonov, V. Barskij, G. Aleksandrov, Mitglieder des Proletkult-Ensembles, Mannschaften der Roten Flotte und EinwohnerInnen Odessas
UdSSR 1925 russ. Zwischentitel, deutsch eingesprochen / 74 Min.

 

PANZERKREUZER POTEMKIN gehört zu den Klassikern der sowjetischen Filmkunst. Wie Bertolt Brecht wusste auch Eisenstein, dass zuerst das Essen kommt und dann die Moral. Die Meuterei auf dem Panzerkreuzer Potemkin im Jahre 1905 entzündet sich an einem madigen Stück Fleisch. Der Kommandant des Schiffes will sich durchsetzen und die Anführer der Meuterei erschießen lassen. Doch ein Matrose ruft zum Kampf auf. Die Offiziere werden über Bord geworfen. In Odessa solidarisieren sich die Bürger der Stadt mit den Matrosen. Aber anrückende Kosaken unterdrücken mit blutigem Terror die Sympathiekundgebungen für die Aufständischen. Zur gleichen Zeit wird der Panzerkreuzer von der Schwarzmeerflotte gestellt. Die Matrosen der anderen Schiffe aber weigern sich, auf ihre Kameraden zu schießen, so dass der Panzerkreuzer Potemkin einen neutralen Hafen anlaufen kann.

Der Film ist nach den Regeln des Dramas in fünf Akte gegliedert. Durch die ‘Montage der Attraktionen‘ aber werden die einzelnen Akte in eine Fülle von Details aufgelöst. Einige Szenen des Films, wie das Massaker auf der Hafentreppe von Odessa, haben einen legendären Ruf erlangt.

Sa., 25.10., 21.30 & So., 26.10., 19.30 mit Klavierbegleitung von Günter A. Buchwald / Mi., 29.10., 21.45 & Do., 30.10., 19.30 in der Musikfassung von Dmitri Schostakowitsch

 


 

Das Cabinet des Dr. Caligari

Regie: Robert Wiene; Buch: Carl Mayer & Hans Janowitz; Kamera: Willy Hameister; mit Werner Krauß, Conrad Veit, Lil Dagover u.a.
Restaurierte und viragierte Fassung!, D 1919/20 65 Min.

 

Caligari ist ein Hypnotiseur, der sein somnambules Medium Cesare den Freund des Helden töten und dessen Freundin entführen lässt. Nachdem der Held Caligaris Machenschaften enthüllt hat, erweist er sich als Insasse einer Nervenheilanstalt, deren Direktor Caligari ist.

Schräge Linien, schiefe Wände, geneigte Ebenen, verzerrte Perspektiven und auf den Dekor gemalte Schatten sind die auffälligsten Merkmale dieses ersten expressionistischen Films. Selbst die auf einem flammenden Hintergrund in gezackten Buchstaben gemalten Zwischentitel unterstreichen die Bedrohlichkeit einer aus den Fugen geratenen Ordnung. Wochenlang vor der Uraufführung am 26.2.1920 in Berlin klebten überall Plakate mit der Aufschrift: "Du mußt Caligari werden"; auch dieser Werbefeldzug ist in die Filmgeschichte eingegangen.

Mi., 5.11., 21.45 & Sa., 8.11., 20.00 musikalisch begleitet von Barbara Lenz Sa., 22.11., 20.00, begleitet von Günter A. Buchwald

 


 

Casablanca

Regie: Michael Curtiz; Buch: J.J. & P.G. Epstein, H. Koch, A. Maltz & C. Robinson, nach dem Theaterstück Everybody Comes to Rick's v. Joan Alison & Murray Burnett; Kamera: Arthur Edeson; Schnitt: Owen Marks; mit Ingrid Bergman, Humphrey Bogart, Paul Henreid u.a.
USA 1942 OmU / 102 Min.

 

Casablanca 1941: Treffpunkt von Verfolgten, Abenteurern, Widerstandskämpfern, Faschisten, Mitläufern - und der Ort des Wiedersehens zweier Liebender: Rick und Ilsa. Rick - der zynische US-Amerikaner - betreibt eine Bar, in der sich, sobald es dunkel geworden ist, ganz Casablanca trifft. Ilsa, die Frau des Widerstandskämpfers Laszlo, kommt mit ihrem Mann nach Casablanca, um dort in das rettende Flugzeug nach Casablanca zu steigen. Ihr Problem ist, dass sie kein Visum haben, und die Nazis sind ihnen auf den Fersen. In ihrer Verzweiflung wendet sich Ilsa an Rick. Sie hatten sich ein Jahr zuvor in Paris verliebt. In Casablanca flammt ihre Liebe erneut auf, doch dieses Mal entscheidet Rick ...

Di., 11.11., 15.00 im Dienstagskino / Mi., 12.11., 21.45 / Fr., 14.11., 19.30 / Sa., 15.11., 21.30 / Di., 18.11., 21.30

 


 

La Strada - Das Lied der Strasse

Regie: Federico Fellini; Buch: F. Fellini, Tulio Pinelli & Ennio Flaiano; Kamera: Otello Martelli; Musik: Nino Rota; mit Giuletta Masina, Anthony Quinn, Richard Basehart, Aldo Silvani u.a.
I 1954 OmU / 102 Min.

 

Für 10.000 Lire kauft der Ketten sprengende Schausteller Zampano die junge Gelsomina ihrer Mutter ab. Sie muss fortan mit ihm durch die Lande tingeln und bei seinen Vorführungen als Assistentin fungieren. Zampano behandelt seine neue Begleiterin wie einen Gebrauchsgegenstand, gibt sich mürrisch und ungehobelt; Gelsomina, ein Ausbund an Naivität und Gutmütigkeit, bringt ihrerseits nicht genügend Mut auf, um auf Zampano zuzugehen. In dem Artisten Il Matto trifft sie zum ersten Mal in ihrem Leben einen Menschen, der ihr Verständnis und Respekt entgegenbringt .

Noch beeinflusst von den aktuellen Strömungen des italienischen Neorealismus, schuf Fellini hier eine beeindruckende Verbindung von märchenhafter Poesie und krasser Wirklichkeit. Ein frühes Meisterwerk des eigenwilligen Regisseurs, das seine Faszination auch nach Jahrzehnten nicht verloren hat.

Sa., 15.11., 19.30 / Mi., 19.11., 21.45 / Do., 20.11., 21.45 / So., 23.11., 21.30

 


 

Ausser Atem

(A bout de souffle)

Regie: Jean-Luc Godard; Buch: François Truffaut; Kamera: Raoul Coutard; Schnitt: Cécile de Cougis; Musik: W.A. Mozart, Martial Solal; mit Jean Seberg, Jean-Paul Belmondo, Henri-Jacques Huet, Van Doude u.a.
F 1959 OmU / 88 Min.

 

Michel, ein heimatloser Ganove, der sich auf Autodiebstahl spezialisiert hat, wird bei der Fahrt mit einem gestohlenen Wagen von einem Polizisten erwischt und erschießt diesen. Der Einzelgänger kehrt scheinbar ungerührt nach Paris zurück und flirtet mit der US-amerikanischen Studentin Patricia, bei der er Unterschlupf findet. Doch die Polizei kommt ihnen auf die Spur ...

Jean-Luc Godard schuf einen Meilenstein der Filmgeschichte und den Prototyp der Nouvelle Vague. Ein cooles Pärchen, eine ungewohnte Schnitttechnik, der Einsatz einer Handkamera und Dialoge, bei denen nur einer der Partner zu sehen ist, sorgten für Furore. Der Film wimmelt von inszenatorischen Regelverstößen, die man damals der Unerfahrenheit des 'Anfängers' zuschrieb und erst später als raffinierte Absicht erkannte.

Jean-Paul Belmondo als Ganove und Jean Seberg als Zeitungen verkaufende Studentin wurden durch ihre Rollen über Nacht zu Stars.

Mi., 26.11., 21.45 / So., 30.11., 21.30 / Mi., 3.12., 21.30

 


 

Momma Don't Allow

Regie: Karel Reisz, Tony Richardson
GB 1955 engl. OF / 22 Min.

 

Dokumentarischer Kurzspielfilm. Feierabend in London: Chris Barber's Jazzband - eine kleine Eifersuchtsgeschichte - feine Leute, die mit einem Rolls-Royce vorfahren - Tanz.


Saturday Night and Sunday Morning

(Samstagnacht bis Sonntagmorgen)

Regie: Karel Reisz; Buch: Alan Sillitoe, nach seinem Roman; Kamera: Freddie Francis; mit Albert Finney, Shirley Anne Field, Rachel Roberts, Hylda Baker u.a. GB 1960 engl. OF / 89 Min.

 

Karel Reisz' erster abendfüllender Spielfilm gehört zu jener Bewegung, die Anfang der 60er Jahre als "Free Cinema" oder "New British Cinema" bekannt wurde und die eine Antwort auf die Krise in der britischen Filmindustrie war. Man versuchte möglichst ehrlich und realitätsnah Geschichten von 'einfachen Menschen' der Arbeiterschicht zu erzählen, und nicht selten ist die Handlung in den Industrieregionen des englischen Nordens angesiedelt. In dieser trostlosen Gegend lebt auch Arthur Seaton, ein junger Arbeiter, der seine ganze Energie auf seine Wochenendvergnügungen richtet. Er ist einer der "zornigen jungen Männer" ("angry young men"), die sich gegen die Anpassung an die gesellschaftlichen Normen wehren, ihren Zorn jedoch nicht recht zu artikulieren wissen.

Trotz seiner einfachen und manchmal bedrückenden Geschichte war SATURDAY NIGHT AND SUNDAY MORNING nicht nur bei der Kritik, sondern auch an den Kassen ein Erfolg, da für das Publikum die Frische und (sexuelle) Offenheit des Films neu und aufregend waren.

Mi., 3.12., 21.45 / Sa., 6.12., 21.30

Für die Bereitstellung der Archivkopie danken wir Kinemathek Hamburg / Metropolis-Archiv.

 


 

Chronique d'un été

Regie: Jean Rouch & Edgar Morin
F 1960/61 OmeU / 85 Min.

 

Paris im Sommer 1960: Zwei junge Frauen sprechen auf der Straße Passanten an, halten ihnen ein Mikrofon vor und fragen: 'Madame, sind Sie glücklich?' Das cinéma vérité war geboren. Der Film wechselt ständig zwischen Interviews mit Personen unterschiedlichster Erfahrungen und Betrachtungen über den Dokumentarfilm. Durch die in dieser Zeit neue Technik der synchronen Aufzeichnung von Bild und Ton entstehen Zeugnisse einer ehemals Deportierten, eines afrikanischen Studenten, einer italienischen Einwanderin, eines Arbeiters...

CHRONIQUE D'UN ÉTÉ ist ein Recherchefilm, der sowohl für die Soziologie als auch für die Ethnologie von großer Bedeutung war und ist. Mit ihm begründeten Rouch und Morin, was als cinéma vérité in die Geschichte des Dokumentarfilms eingehen sollte.

Mi., 10.12., 21.45

 


 

Abschied von Gestern

Regie: Alexander Kluge; Buch: A. Kluge, nach seiner Erzählung Anita G.; Kamera: Edgar Reitz & Thomas Mauch; mit Alexandra Kluge, Günther Mack u.a.
BRD 1966, 88 Min.

 

Kluges erster langer Spielfilm bedeutete 1966 wie kein anderer den international anerkannten künstlerischen Durchbruch des Neuen Deutschen Films. Die Hauptfigur, Anita G., ist eine junge jüdische Frau, Mitte Zwanzig, die aus der DDR in die BRD geflohen ist, wo sie ziellos und unangepasst verschiedene Stationen durchläuft: Justiz und Strafvollzug sowie mehrere Jobs und Liebesverhältnisse von jeweils nur kurzer Dauer. Diese Geschichte wird vom Film aber weniger erzählt als markiert, sie vollzieht sich erst in seiner Form: Kluge hat mit LaiendarstellerInnen und Originalton gearbeitet, viele Szenen und Dialoge sind improvisiert, die Erzählung ist nicht durchgängig, sondern durch den verfremdenden Einsatz von Zwischentiteln, Zitaten, Filmtricks oder kommentierender Musik bruchstückhaft.

Wesentlich zur Faszination des Films trägt auch die Hauptdarstellerin, Kluges Schwester, bei, die die nötige Offenheit und Spontaneität einbringt. Kluge hat mit ABSCHIED VON GESTERN westdeutsche Wirklichkeit in einem hohen Maße eingefangen, wie es auch später nur wenigen anderen Filmen gelang.

Mi., 17.12., 21.45 / Di., 23.12., 19.30 / Fr., 26. 12., 17.30 / Di., 30.12., 19.30

 


 

Das Alter der Erde

(A Idade da Terra)

Regie: Glauber Rocha; Kamera: John Howard Sherman; mit Mauricio do Valle, Jese Valadão, Norma Bengell, Tarcisio Meirau.a.
Brasilien 1980 OmU / 158 Min.

 

"DAS ALTER DER ERDE ist die Auflösung des Erzählkinos ohne Verzicht auf den infrastrukturellen Diskurs, in dem die wesentlichen Zeichen der sog. Dritten Welt materialisiert werden: der Imperialismus, die schwarzen Kräfte, die massakrierten Indios, der Katholizismus des Volkes, der revolutionäre Militarismus, der städtische Terrorismus, die Prostitution der Großbourgeoisie, die Rebellion der Frauen, die Prostituierten, die sich in Heilige verwandeln, die Heiligen, die zu Revolutionärinnen werden. All dies enthüllt der Film vor der großartigen Kulisse der Geschichte Brasiliens und seiner drei Hauptstädte: bahia, Brasilia und Rio. Es handelt sich um einen Film, der in der Zukunft Brasiliens spielt und eine neue Kunst drstellt, wie sie Villa-Lobos, Portinari, Di Cavalcanti oder Picasso schufe. Der Film liefert eine Sinfonie von Tönen und Bildern oder eine Antisinfonie, die den wesentlichen Problemen auf den Grund geht. Er ist mein Porträt und das Porträt Brasiliens." Glauber Rocha

Do., 8.1., 20.00 / Mi., 14.1., 21.45

 


 

Bonnie und Clyde

(Bonnie and Clyde)

Regie: Arthur Penn; Buch: David Newman & Robert Benton; Kamera: Burnett Guffrey; mit Warren Beatty, Faye Dunaway, Michael J. Pollard u.a.
USA 1967 DF / 111Min.

 

Der Film schildert das Leben zweier US-Kleinkrimineller inmitten der wirtschaftlichen Depressionszeit; dabei wird auch dokumentarisches Material, wie die Standfotos und Bonnies Gedicht für die Zeitungen, benutzt. Geschichte und Milieu der Zeit werden in Kostümen und Musik und mit dem immer präsenten Bewusstsein sozialer Ungerechtigkeit nachgezeichnet und durch einen modernen Filter von Nostalgie und psychologischer Interpretation gesehen.
Das eigensinnige junge Paar und ihre unfähigen Komplizen werden mit Komik und Zuneigung geschildert, die mit dem Fortgang der Handlung von der wachsenden Drohung eines blutigen Endes überdeckt werden. Die Augenblicke realistischer Gewaltschilderung sind eindrucksvoll in den großen Rahmen einer kindhaft evozierten Fantasie eingefügt.

Mi., 21.1., 21.45 / Fr., 23.1., 19.30 / Sa., 24.1., 17.30 / So., 25.1., 21.30 / Di., 27.1., 21.30

 


 

Das Fest

(Festen)

Regie & Buch: Thomas Vinterberg; Kamera: Anthony Dod Mantle; Schnitt: Valdis Oskardottir; mit Ulrich Thomsen, Hening Moritzen, Thomas Bo Larsen, Paprika Stehen DK 1998 DF / 105 Min.

 

Festen entstand nach Prinzipien der Dogma95-Gruppe. Dazu gehört u.a. die ausschließliche Verwendung von Originalton. Der ursprüngliche Ton ist rauschend, dumpf und chaotisch. Genauso chaotisch wie auch die Feier des erfolgreichen Geschäftsmanns Helge verläuft. Dialoge werden zuweilen zerhackt oder verlieren sich in der Undeutlichkeit. Die Schauspieler sprechen improvisierte Alltagssprache und bemühen sich nicht um eine verständliche Aussprache. Sie weichen aus - auch ihre Stimmen weichen aus. Hinzu kommt ein breiter Geräuschteppich, der ebenso unverzichtbar ist für die Aura der Authentizität, in der sich die ungeheure Wirkung des Filmes entfalten kann.

Mi., 28.1., 21.45 / Fr., 30.1., 21.30 / Sa., 31.1., 17.30 / So., 1.2., 19.30

 


 

David Lynch

Mulholland Drive

Regie & Buch: David Lynch; Kamera: Peter Deming; Schnitt: Mary Sweeney; mit Naomi Watts; Laura Elena Harring, Justin Theroux, Robert Forster u.a.
USA/F 2001 OmU / 147 Min.

 

Ein Unfall auf einer kurvenreichen Landstraße, bei dem eine Frau ihr Gedächtnis verliert, dient als ein Aufhänger für eine Vielzahl scheinbar unabhängiger Begegnungen im Umfeld der Filmmetropole Hollywood. Ein hypnotisch-alptraumhaftes Traum- und Vexierspiel, das sich der linearen Nacherzählung verweigert, weil Personen ihre Identität wechseln und viele Handlungsstränge so ineinandergeschlungen sind, dass sie wie ein Endlosband funktionieren. Handwerklich perfekt, ideenreich und inszenatorisch bestechend, zerpflückt der Film lustvoll die Medienmythen der Gegenwart und lässt sie in Gestalt eines Thrillers im kalten Entsetzen kulminieren, ohne dass David Lynch damit seinem bekannten Oeuvre etwas erkennbar Neues hinzufügen würde.

Mi., 11.2., 21.45 / Fr., 13.2., 21.30 / Di., 17.2., 21.30 / So., 22.2., 21.30

 


 

David Lynch

Blue Velvet

Regie & Buch David Lynch; Kamera: Frederick Elmes & Joe Dunton; mit Kyle MacLachlan, Isabella Rossellini, Dennis Hopper, Laura Dern u.a.
USA 1986 DF / 120 Min.

 

Lynchs Film beginnt mit den Bildern einer Postkartenidylle — eine amerikanische Vorstadt mit roten Rosen, weißen Gartenzäunen und einem azurblauen Himmel. Doch mitten in dieser heilen Welt entdeckt der junge Jeffrey ein abgeschnittenes Menschenohr und gerät nach und nach in einen Teufelskreis von Gewalt, Sex und Sadomasochismus.

Auf den ersten Blick ist BLUE VELVET ein Psychothriller, der den genreüblichen Mustern folgt. Doch die ablaufende Handlung ist durchsetzt von irritierenden Bildern und Dialogen. Das Geschehen wirkt merkwürdig fragil; seine überraschenden, ja fast mutwilligen Wendungen folgen der Logik, wie sie Träumen eigen ist.

BLUE VELVET ist ein cineastisches Meisterstück, das wie kaum ein anderer Film der achtziger Jahre immer wieder neu interpretiert und analysiert wurde.

Fr., 27.2., 21.30 / Sa., 28.2., 19.30 / Di., 2.3., 21.30 / Do., 4.3., 22.00

 


 

Romance

Regie & Buch: Catherine Breillat; Kamera: Yorgos Arvanitis; Musik: DJ Valentin & Raphael Tidas; Schnitt: Agnès Guillemot; mit Caroline Ducey, Sagamore Stevenin, François Berleand, Rocco Siffredi u.a.
F 1999 OmU / 95 Min.

 

ROMANCE folgt einer jungen Frau und ihrem Abstieg in die sexuelle Wahllosigkeit, die eine Reaktion auf die Weigerung ihres Ehemannes ist, mit ihr zu schlafen. Ihre Suche nach Sex außerhalb der Ehe treibt sie in eine katastrophale lieblose Begegnungen mit einem Sexprotz, einem erfahrenen Verführer mittleren Alters und einem Vergewaltiger, ehe ihr Mann sie in einem sehr oberflächlichen Geschlechtsakt schwängert. In seiner eiskalten Inszenierung und mit der außergewöhnliche mutigen Darstellung durch Caroline Ducey ist ROMANCE der wohl beunruhigendste Film über weibliche Sexualität, der in den letzten Jahren zu sehen war.

Das Kino von Catherine Breillat gründet sich auf einer Obsession für Liebe und sexuelles Verlangen. Es basiert auf der Hartnäckigkeit ihrer Heldinnen, die bereit sind, Extreme auf sich zu nehmen, um ihrer Leidenschaft bis zum Ende zu folgen, um welchen Preis auch immer. Es ist eine kinematografische Reflexion der Gefühle und Empfindungen, die dabei ausgelöst werden. In Breillats Filmen geht es nicht um die Zerstörung einer moralischen Ordnung, sondern um Tabubrüche. Nur Tabubrüche, das Überschreiten von Grenzzonen interessieren die wagehalsigen Frauen.

Mi., 4.2., 21.45 / Sa., 7.2., 19.30 / So., 8.2., 21.30



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Zuletzt bearbeitet am 01.02.2004 © aptum1997-2003 Schreib mal wieder webmaster@aptum.de