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Mittwochskino: Cine Cubano

Zum Auftakt unserer Reihe Cine Cubano zeigen wir den kubanischen Filmklassiker MEMORIAS DEL SUBDESARROLLO (Erinnerungen an die Unterentwicklung, 1968) von dem 1996 verstorbenen Starregisseur Tomás Gutiérrez Alea, auch liebevoll Titón genannt. Dieser unter Cineasten bis heute vielbeachtete Film entstand in den 60er-Jahren, einem der produktivsten Jahrzehnte des kubanischen Kinos. In der politischen Aufbruchstimmung erfasste auch die Künstler ein bis dahin ungekannter Enthusiasmus. Regisseure wie Alea, Santiago Alvarez oder Humberto Solás sorgten mit ihren innovativen Filmen für großes Aufsehen. In MEMORIAS DEL SUBDESARROLLO wird radikal die schwierige Rolle der bürgerlichen Intellektuellen nach der Revolution thematisiert.

Auch in den Neunziger Jahren schuf Alea mit FRESA Y CHOCOLATE (Erdbeer und Schokolade, 1993) einen Meilenstein in der Geschichte des neuen kritischen Films. Er handelt von einem Schwulen und der Intoleranz, auf die er in der kubanischen Gesellschaft stößt. Trotz Wirtschaftskrise, die auch die kubanische Filmlandschaft schwer in Mitleidenschaft zog, und massiver politischer Repression sind in den 90er Jahren einige der wichtigsten Filme entstanden. Wir zeigen mit HELLO HEMINGWAY und KLEINES TROPIKANA zwei Filme von Daniel Díaz Torres und Fernando Pérez, die unter den zeitgenössischen kubanischen Regisseuren an erster Stelle stehen. Beide scheuen sich nicht auch gesellschaftskritische Themen anzugehen und soziale Widersprüche aufzudecken.

HELLO HEMINGWAY von Pérez ist vordergründig eine Anklage gegen die soziale Ungerechtigkeit im vorrevolutionären Kuba der 50er-Jahre. Gleichzeitig ist der Film aber auch eine Parabel auf die Perspektiv- und Hoffnungslosigkeit, die angesichts der Wirtschaftskrise Anfang der 90er-Jahre die kubanische Bevölkerung erfasste. International bekannt wurde Pérez durch seinen surrealen Film LA VIDA ES SILBAR (Das Leben ein Pfeifen, 1998), dessen zentrale Themen die Suche nach persönlichem Glück, nach Freiheit und Individualismus bilden.

Weniger subtil als Pérez ging Daniel Díaz Torres vor. Sein Film ALICIA EN EL PUEBLO DE MARAVILLAS (Alicia am Ort der Wunder, 1991), eine bitterböse, von Metaphern auf die politische Situation strotzende Satire, löste in Kuba ein kulturpolitisches Erdbeben aus und führte beinahe zur Auflösung des berühmten Filminstituts ICAIC. Auch in seinem neuesten Werk, der Komödie KLEINES TROPIKANA, vereint er auf elegante Weise Satirisches mit Metaphorischem.

Im November wird die Reihe fortgesetzt.

 


Memorias del subdessarrollo · Los sobrevivientes · Kleines Tropikana · Hello Hemingway

 


 

Memorias del subdessarrollo

(Erinnerungen an die Unterentwicklung)

Regie: Tomás Gutiérrez Alea, nach einem Roman von Edmundo Desnoes; Kamera: Ramon Suarez; Musik: Leo Brouwer; mit Sergio Corrieri, Daisy Granados u.a. Kuba 1968 OmU / 90 Min.

 

Die kubanische Revolution war für viele Kubaner die Erlösung von einem tyrannischen Regime und der Beginn von wesentlich mehr Freiheit und sozialer Gerechtigkeit. Sergio ist im Land geblieben, nicht aus Überzeugung, sondern aus Bequemlichkeit und ein bißchen Neugier. Seine Frau hat ihn und Kuba verlassen. Sergio versucht in seiner Luxuswohnung, seine Memoiren zu schreiben, sich zu erinnern an die alte Zeit, die neue zu analysieren und zu verstehen.

Mi., 8.10., 19.30 / Fr., 10.10., 21.30 / Sa., 11.10., 21.30 / So., 12.10., 17.30

 


 

Los sobrevivientes

(Die Überlebenden)

Regie: Tomás Gutiérrez Alea; Buch: T.G. Alea, Antonio Benitez Rojo u.a.; Kamera: Mario Garcia Joya; Musik: Leo Brouwer; mit Enrique Santiesteban, Reynaldo Miravalles u.a.
Kuba 1978 OmU / 130 Min.

 

Eine bürgerliche Familie aristokratischen Ursprungs beschließt, nach dem Sieg der Revolution im Lande zu bleiben. Zu ihren Vorfahren gehören "Entdecker" und "Eroberer", die ersten Europäer, die die Insel seit den Zeiten Kolumbus‘ und Diego Velázquez‘ entdeckt und in Besitz genommen hatten.

Auf dem großen Anwesen, wo sich die Familie wie in einer Festung zu verschanzen beschlossen hat, wohnt auch das Dienstpersonal: viele Diener, die schon Teilinventar des Familienbesitzes zu sein scheinen.

In der Annahme, die Revolution sei eine vorübergehende Erscheinung, versucht der Chef der Fanilie durch eine systematische Abschottung von der Außenwelt die Reinheit seiner Ideen und Bräuche zu bewahren.

Mi., 15.10., 19.30 / Fr., 17.10., 21.30 / So., 19.10., 17.30

 


 

Kleines Tropikana

(Tropicanita)

Regie: Daniel Díaz Torres; Buch: Eduardo del Lano, Daniel Díaz Torres; mit Peter Lohmeyer, Vladimir Cruz, Corina Mestre, Enrique Molina
Kuba/D 1997 OmU / 112 Min.

 

Havanna in den 90er Jahren. In der Dunkelheit einer tropischen Sommernacht wird im Hinterhof eines großen Hauses die Leiche eines deutschen Touristen gefunden, auf dem Rücken umgeschnallte Engelsflügel, in der Hand eine Schnapsflasche. Für die örtliche Polizei ist der Fall schnell klar: Betrunkener Ausländer stürzt sich bei einer wilden Party vom Dach. Doch den jungen Polizeileutnant Lorenzo lässt der "Fall des fliegenden Deutschen" nicht wieder los. Er beginnt gegen den Willen seines Chefs auf eigene Faust zu recherchieren. Was hat dieser tote Hermann Pangloss eigentlich wirklich in Kuba gemacht? Und vor allem: Was hat es mit seinem Vater auf sich, der in den 40er Jahren in Havanna eine Tanzbar namens "Kleines Tropikana" betrieb?

KLEINES TROPIKANA beginnt wie ein klassischer Krimi und endet als Hommage an die Kraft der Phantasie: Gegen die poetische Wahrheit einer aufregenden Geschichte hat die banale Realität keine Chance. Diese von Regisseur Daniel Díaz Torres (ALICIA IM LAND DER WUNDER) mit viel Lokalkolorit und einem Ensemble temperamentvoller Darsteller inszenierte vielschichtige Komödie ist ein vitales Stück lateinamerikanisches Kino.

Mi., 22.10., 19.30 / Fr., 24.10., 21.30 / Sa., 25.10., 19.30 So., 26.10., 17.30

 


 

Hello Hemingway

Regie: Fernando Perez; Buch: Mayda Royero; mit Laura de Uz, Raúl Paz, Hermina Sanchez
Kuba 1990 OmU / 90 Min.

 

Kuba 1956: Larita steht kurz vor dem Abitur. Elvis Presley, Rock´n Roll und ein sorgloses Leben, das ist ihr Bild von Amerika. Armut, Erniedrigung, die Sorge ums Essen, das ist für sie der kubanische Alltag. Diesem Leben zu entkommen und in den USA zu studieren, ist ihr Traum. Ihre Freunde, die mit dem Widerstand gegen Diktator Batista sympathisieren, erklären sie für verrückt. Larita braucht die Bürgschaft eines Amerikaners und versucht vergeblich zu Ernest Hemingway vorzudringen, der ganz in der Nähe in seiner weißen Villa wohnt.

In wunderbar poetischen Bildern verfilmt Regisseur Fernando Perez das autobiografisch geprägte Drehbuch von Mayda Royero. Getragen auch durch die überzeugende junge Hauptdarstellerin, entsteht eine sensible Erinnerung an das Kuba zu der Zeit, als Ernest Hemingway dort lebte, ein Film über sozialen und persönlichen Aufbruch. (Filmfestival Havanna 1990: Bester kubanischer Film des Jahres)

Mi., 29.10., 19.30 / Fr., 31.10., 21.30 / So., 2.11, 21.30

 


 

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Zuletzt bearbeitet am 31.08.2003 © aptum1997-2003 Schreib mal wieder webmaster@aptum.de