b Kommunales Kino in Freiburg - Oktober 2003 - kino avantgarde
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Oktober 2003

IMaya Derens Voodoo Fragment & Henry Hill

Im September spielten wir einen neuen Dokumentarfilm über Maya Deren und ihre sechs vollendeten Kurzfilme. Jetzt stellen wir ihr Voodoo Fragment vor, wie es Teiji Ito, ihr dritter Ehemann, realisierte. Als Ergänzung zeigen wir einen älteren Film von Henry Hills. Er ist eine zentrale Figur des heutigen New Yorker Underground Kinos und Cutter von IN THE MIRROR OF MAYA DEREN.

Divine Horsemen - The Living Gods of Haïti

Regie: Maya Deren; Fertigstellung: Teiji & Cherel Ito
USA 1951 / 1973 / 1977 55 Min.

Für Deren ist ein Ritual ein Übergang von einem Zustand in einen anderen, ganz im Sinne okkulter Handlungen. Sie verbindet Rituelles (z. B. Tanz) in ihren Filmen mit Metaphysischem. DIVINE HORSEMEN war mit Sicherheit das am größten angelegte Filmwerk von Maya Deren - ursprünglich geplant als Dokumentation von Voodoo-Tanzritualen, verlor / fand sich Maya Deren immer mehr in der Welt des Voodoos. Zuletzt erlangte sie selber den Status einer Voodoo Priesterin und schrieb Bücher über die verschiedenen Voodoo Kulte. Den eigentlichen Film zu beenden war sie Ihr Leben lang nicht mehr in der Lage. Nach ihrem Tod versuchte ihr dritter Ehemann, der U.S. amerikanische Komponist japanischer Abstammung Teiji Ito zusammen mit Cherel Ito eine fragmentarische Version herzustellen, die etwas von der Begeisterung und Qualität von Derens Bildern wiedergibt. Der Film besteht weitgehend aus verschiedenen Ritualtänzen und Musik, verschiedene Götter werden angerufen und Opfer dargebracht auf einen "erklärenden" Kommentar wird verzichtet.

Money (Making Money)

Von Henry Hills; Musik: John Zorn u. a.; mit John Zorn, Sally Silvers, David Moss, Arto Lindsay, Fred Frith, Tom Cora, Abigail Child u. a.
USA 1985 OF / 14 Min.

Der Film ist heute ein historisches Dokument der frühen Tage der "language poetry" und der "downtown" Improvisations-Musikszene im New York der 80er Jahre. Im Zentrum des Geschehens stehen das Geld und die Künstler, denen es fehlt. Diskussionen über ökonomische Probleme werden in Worte und Phrasen zerlegt. Die Filmbilder, die Musik und die Montage verwandeln das Ganze in eine visuelle Komposition mit der einfachen Aussage: Gibt uns Geld!!! Ohne Geld gibt es keine Kunst.

Geister von Hollywood

THE DECAY OF FICTION

Regie & Schnitt: Pat O´Neill; Kamera & Sounddesign: George Lockwood; Kamera & Rotoskopanimation: Kate McCabe; mit Wendi Winburn, William Lewis, Julio Leopold, Amber Lopez, Jack Conley, u. a.
USA 2002 OF / 74 Min.

Der 1939 in Los Angeles geborene Pat O´Neill lebt in zwei Welten: Er und seine Firma "Lookout Mountains Film" haben seit 1970 einige der bekanntesten visuellen Effekte für Hollywood-Filme geschaffen, von DIE RÜCKKEHR DER JEDI RITTER bis hin zu THE GAME. Aber seine Welt war immer der Experimentalfilm. Da mit diesem Genre kein Geld zu verdienen ist, wählte er das Erstere um seine eigentliche Leidenschaft zu ermöglichen. O`Neills Filme haben immer etwas visuell Einmaliges und Ungewöhnliches, sie haben nichts gemein mit seinen kommerziellen Aufträgen. Aber die Leidenschaft für die visuellen "Tricks" sind auch bei seiner Kunst nicht zu übersehen. Mit THE DECAY OF FICTION hat er zum zweiten Mal einen Langfilm gedreht, es ist sein narrativster Film überhaupt.

DECAY bedeutet Verfall, Fäulnis, Verwesung und dies ist auch so zu verstehen. Dieser Film ist keine späte Hinwendung an das Erzählkino, sondern vielmehr die Erklärung seines Endes. Der Titel ist doppelbödig - das was im Film verfault und verfällt ist das legendäre Hollywood Luxushotel "Ambassador".

Die Wände und Gänge modern und zerfallen, Vorhänge flattern in Zeitraffer und innerhalb dieser Bilder des Vergehens und Untergehens wandeln lang verstorbene Menschen wie Schatten oder Gespenster. Erinnerungen aus der großen Zeit dieser längst geschlossenen Räumlichkeiten, in denen unter anderem Bobby Kennedy starb. Die Fragmente von Gesprächen und Dialoge, die wir hören, erzählen etwas von Geschichte - sie sind Texte am Rande des Erinnerns. Die Bilder hingegen besitzen etwas von der Wahrnehmung von Schatten, sie sind gerade noch da und schon wieder weg. THE DECAY OF FICTION spielt gekonnt mit Wirklichkeit und Halluzination.

Es gibt zwei Versionen von diesem Film: eine als Installation auf DVD-ROM, die mit mehreren Videoprojektoren aufgeführt wird, und eine als 35mm Kinofilm.

Bedauerlicherweise existieren in Europa nur wenige Kopien, die auch zu den Preisen des Kunstmarktes vertrieben werden und nicht zu üblichen Kinokonditionen. Aus diesem Grund können wir diesen Film leider nur einmal zeigen.

Di., 28.10., 19.30 mit einer Einführung von Wolfgang Lehmann

 


 

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Zuletzt bearbeitet am 01.12.2002 © aptum1997-2002 Schreib mal wieder webmaster@aptum.de