Kommunales Kino im alten Wiehrebahnhof
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Werkschau Pier Paolo Pasolini (1922-1975)

Ein schonungsloser Provokateur.

Pasolini wurde am 5. März 1922 in Bologna als Sohn eines faschistischen Offiziers geboren und kam während des Krieges erstmals mit dem Marxismus in Berührung, der die gedankliche Basis seiner kreativen Arbeit werden sollte. 1943-49 Lehrer, dann freier Schriftsteller, begann er in den 50er Jahren für den Film zu arbeiten, zunächst als Drehbuchautor, u.a. für Federico Fellini und Bernardo Bertolucci.

Seine erste Regiearbeit Accattone - wer nie sein Brot mit Tränen ass (1961) war, wie auch der sehr erfolgreiche zweite Film Mamma Roma (1962), noch stark vom Neorealismus beeinflusst. 1964 drehte der Atheist Pasolini mit Laiendarstellern, darunter seine Mutter als Maria, Das erste Evangelium - Matthäus, in dem er das Leben Jesu vor allem in seiner sozialen Bedeutung nüchtern und sachlich darstellte. Auf Grosse Vögel, kleine Vögel (1966) folgten Edipo Re - Bett der Gewalt (1967), Teorema - Geometrie der Liebe (1968) und Der Schweinestall (1969).

Decamerone leitete 1971 eine Trilogie von Verfilmungen erotischer Klassiker ein (Canterbury Tales, 1972; Erotische Geschichten aus 1001 Nacht, 1974). Den Vorwurf der Kritik, diese Filme trotz erkennbarer sozialkritischer Tendenzen auf den Kassenerfolg hin produziert zu haben, beantwortete Pasolini 1975 mit seinem radikalsten und provozierendsten Film SALO - 120 Tage von Sodom, der zurzeit in Deutschland wieder aufgeführt wird.

 

Juli 2003: Accattone - wer nie sein Brot mit Tränen ass · Mamma Roma · Gastmahl der Liebe · La Ricotta · Das erste Evangelium - Matthäus
August 2003: Teorema - Geometrie der Liebe · Edipo Re - Bett der Gewalt · Grosse Vögel, kleine Vögel
September 2003: Der Schweinestall · Decameron · Salò - Die 120 Tage von Sodom

 


 

Accattone - wer nie sein Brot mit Tränen ass

(Accattone)

Regie & Buch: Pier Paolo Pasolini; Kamera: Tonino Delli Colli; mit Franco Citti, Silvana Corsini, Franca Pasut u.a.
Italien 1961 DF / 115 Min.

 

Die Geschichte des Zuhälters Accattone, der nach mehreren erfolglosen Versuchen, ein "anständiges", bürgerliches Leben zu führen, erneut auf die schiefe Bahn gerät.

Die erste Regiearbeit des italienischen Literaten Pasolini, uraufgeführt 1961 bei den Filmfestspielen von Venedig, war in Italien lange Zeit umstritten, gilt aber heute als eines seiner besten Werke.

Do., 3.7., 21.30 / Fr., 4.7., 21.30 / Sa., 5.7., 19.30 / So., 6.7., 21.30

 


 

Mamma Roma

(Mamma Roma)

Regie & Buch: Pier Paolo Pasolini; Kamera: Tonino Delli Colli; mit Anna Magnagni, Ettore Garofalo, Franco Citti, Silvana Corsini u.a.
Italien 1962 DF / 106 Min.

 

In einer ihrer größten Rollen ist die italienische Charakterdarstellerin Anna Magnani zu sehen. Sie spielt die Prostituierte Mamma Roma, die mit ihrem Dasein unzufrieden ist und in ihre Tagträume von einem geordneten Leben in ebenso geordneten Verhältnissen flieht. Als ihr Zuhälter nach seiner Heirat die Stadt verlässt, ist für sie diese Vision ein Stück greifbarer geworden. Mamma Roma nimmt ihren halbwüchsigen Sohn Ettore zu sich und eröffnet einen Gemüsestand. Ihr größter Traum ist es, dass Ettore einmal ein besseres Leben haben soll als sie. Doch der Junge bereitet ihr Sorgen und gerät auf die schiefe Bahn.

Sa., 12.7., 19.30 / So., 13.7., 21.30 / Di., 15.7., 21.30

 


 

Gastmahl der Liebe

(Comizi d'amore)

Regie & Kommentar: Pier Paolo Pasolini; Kamera: Mario Bernardo & Tonino Delli Colli; Schnitt: Nino Baragli Italien 1963 OmU / 90 Min.

 

Der eineinhalbstündige Interview-Film beschäftigt sich mit dem Verhältnis der Italiener zum Bereich Liebe/Sexualität. Pasolini hat Menschen verschiedensten Alters aus verschiedensten Gegenden Italiens interviewt. - Der Film kommt zu einem voraussehbaren Schluss: Die Verhaltensweisen der Italiener zur Sexualität sind verschieden - je nach Alter, Geschlecht, Erziehung, Umwelt und Religion: Pasolini, zusammen mit Moravia und Musatti, fordert am Ende eine Entmystifizierung der Sexualität, um ein freieres Verhältnis zu ihr zu finden.

Sa., 19.7., 19.30

 


 

La Ricotta

(Der Weichkäse)

Regie & Buch: Pier Paolo Pasolini; Kamera: Tonino Delli Colli; Schnitt: Nino Baragli; mit Orson Welles, Mario Capriani, Laura Betti, Edmonda Aldini u.a.
Italien 1962 DF / 40 Min.

 

Während der Dreharbeiten eines kitschigen Christusfilmes. Nachdem er zuvor fast an Hunger gestorben wäre, weil er seine Familie mit seiner Essensration versorgen muss, stirbt der Komparse Stracci, der einen der Gekreuzigten darstellt, an einer schnell verschlungenen großen Menge Ricotta. Sein Tod am Kreuz wird festgestellt, als der Produzent mit einer illustren Gesellschaft der besseren Kreise am Drehort erscheint und für die Gäste eine reich gedeckte Tafel bereitsteht.

Fr., 25.7., 20.00

 


 

Das erste Evangelium - Matthäus

(Il vangelo secondo Matteo)

Regie & Buch: Pier Paolo Pasolini, nach dem Matthäusevangelium; Kamera: Tonino Delli Colli; mit Enrique Irazoqui; Susanna Pasolini, Margherita Caruso, Marcello Morante u.a.
Italien 1964 DF / 136 Min.

 

Pasolinis gewagte Verfilmung war der erste Versuch, die Lebensgeschichte Jesu in einer realistischeren Form zu verfilmen und damit ein Gegengewicht zu den pompösen Hollywoodepen zu schaffen. Pasolini wählte als Kulisse seines Filmes die karge Landschaft Süditaliens mit ihren ärmlichen Feldern und halb verfallenen Dörfern. Auch einen Großteil der dort ansässigen Bevölkerung bezog er in die Aufnahmen mit ein. Für die Rolle der Maria verpflichtete Pasolini seine eigene Mutter Susanna.

Fr., 25.7., 21.00 / Do., 31.7., 20.30 / So., 3.8., 18.00

 


 

Teorema - Geometrie der Liebe

(Teorema)

Regie & Buch: Pier Paolo Pasolini; Kamera: Guiseppe Ruzzolini; Musik: Ennio Morricone; mit Terence Stamp, Silvana Magnano, Anne Wiazemsky, Laura Betti u.a.
Italien 1968 DF / 97 Min.

TEOREMA ist Pasolinis Variation eines modernen Evangeliums. In ebenso stil- wie geschmackvollen Bildern schildert er die Veränderungen, die ein junger attraktiver Mann in einer großbürgerlichen Familie provoziert.

Der gut aussehende Besucher bringt das Leben der kleinen Hausgemeinschaft völlig durcheinander, denn sowohl das Dienstmädchen als auch die Eltern und deren Sohn und Tochter verfallen seiner omnipotenten Sexualität. Die plötzliche Abreise des Unbekannten hinterlässt eine klaffende Lücke und komplette Verwirrung.

Fr., 1.8., 20.00 / Sa., 2.8., 18.00 / Di., 5.8., 20.30

 


 

Edipo Re - Bett der Gewalt

(Edipo Re)

Regie & Buch: Pier Paolo Pasolini, nach der Tragödie von Sophokles; Kamera: Guiseppe Ruzzolini; mit Franco Citti, Silvana Mangano, Alida Valli, Julian Beck u.a.
Italien 1967 DF / 110 Min.

Eine sehr eigenwillige Interpretation der bekannten griechischen Tragödie, von Pasolini betont atmosphärisch in symbolträchtigen Bildfolgen inszeniert. - Der Königssohn Ödipus, von seinem Vater Laius von Theben in der Wüste ausgesetzt, wird von König Polybos gerettet und adoptiert. Als Ödipus das Delphische Orakel befragt, sagt dies ihm voraus, er werde seinen leiblichen Vater töten und seine Mutter Iokaste heiraten. Kurze Zeit später erfüllt sich diese schreckliche Weissagung.

Do., 14.8., 20.30 / Fr., 15.8., 22.00 / Sa., 16.8., 18.00 / So., 17.8., 18.00

 


 

Grosse Vögel, kleine Vögel

(Uccellacci e uccellini)

Regie & Buch: Pier Paolo Pasolini; K.: Mario Bernardo & Tonino Delli Colli; mit Totò, Nino Davoli, Femi Benussi, Umberto Bevilacqua u.a.
Italien 1965 DF / 88 Min.

Ein Film, der in vieler Hinsicht nicht nur eine kritische Hommage an die ,kleinen Leute', sondern auch an deren Liebling Totò ist. (Frankfurter Rundschau)

Der zwei Jahre später verstorbene Komiker Totò spielt hier einen alten Mann, der sich mit seinem Sohn auf Wanderschaft befindet und den absonderlichsten Menschen begegnet. Ein sprechender Rabe kreuzt ihren Weg, der versucht, ihnen seine Thesen von Marxismus und Religion nahe zu bringen. Da die beiden jedoch seine Abhandlungen nicht verstehen, erzählt er ihnen die Legende vom Heiligen Franziskus, der seine Mönche aufgefordert hatte, den Vögeln zu predigen.

Fr., 22.8., 20.00 / Di., 26.8., 20.30 / Sa., 30.8., 22.00 / So., 31.8., 18.00

 


 

Der Schweinestall

(Porcile)

Regie & Buch: Pier Paolo Pasolini; Kamera: Tonino Delli Colli, Armando Nannuzzi & Guiseppe Ruzzolini; mit Pierre Clementi, Jean-Pierre Léaud, Alberto Lionello, Ugo Tognazzi u.a.
Italien/Frankreich 1969 DF / 98 Min.

Pasolini entwirft hier die Parabel vom Ausstieg zweier junger Männer aus ihrer jeweiligen gesellschaftlichen Position. Das Resultat dieses Rückzugs ist in jeder Hinsicht für beide fatal. Der eine verfällt dem Kannibalismus, um am Ende selbst den wilden Tieren zum Fraß vorgeworfen zu werden, dem anderen wird seine sodomitische Leidenschaft für Schweine zum Verhängnis. Kannibalismus und Sodomie fungieren jeweils nur als verschlüsselte Symbole für die eigene Homosexualität, die Pasolini zu seiner Zeit zum gesellschaftlichen Außenseiter machte.

Fr., 5.9., 20.00 / Sa., 6.9., 22.00 / So., 7.9., 18.00 / Di., 9.9., 21.30

 


 

Decameron

(Il Decameron)

Regie: Pier Paolo Pasolini; Buch: PPP nach 8 Novellen von Giovanni Boccaccio; Kamera: Tonino Delli Colli, Musik: PPP & Ennio Morricone; mit Franco Citti, Ninetto Davoli, Jovan Jovanivic, Gianni Rizzo, PPP u.a.
Italien 1970 DF / 111 Min.

'Il Decameron' stellt den ersten Teil der "Trilogie des Lebens" dar. In dieser Reihe zeigte sich der Regisseur von seiner heitersten und populärsten Seite. Sie dokumentiert einen erzählerischen und gestalterischen Wendepunkt in Pasolinis Schaffen. Ausgehend von Giovanni Boccaccios Novellensammlung aus dem späten Mittelalter, reiht der Film acht Episoden aneinander, die durch eine Rahmenhandlung lose miteinander verbunden sind. Pasolini selbst spielt dabei den Maler Giotto, der all seine Kunst und seinen Ehrgeiz der Erstellung eines Freskos widmet und zusehends erkennen muss, dass seine handwerklichen Fähigkeiten niemals den idealen Vorstellungen werden entsprechen können. Der Aufbau des Films ist der Struktur des antiken Glücksrades angelehnt, dessen acht Speichen in ewigem Kreislauf Stationen höchsten Glücks bis hin zu tiefster Verzweiflung reichen.

'Die Erhebung des sexuellen Aktes und die ihn begleitende Heiterkeit wurden damals nicht akzeptiert, da sie eine zu anarchistische und folglich zu gefährliche Lebensvision propagierten. Auch Pasolinis beiden folgenden Filme I racconti di Canterbury und Il fiore delle mille e una notte sollten aus denselben Gründen der Zensur zum Opfer fallen.'

Do., 11.9., 19.30 / Sa., 13.9., 21.30 / So., 14.9., 19.30

 


 

Salò - Die 120 Tage von Sodom

(Salò o le centoventi giornate dellà città di Sodoma)

Regie: Pier Paolo Pasolini; Buch: P.P. Pasolini & Sergio Citti; Kamera: Tonino Delli Colli; mit Paolo Bonacelli, Aldo Valetti, Giorgio Cataldi, Sonia Saviange u.a.
Italien/Frankreich 1975 DF / 115 Min.

Pasolini griff für seinen letzten Film auf den berüchtigten Roman des Marquis de Sade Die 120 Tage von Sodom oder die Schule der Libertinage zurück, siedelte die Geschichte jedoch nicht im zu Ende gehenden absolutistischen Zeitalter an, sondern im faschistischen Italien des Jahres 1944. Vier Männer der Großbourgeoisie lassen eine Gruppe ausgesuchter Jünglinge und Mädchen in ihre hochherrschaftliche Villa verschleppen.

Der in seiner Radikalität schwer erträgliche Film, der die sadistischen Orgien von Großbürgern darstellt, wurde in mehreren Ländern ein Opfer der Zensur.

"SALÒ wird ein grausamer Film sein. So grausam, dass ich (so nehme ich an), mich zwangsläufig davon distanzieren muss, so tun als würde ich das alles nicht glauben, als sei ich ganz starr vor Überraschung". (Pier Paolo Pasolini)

Do., 18.9., 19.30 / Sa., 20.9., 21.30 / So., 21.9., 17.30



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Zuletzt bearbeitet am 31.08.2003 © aptum1997-2003 Schreib mal wieder webmaster@aptum.de