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Juni 2003

Ein Abend für Stan Brakhage (1933-2003)

"Möchten Sie wissen was Kino ist .... Es ist Brakhage" (P. Adams Sitney, Theoretiker des Amerikanischen Films und Harvard Professor)

Stan Brakhage, einer der bedeutendsten und zentralsten Personen des New American Cinema, verstarb am 9. März 2003 in Victoria (Kanada) im Alter von 70 Jahren. Er schuf eine neue Filmsprache, die es in Ansätzen schon gegeben hatte, die aber niemand vor ihm so radikal verwirklichte.

Brakhage ging es um das Sehen im Film, nicht um nacherzählbare Inhalte. Er hat nicht nur mit rasend schnellen Schnitten und Kamerabewegungen gearbeitet, mit wahnwitzigen Mischungen aus Positiv- und Negativmaterial, Farbe und Schwarzweiß, er ging an das Filmmaterial selbst heran, hat es bemalt, zerkratzt, beklebt (in MOTHLIGHT mit Flügeln von Motten), zerstört, neu zusammengefügt und manchmal auch mit Fremdmaterial (found footage) kombiniert.

Brakhage, trotz seiner formalen Modernität eher der Typ des romantischen Künstlers, schuf einen eigenen Kosmos, viele seiner Filme sind Fragmente aus seiner eigenen Biografie. Sein Werk kreist um die elementaren Lebensvorgänge. Seit den 60er Jahren verwarf er jeglichen Ton und Klang bei seinen Arbeiten: Nur das Bild erstahlt das Kino, wird durch nichts Nicht-Filmisches abgelenkt.

Bereits mit 19 hat Brakhage seinen ersten Film gedreht, insgesamt hat er fast 380 Werke realisiert, Filme mit einer Laufzeit zwischen 9 Sekunden bis hin zu 4 Stunden. Seinen letzten Film, 60 Sekunden lang und stumm, kann man im Internet sehen, den Trailer für die Viennale 2002 (www.viennale.at) Weitere Informationen über Brakhage unter www.fredcamper.com.

Für diesen Abend können wir auf Filme aus dem Archiv der Freunde der Deutschen Kinemathek/ Berlin, zurückgreifen. Sie stammen aus zwei Zeitdekaden des Werks von Stan Brakhage. Wir hoffen zu einem späteren Zeitpunkt auch Arbeiten aus der letzten Schaffensphase zeigen zu können.

Di., 17.6., 19.30 mit einer Einführung von Telemach Wiesinger

 


 

Landed 20 X

Kamera, Buch, Soundscape & Produktion: Telemach Wiesinger; Schnitt & Vertrieb: Wolfgang Lehmann, Skulpturen & Artwork: Mario M. Müller; Titelgestaltung: Michael Wiesinger; mit Luis Acosta, Ludwig Amman, Stephan Bardischewski, Bernhard Bolergey u.a.
D 2001 50 Min.

Im Hauptberuf ist Telemach Wiesinger Fotograf, seine Serie "Still-Leben" ist zur Zeit in der Katholischen Akademie Freiburg zu sehen. Es sind Fotografien mit extrem langer Belichtungszeit. Der Moment verschwindet aus den Bildern, die Zeit kommt zur Geltung. Ganz ähnlich geht Wiesinger bei seinem Filmdebüt vor. An 20 Orten dieser Welt hat er in den letzten Monaten des 20. Jahrhunderts seine Kamera aufgestellt und zwei bis drei Minuten lang festgehalten, was sich vor der Linse abspielt. Weder gibt es jemals einen Schwenk, noch eine Kamerafahrt oder gar einen Zoom.

Das Bewegungsmedium Film wird unter den Händen des Fotografen Wiesinger zu einem Zeitmedium; seine Aufnahmen der 20 Orte fließen zu einem 50-minütigen Still-Leben zusammen. Es entsteht eine Art Schule des Sehens, in der die Bilder eines Bahnübergangs, eines Baums oder eines mexikanischen Bauern, der eine Kuh im Kreis umhertreibt, unsere ganze Aufmerksamkeit verlangen. Mit dem kreisartig komponierten Werk gibt uns Wiesinger Schlüssel an die Hand, der Welt Details zu entlocken, die im Bilderfluss des Kinos normalerweise untergehen. (Matthias Heybrock)

Di., 3.6., 19.30 / 21.30

 


 

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