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Mittwochskino

 


Neues Chinesisches Kino - Die Metropole Shanghai:
Shanghai Panic · Shanghai Serenade · Suzhou River
Götter und Geister - Nat-Kult in Burma:
hnFreunde mit Einfluß

 


 

Neues Chinesisches Kino: Die Metropole Shanghai

In den 80er Jahren vollzog sich in der chinesischen Filmkultur eine radikale künstlerische Wende. Verantwortlich dafür waren vor allem Chen Kaige und Zhang Yimou, die als Vertreter der sogenannten Fünften Generation erstmals ein nicht staatstragendes, sondern künstlerisch anspruchvolles und politisch engagiertes Kino präsentierten. Mit einer global inspirierten, sowohl symbolischen als auch epischen Filmsprache erhielten sie großen internationalen Zuspruch. Ihre Themen holten sie sich — oft aus Zensurgründen — aus der Vergangenheit oder einer ländlichen, den städtischen Brennpunkten entrückten Wirklichkeit.

Ganz anders der Zugang der darauf folgenden, der "Sechsten Generation" des heutigen Underground-Kinos. Ohne staatliche Produktions- oder Verleihlizenzen, oft nur mit der Digitalkamera, realisieren eine wachsende Zahl von jungen FilmemacherInnen unabhängige Projekte. Ihre Filme zeichnen sich durch einen urbanen, neorealistischen Stil aus und behandeln vielfach tabuisierte Themen wie Jugendkriminalität oder sexuelle Emanzipation.

Wir zeigen eine kleine Auswahl, die sich mit dem Leben in der Metropole Shanghai befasst. Andrew Cheng Yusus SHANGHAI PANIC erzählt in ungeschönten Handkamerabildern von einer Gruppe Jugendlicher, die sich mit Drogen berauschen, herumhängen und über das Leben und die Liebe in ihrer Stadt sinnieren. SUZHOU RIVER von Lou Ye erzählt in der Form eines Videotagebuchs mit einer betörenden, an Wong Kar-Wei erinnernden Visualität eine verschachtelte Lovestory im kriminellen Milieu des heutigen Shanghai. Die Fünfte Generation ist mit dem Film SHANGHAI SERENADE von Zhang Yimou vertreten, der uns in das Gangstermilieu Shanghais der 30er Jahre zurückblicken lässt.

 

Shanghai Panic

(Wo men hai pa)

Regie: Andrew Cheng Yusu; Kamera & Buch: A. Cheng, nach Mianamians Erzählung ‚We are Panic‘; Musik: Zhao Khe; mit Mianmian, Li Zhina, Yang Yuting u.a.
China 2001 Chinesisch (Shanghai-Dialekt) mit dt. Untertiteln / 87 Min.

 

Bei, ein junger Mann aus Shanghai, hat seit fast einem Monat Fieber. Er befürchtet, an Aids erkrankt zu sein, und erzählt dies seinen Freunden Kika, Fifi und Casper. Verängstigt und mehr oder weniger isoliert verbringen die vier ihre Zeit damit, sich mit billigen Drogen zu berauschen, in KTV-Etablissements herumzuhängen, oder über sich, das Leben und die Liebe in ihrer Stadt nachzugrübeln. Sie erzählen einander von Selbstmordversuchen und Vertrauensbrüchen. Der Kampf gegen die Angst schweißt sie zusammen. Schließlich entwickelt sich eine Liebesbeziehung zwischen Bei und Jie. Beide sind recht ratlos im Hinblick auf ihre sexuelle Orientierung. Andrew Cheng: "Ich habe in keiner der Städte, in denen ich gelebt habe, jemals in so kurzer Zeit einen solchen sozialen Niedergang erlebt. Wie in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts, als Opium Mode war, werden Drogen in nahezu jedem Club Shanghais konsumiert; sie stehen für modischen westlichen Lebensstil. Mianmians Erzählung ‚We are Panic‘, auf der mein Film beruht, erzählt von dieser Generation, und ich konnte sie schließlich dazu überreden, eine Hauptrolle zu spielen."

Mi., 15.1., 19.30 / Do., 16.1., 21.30 / Sa., 18.1., 19.30 So., 19.1., 21.45

 


 

Shanghai Serenade

Regie: Zhang Yimou; Buch: Bi Feiyu, nach dem Roman "Men gum" von Li Xiao; Musik: Zhang Guangtian; Kamera: Lu Yue; mit Gong Li, Li Bao Tian, Shun Chun, Wang Yiao Yiao u.a.
China 1995 OmeU / 102 Min.

 

Das Shanghai der 30er Jahre wird von den Unterwelt-Syndikaten beherrscht. Der mächtigste Boss ist Tang, der nach einem mißglückten Attentat seines Rivalen Song mit seiner Mätresse Xiao und ihrem Diener Shuisheng verwundet aufs Land flieht. Xiao freundet sich mit der Bäuerin an, die die Gangster bewirtet. Auch ihren kleinen Diener Shuisheng, den sie in Shanghai verachtete, beginnt sie zu für seine Aufrichtigkeit zu schätzen. Tang hat indes entdeckt, dass ihn seine Geliebte mit seinem Rivalen Song betrügt. Als der Diener im Schilf Songs Leute entdeckt und Tang vor dem Überfall warnt, hat er damit unwissentlich auch das Schicksal seiner Herrin besiegelt. Der Gangsterboss lockt die Verräter in einen Hinterhalt. Zhang Yimous prachtvoll ausgestattetes Drama läßt den dekadenten Luxus im Shanghai der 30er Jahre wieder aufleben. Die Geschichte gilt als historische Parabel auf die Machtkämpfe und den Materialismus, der auch im heutigen wirtschaftsliberalen China herrscht.

Mi., 22.1., 19.30 / Sa., 25.1., 17.30

 


 

Suzhou River

Regie: Lou Ye; Buch: Lou Ye; Kamera: Wang Yu; Musik: Jörg Lemberg; mit Zhou Xun; Jia Hongsheng; Yao Anlian; Nai An; Hua Zhongkai u.a.
China / D 2000 OmU / 82 Min.

 

Ein Videofilmer in Shanghai. Alles und alle filmt er, solange sie nur zahlen. Der Besitzer eines Nachtclubs heuert ihn an, eine junge Frau namens Meimei zu filmen, die Nacht für Nacht als schwimmende Meerjungfrau auftritt. Der Videofilmer verliebt sich in das ebenso hübsche wie eigenwillige Geschöpf. Nach leidenschaftlichen Liebesnächten verschwindet Meimei immer wieder ohne jede Vorwarnung für einige Tage. In kraftvollen Bildern erzählt Lou Ye die Geschichte einer amour fou an den Ufern des Suzhou Flusses, der sich durch Shanghai windet und mit all seinem Schmutz das Chaos der Stadt ebenso widerzuspiegeln scheint, wie die Rätselhaftigkeit der Liebe. Geschickt verwebt der Regisseur diese Geschichte mit der ganz anderen - und doch so ähnlichen - Geschichte eines Motorradkuriers, der seit Jahren nach seiner Geliebten sucht, die einstmals in den Suzhou Fluss gesprungen war. Lange bleibt unklar, ob Meimei die gesuchte Geliebte ist.

Mi., 29.1., 19.30 / Do., 30.1., 21.30 / Sa., 1.2.,19.30 / So., 2.2., 17.30

 


 

Götter und Geister - Nat-Kult in Burma

Freunde mit Einfluß

(Friends in high Places)

Regie: Lindsey Merrison; Kamera: Lars Barthel; Schnitt: Stewart Young; Ton: Marc von Stuerler & Annegret Fricke; Musik: U Sein Kala Hsaing & Waing Ensemble
D / Schweiz 2001 OmU / 86 Min.

 

Jahrzehntelange Korruption und Isolation unter der Diktatur des Generals Ne Win haben aus dem einst reichen Burma (seit 1989 "Myanmar") eines der ärmsten Länder der Erde gemacht.

Aber hinter dem düsteren Repertoire repressiver Maßnahmen und der Misswirtschaft des Regimes existiert die unbekannte phantastische Welt des Nat-Kults. 'Nats' sind übernatürliche Wesen, irgendwo zwischen Göttern und Geistern angesiedelt, viele von ihnen einst Opfer einer ungerechten Herrschaft. Das burmesische Volk, selber einer unberechenbaren Junta ausgeliefert, kann sich gut mit den übernatürlichen Figuren identifizieren. Und so ist dieser uralte Kult, obwohl mehr als 80% der Bevölkerung Buddhisten sind, noch immer lebendig und allgegenwärtig. Im Zentrum des Kults stehen Mediums, sogenannte nat kadaw, viele von ihnen Homosexuelle. "Friends in High Places", ein Film ohne Genehmigung in Burmas Hauptstadt Yangon gedreht, führt in die Welt des Nat-Kults und das Leben einiger Mediums. Die "Fremdenführerinnen" durch das unbekannte Reich farbenprächtiger Kostüme, ergreifenderGeschichten, ekstatischer Musik und extravaganter Tänze sind zwei alte Burmesinnen. Gezeigt wird die ungewöhnliche Rolle, die die Nat-Mediums in der burmesischen Gesellschaft spielen — z.B. als Sozialarbeiter ganz eigener Art und sogar als Psychiater für Menschen aus allen Schichten der Bevölkerung.

In privaten Konsultationen mit ihren Mediums erzählen Ratsuchende von ihren Problemen, Hoffnungen und Ängsten und vermitteln einen Eindruck von dem Leben zwischen Diktatur und wildem Kapitalismus. Wir sehen Burmesen jeden Alters, die in vibrierenden theatralischen Riten, nat pwe genannt, die Nats zu besänftigen suchen und gleichzeitig - der traurigen Realität ihrer täglichen Existenz zum Trotz und ganz und gar unbuddhistisch - sich dem Lebensgenuss hingeben.

Ein authentisches und menschliches Porträt über die Kunst des Überlebens im heutigen Burma.

Mi., 1.1., 17.30 / Sa., 4.1., 19.30 / So., 5.1., 17.30 / Di., 7.1., 21.30

 


 

Das Mittwochskino ist eine Veranstaltung in Kooperation mit der Aktion Dritte Welt e.V. und wird vom Kirchlichen Entwicklungsdienst der Evangelischen Kirche in Deutschland durch den ABP gefördert.

 


 

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Zuletzt bearbeitet am 27.10.2002 © aptum1997-2002 Schreib mal wieder webmaster@aptum.de