Kommunales Kino im alten Wiehrebahnhof
Urachstr. 40
79102 Freiburg
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Retrospektive François Truffaut

"Bereits der siebenjährige François liebte das Kino, er stahl Filmplakate aus Schaukästen und schrieb eigene Filmkritiken, die in Haushalte verteilt wurden. Mit 14 verließ er die Schule, begann zu arbeiten und wurde bei den Cahiers du Cinéma bald der gefürchtetste Filmkritiker Frankreichs" (Dirk Jasper).

Seine bissigen Artikel führten zu seinem Ausschluss bei den Filmfestspielen in Cannes 1958. Ein Jahr später gewann er ebenda den Preis für den besten Film, sein autobiographisch gefärbtes Drama SIE KÜSSTEN UND SIE SCHLUGEN IHN mit dem jungen Jean-Pierre Léaud als Antoine Doinel, der sich gegen eine ignorante Welt auflehnt. Der Film begründete nicht nur die Nouvelle Vague des französischen Kinos, deren Leitfigur Truffaut nun wurde, sondern war auch der Beginn für den einzigartigen Filmzyklus um Antoine Doinels Jugend, die erste Liebe, die Ehe und seine Scheidung im Zeitraum von zwanzig Jahren: GERAUBTE KÜSSE (1968), TISCH UND BETT (1970) und LIEBE AUF DER FLUCHT (1979).

"Bei aller Unterschiedlichkeit der einzelnen Werke sind Truffauts Kinoarbeiten immer von Leichtigkeit geprägt, oszillieren zwischen Traurigkeit und Heiterkeit und erzählen auf fast beiläufige Art von den Widersprüchen des Daseins. François Truffaut hat eine ganze Generation europäischer Filmschaffender entscheidend beeinflusst - als Theoretiker, Regisseur, Drehbuchautor, Produzent, Schauspieler, Inspirator" (Judith Waldner).

1984 ist er im Alter von nur 52 Jahren gestorben. Vergessen ist er freilich nicht: Das Kommunale Kino Freiburg und das Centre Culturel Français Freiburg präsentieren zwischen Dezember und März 2003 mit freundlicher Unterstützung des Schweizer Filmverleihs Filmcoopi Zürich zum ersten Mal eine Retrospektive der Filme Truffauts in der französischen Originalsprache mit deutschen Untertiteln.

In Zusammenarbeit mit dem Centre Culturel Français Freiburg wird die 19 Filme umfassende Reihe durch drei Filmeinführungen des ciné-clubs und einem Vortrag des Truffaut-Kenners Robert Fischer, "Truffauts wilde Kinder" (31.1.03) ergänzt. Parallel zur Reihe ist vom 9.1. bis 6.2.2003 in der Universitätsbibliothek die Ausstellung des Romanischen Seminars der Universität und des Frankreichs-Zentrums und des CCFF "Les enfants sauvages - Les enfants sages" zu sehen. Um sie herum werden weitere Vorträge zum Thema Sprache und Gesellschaft zu hören und alle Filme Truffauts zu diesem Thema, insbesondere DER WOLFSJUNGE, im Kommunalen Kino zu sehen sein.

Detailliertere Angaben finden sich im derzeit ausliegenden Truffaut-Faltblatt.

 

Dezember 2002

Sie küssten und sie schlugen ihn · Jules und Jim

Januar 2003

Schießen Sie auf den Pianisten · Geraubte Küsse · Die süße Haut · Kurzfilmprogramm: Die Unverschämten · Antoine und Colette · Fahrenheit 451 · Die Braut trug schwarz · Das Geheimnis der falschen Braut · Der Wolfsjunge

Februar 2003

Tisch und Bett · Zwei Mädchen aus Wales und die Liebe zum Kontinent · Die amerikanische Nacht · Die Geschichte der Adèle H. · Der Mann, der die Frauen liebte

März 2003

Auf Liebe und Tod · Die Frau nebenan · Die letzte Metro · Liebe auf der Flucht

 


 

Sie küssten und sie schlugen ihn

(Les Quatre Cents Coups)

Regie: François Truffaut; Buch: F. Truffaut & Marcel Moussy; Kamera: Henri Decae; Musik: Jean Constantin; Schnitt: Marie-Josèphe Yoyotte; mit Jean-Pierre Léaud, Albert Rémy, Claire Maurier, Patrick Auffay, F. Truffaut u.a.
F 1959 OmU / 95 Min.

 

In Episodenform und in einem Tonfall, der von der Burleske bis zur bitteren Anklage reicht, erzählt der Film die Geschichte eines Jungen, den Familie und Lehrer als ‚unbequem‘ empfinden und vernachlässigen; nach einigen ‚Verfehlungen‘ landet er in einer Erziehungsanstalt. In dem Schicksal seines kindlichen Helden berichtet Truffaut seinen eigenen Lebensweg... Kein anderer Film der ‚Neuen Welle‘ war so sehr wie dieser von der lebendigen Erfahrung geprägt.

Sein erster langer Spielfilm, der dem damals 27-jährigen Truffaut den Regiepreis in Cannes eintrug, weist viele Elemente auf, die ebenso für die Nouvelle Vague wie für Truffauts spätere Filme typisch sind. Er wurde ein anhaltender Erfolg bei Kritik und Publikum.

Sa., 21.12., 19.30 / So., 22.12., 21.30 / Mi., 25.12., 17.30 Do., 26.12., 21.30

 


 

Jules und Jim

(Jules et Jim)

Regie: François Truffaut; Buch: F. Truffaut & Jean Gruault nach dem Roman Die reine Liebe zu dritt von Henri-Pierre Roché; Kamera: Raoul Coutard; Musik: George Delerue; mit Jeanne Moreau, Oskar Werner, Henri Serre, Marie Dubois u.a.
F 1961 OmU / 107 Min.

Im Jahr 1912 lernen sich der Franzose Jim und der Deutsche Jules in Paris kennen. Beide studieren Literatur und beide verlieben sich auch in dieselbe Frau: Cathérine, eindrucksvoll gespielt von Jeanne Moreau. Diese entscheidet sich für Jules und zieht mit ihm in die Einsamkeit des Schwarzwalds. Der I. Weltkrieg bricht aus. Nach fünf Jahren sieht Jim seine Freunde wieder. Chatérine, inzwischen Mutter einer Tochter, empfindet nur noch wenig für Jules... Truffauts Meisterwerk ist eine leidenschaftliche Liebeserklärung an das Leben mit seinen Höhen und Tiefen. Mit JULES UND JIM schuf er einen Film von zeitloser Leichtigkeit, eingehüllt von den ausgeklügelten Einstellungen des versierten Nouvelle-Vague-Kameramanns Raoul Coutard und der sensiblen Musik des Komponisten Georges Delrue. Truffauts bitter-süße Liebesgeschichte wurde vom Publikum seinerzeit enthusiastisch aufgenommen und entwickelte sich binnen kurzer Zeit zu einem Kultfilm.

Sa., 28.12., 19.30 / So., 29.12., 21.30 / Mi., 1.1., 19.30 / Do., 2.1., 21.30

 


 

Schießen Sie auf den Pianisten

(Tirez sur le pianiste)

Regie: François Truffaut; Buch: F. Truffaut & Marcel Moussy, nach dem Roman Down There von David Goodis; Kamera: Raoul Coutard; mit Charles Aznavour, Marie Dubois, Nicole Berger, Michèle Mercier u.a.
F 1959/60 OF / 82 Min.

Ein scheuer Kneipenpianist, einst ein seriöser Musiker, wird durch seine Brüder in eine Gangstergeschichte verwickelt. Truffauts tragikomische Filmdichtung ist durchdrungen von schwarzem Humor und liebenswerter Poesie.

TIREZ SUR LE PIANISTE zeigte, wie der fast zeitgleich entstandene A bout de souffle des Nouvelle-Vague-Kollegen Jean-Luc Godard, den Anfang einer Linie an, die die französischen Filme der kommenden Jahre oft befolgen sollten: Truffaut versucht sich hier erstmals in der Abwandlung und Neudefinition der überlieferten Genres und Clichés des Hollywood-Kinos.

Sa., 4.1., 21.30 / So., 5.1., 19.30

 


 

Geraubte Küsse

(Baisers volés)

Regie: François Truffaut; Buch: F. Truffaut, Claude de Givray & Bernard Revon; Kamera: Denys Clerval; mit Jean-Pierre Léaud, Delphine Seyrig, Claude Jade, Michel Lonsdale u.a.
F 1968 DF / 91 Min.

Die dritte Folge aus dem Leben des Antoine Doinel: Aus der Armee entlassen, versucht er, im Privat- und Berufsleben zurechtzukommen, wobei er sich nach etlichen Misserfolgen einer fast übersehenen persönlichen Freundschaft und Liebe besinnt. - Einer der schönsten Filme Truffauts: fragil, leichthändig inszeniert, entdramatisiert. Dadurch wird das wirklich Entscheidende fassbar: das alltägliche Drama des Einzelnen, das sich still im Verborgenen abspielt und das ohne die Öffnung zum anderen hin unverkraftbar bliebe.

Fr. 3.1., 21.30 / Di., 7.1., 19.30 / Mi., 8.1., 21:30

 


 

Die süße Haut

(La Peau douce)

Regie: François Truffaut; Buch: F. Truffaut & Jean-Louis Richard; Kamera: Raoul Coutard; mit Jean Desailly, Françoise Dorléac, Nelly Benedetti, Daniel Cecaldi u.a.
F 1963/64 DF & OF / 116 Min.

Der verheiratete Herausgeber einer literarischen Zeitschrift sucht im Verhältnis zu einer Stewardess Erlösung aus dem gewöhnlichen Alltagstrott seines Familienlebens. Als er reumütig zurückkehren will, reagiert seine Frau entschlossen... Truffaut entwickelt den melodramatischen Stoff zur kritisch-analytischen Beschreibung männlicher (und bürgerlicher) Verhaltensweisen zwischen Realitäts- und Lustprinzip. - Eine meisterhafte Fallstudie.

Sa., 11.1., 19.30 (DF) / Di., 14.1., 19.30 (OF) im ciné club mit Einführung durch Guillaume Bérart & Christoph Herzog / Mi., 15.1., 21.30 (DF)

 


 

Kurzfilmprogramm

Die Unverschämten

(Les Mistons)

Regie & Buch: François Truffaut, nach der Novelle von Maurice Pons; Kamera: Jean Malige; mit Bernadette Lafont, Gérard Blain, Michele François, Alain Baldy u.a.
F 1957 OF / 23 Min.

Bereits in seinem eigentlichen Debüt setzte Truffaut erste Akzente: mit der Geschichte eines Liebespaares, das von neugierigen und frustrierten Jugendlichen gestört und ins Verhängnis getrieben wird ... Der Film gefällt durch seinen Blick auf junge Menschen und alltägliche Gesten.

Vorführung zusammen mit Antoine und Colette

 

Antoine und Colette

(Antoine et Colette)

Regie & Buch: François Truffaut; Kamera: Raoul Coutard; mit Jean-Pierre Léaud, Marie-France Pisier, Patrick Auffay, Rosy Varte u.a.
F 1961/62 29 Min.

Die zweite Folge der Doinel-Geschichten entstand als Beitrag zu einem internationalen "Omnibus"-Film. In seiner tragikomischen Momentaufnahme führt Truffaut mit doppelbödiger Ironie und unaufdringlicher Eleganz die Geschichte des - inzwischen 17-jährigen - Antoine Doinel LES QUATRE CENT COUPS fort. Erfolglos wirbt er um eine schöne junge Frau, die sich ihm umso weiter entzieht, je mehr er versucht, sich anzunähern.

So., 12.1., 19.30

 


 

Fahrenheit 451

(Fahrenheit 451)

Regie: François Truffaut; Buch: F. Truffaut & Jean-Louis Richard, nach dem Roman von Ray Bradbury; Kamera: Nicolas Roeg; mit Oskar Werner, Julie Christie, Cyril Cusack, Anton Diffring u.a.
GB 1966 DF / 113 Min.

In einem utopischen Polizeistaat, in dem Bücher verboten sind und Lesen unter Strafe steht, revoltiert "Feuerwehrmann" Montag - dessen Beruf es ist, inkriminierte Lektüre zu verbrennen - gegen das System totaler Kontrolle. Truffauts eigenwilliger Science-Fiction-Film, sein erster Farbfilm und der einzige, den er in englischer Sprache drehte, entwickelt die Geschichte eines Außenseiters, der sich aus Anpassung und Lethargie befreit, um abseits einer repressiven Zivilisation seine persönliche Utopie zu leben, zu einer Hommage an die Literatur und an die abendländische Kultur generell.

Fr., 17.1., 19.30 / Sa., 18.1., 21.30 / So., 19.1., 17.30 / Do., 23.1., 21.30

 


 

Die Braut trug schwarz

(La Mariée était en noir)

Regie: François Truffaut; Buch: F. Truffaut & Jean-Louis Richard, nach einem Roman von William Irish; Kamera: Raoul Coutard; mit Jeanne Moreau, Jean-Claude Brialy, Michel Bouquet, Charles Denner u.a.
F / I 1967 107 Min.

François Truffaut galt als ein Bewunderer Alfred Hitchcocks. Truffauts Interesse galt in diesem Film primär der Kontrastierung von Mann und Frau und der Frage nach Schuld oder Unschuld. Von der musikalischen Seite her betrachtet griff er überdeutlich nach Hitchcock, da er für die Gestaltung der Soundtracks den versierten Filmkomponisten Bernard Herrmann gewinnen konnte, der von 1956 bis 1966 sämtliche Hitchcock-Filme mit seinen genialen Scores unterlegte.

In diesem Psycho-Thriller verkörpert Jeanne Moreau eine Braut, deren Ehemann kurz nach der Trauung auf der Freitreppe vor der Kirche ohne ersichtlichen Grund von Unbekannten erschossen wird. Die so früh zur Witwe gewordene Frau zieht sich keineswegs in ihr Trauergemach zurück, sondern rückt zu einem gnadenlosen Rachefeldzug gegen die Mörder ihres Mannes aus.

Fr., 24.1., 19.30 / Sa., 25.1., 19.30

 


 

Das Geheimnis der falschen Braut

(La Sirène du Mississippi)

Regie: François Truffaut; Buch: F. Truffaut, nach dem Roman Waltz into Darkness von William Irish; Kamera: Denys Clerval; mit Jean-Paul Belmondo, Catherine Deneuve, Michel Bouquet u.a.
F / I 1968/69 124 Min.

Louis Mahé, Plantagenbesitzer auf der Insel Réunion, sucht über Heiratsannoncen eine Frau. Als Julie mit dem Passagierdampfer "Mississippi" eintrifft, hat sie zwar keine Ähnlichkeit mit dem Foto, doch Louis ist von ihrer Schönheit hingerissen. Schnell wird Hochzeit gefeiert, und ebenso schnell ist Julie mit dem Geld ihres neuen Ehemanns über alle Berge. Ein Privatdetektiv findet heraus, dass sie eine Betrügerin ist, in Wirklichkeit Marion heißt, und auf dem Schiff die echte Braut ermordet hat ...

Nach DIE BRAUT TRUG SCHWARZ adaptierte Truffaut hier erneut einen Roman von William Irish und machte daraus eine komplizierte Krimi-Story im Stile seines Vorbildes Alfred Hitchcock, die sich nicht um Wahrscheinlichkeiten kümmert. Catherine Deneuve spielt die geheimnisvolle, blonde Schönheit, die gerade durch ihre Skrupellosigkeit den schwächeren Mann fasziniert.

Di., 28.1., 19.30 / So., 2.2., 19.30

 


 

Der Wolfsjunge

(L’Enfant suavage)

Regie: François Truffaut; Buch: F. Truffaut & Jean Gruault, nach den Aufzeichnungen von Jean Itard; Kamera: Nestor Alemendros; mit Jean-Pierre Cargol, F. Truffaut, Françoise Seigner, Jean Dasté u.a.
F 1969/70 OmU / 83 Min.

Truffauts Drehbuch stützt sich getreu auf den 1806 veröffentlichten Bericht des jungen Dr. Itard, der sich eines - 1797 in den Wäldern von Aveyron gefundenen - wilden Jungen annahm, ihn zu sich nach Hause brachte und zu zivilisieren suchte. Der Film ist Jean-Pierre Léaud gewidmet und reflektiert sehr deutlich Truffauts mitfühlende Sorge um Kindheit und Erziehung ... Warmherzigkeit und ein starkes Gefühl persönlichen Engagements sind die Charakteristiken der sorgfältigen Darstellung Truffauts - in seiner ersten größeren Rolle - als Itard.

Fr., 31.1., 19.30 mit einer Einführung durch Robert Fischer (München) / Sa., 1.2., 21.30

TRUFFAUTS WILDE KINDER: VICTOR, ANTOINE UND DIE ANDEREN

In seiner Einführung zum Wolfsjungen wird Truffaut-Kenner Robert Fischer, den auch eine persönliche Freundschaft mit dem 1984 verstorbenen Regisseur verband, die Verwandtschaft Victors mit anderen Truffaut-Helden herausarbeiten, denn auch Antoine Doinel in Sie küssten und sie schlugen ihn, Montag in Fahrenheit 451 und die Protagonistin in Die Geschichte der Adele H. sind "wilde Kinder", die außerhalb der Gesellschaft stehen: "Nicht sie versagen sich der Gesellschaft, sondern die Gesellschaft versagt sich ihnen" (Truffaut).

In Zusammenarbeit mit Centre Culturel Français Freiburg, Frankreich-Zentrum und dem Romanischen Seminars der Universität Freiburg

 


 

Tisch und Bett

(Domicile conjugal)

Regie: François Truffaut; Buch: F. Truffaut, Claude de Givray & Bernard Revon; Kamera: Nestor Almendros; Musik: Antoine Duhamel; Schnitt: Agnès Guillemot; mit Jean-Pierre Léaud, Claude Jade, Barbara Laage, Hiroko Berghauer u.a.
F 1970 DF und OF / 100 Min.

Der vierte Doinel-Film zeigt die Freuden und Belastungen einer jungen Ehe: Antoine und Christine haben geheiratet, kennen finanzielle Sorgen, bekommen ein Kind, streiten sich - nicht zuletzt über seinen Seitensprung - und versöhnen sich wieder. Aus spielerischen, locker zusammengefügten Szenen setzt sich ein ebenso liebenswürdiger wie unterhaltsamer Liebesfilm zusammen, bravourös gespielt mit charakterisierenden Bild- und Dialogpointen, geprägt von menschlich warmem Humor, souveräner Leichtigkeit und feinem Charme.

Do., 6.2., 19.30 (deutsche Synchronfassung) / So., 9.2., 19.30 (franz. Originalfassung)

 


 

Zwei Mädchen aus Wales und die Liebe zum Kontinent

(Les deux anglaises et le continent)

Regie: François Truffaut; Buch: F. Truffaut & Jean Gruault, nach einem Roman von Henri-Pierre Roché; Kamera: Nestor Almendros; Musik: Georges Delerue; mit Jean-Pierre Léaud, Kika Markham, Stacey Tendeter, Sylvia Marrott, Marie Mansart u.a. F 1971 OmU / 132 Min.

Wie JULES UND JIM liegt auch diesem Film eine Dreiecksgeschichte zugrunde, nur mit umgekehrter Konstellation. Hier sind es zwei Frauen und ein Mann, die für Dynamik sorgen: Nachdem der Student Claude Roc im Paris des Jahres 1899 die Engländerin Anne Brown kennengelernt hat, erhält er eine Einladung nach Großbritannien, wo Anne mit ihrer Mutter und ihrer Schwester zusammenlebt. Diese Schwester, Muriel, leidet an einer Augenkrankheit und wird Claude zunächst gar nicht vorgestellt. Nur Fotografien von ihr werden ihm gezeigt. Als er sie dennoch kennen lernt, beginnt eine wechselvolle Beziehung zwischen den dreien, die nach Jahren damit endet, dass Muriel verheiratet, Anne der Tuberkulose erlegen ist, und Claude einen Roman über die ganze Sache verfasst hat. Ganz so banal verläuft freilich die Geschichte dieses sehr ruhigen und systematischen Films nicht. Truffaut stellt deutlich die quälenden Seiten der Annäherungen zwischen den Protagonisten heraus, wie die Beklemmungen der puritanisch erzogenen Schwestern und die Unentschlossenheit Claudes.

Noch kurz vor seinem Tode ergänzte Truffaut den Film wieder um Szenen, die zunächst aus kommerziellen Erwägungen herausgeschnitten worden waren. Seit 1984 ist so wieder die ursprüngliche Fassung verfügbar.

Di., 25.2., 19.00 im ciné club mit Einführung durch Guillaume Bérart & Christoph Herzog / Fr., 28.2., 21.30

 


 

Die amerikanische Nacht

(La nuit américaine)

Regie: François Truffaut; Buch: F. Truffaut, Jean-Louis Richard & Suzanne Schiffman; Kamera: Pierre-William Glenn; Musik: Georges Delerue; Schnitt: Yann Dédet & Martine Barraqué; mit Jacqueline Bisset, François Truffaut, Jean-Pierre Léaud, Valentina Cortese u.a.
F / I 1972/73 DF / 115 Min.

Trotz großer Turbulenzen gelingt es einem Regisseur und seinem Team, ein gemeinsames Filmprojekt unter Dach und Fach zu bringen. Truffauts wundervolle Hommage an das Kino ist nicht nur eine Bestandsaufnahme seiner bisherigen Arbeit, sondern gleichzeitig einer der besten Filme, der je über das Filmemachen gedreht wurde. Wenn es ein zentrales Werk im Schaffen Truffauts gibt, so sicher LA NUIT AMÉRICAINE.

So., 16.2., 19.30 / Di., 18.2., 21.30 / Sa., 22.2., 22.00 / So., 23.2., 17.30

 


 

Die Geschichte der Adèle H.

(L’histoire d’Adèle H.)

Regie: François Truffaut; Buch: F. Truffaut, Jean Gruault & Suzanne Schiffman, nach dem Buch "Le Journal d’Adèle Hugo" von Frances Vernor Guille; Kamera: Nestor Almendros; Musik: Maurice Jaubert; mit Isabelle Adjani, Bruce Robinson, Sylvia Marriott, Joseph Blatchley u.a.
F 1975 OmU / 96 Min.

Schon 1969 hatte sich Truffaut für die Person der Adèle Hugo interessiert, Tochter des großen französischen Schriftstellers Victor Hugo (1802-1885), zu dessen bekanntesten Büchern "Die Elenden" und "Der Glöckner von Notre Dame" gehören. Er sicherte sich die Unterstützung von Frances V. Guille, Professorin an einer amerikanischen Universität, die eine Adèle-Hugo-Biografie zusammengestellt hatte, sowie die von Jean Hugo, dem Enkel des Schriftstellers.

Der Film beginnt im Jahre 1863, mit der Ankunft Adèles im kanadischen Halifax. Dorthin ist sie, ohne das Wissen der Eltern, Albert Pinson gefolgt, einem jungen englischen Leutnant, der sie verführt, ihr die Heirat versprochen, sich dann jedoch aus dem Staub gemacht hat. Doch sie muss feststellen, dass er nichts mehr von ihr wissen will. Trotzdem verfolgt sie ihn überall und bringt ihn ständig in kompromittierende Situationen, während sie ihren Eltern von einer bevorstehenden Hochzeit schreibt. Obwohl Pinson sich immer abweisender zeigt, wächst ihre fanatische Liebe zu ihm, wovon sie in ihren Tagebüchern, die sie regelmäßig führt, Zeugnis ablegt.

Do., 13.2., 19.30 / Sa., 15.2., 21.30

 


 

Der Mann, der die Frauen liebte

(L‘homme qui aimait les femmes)

Regie: François Truffaut; Buch: F. Truffaut, Michel Fermaud & Suzanne Schiffman; Kamera: Nestor Almendros; Musik: Maurice Jaubert; mit Charles Denner, Brigitte Fossey, Nelly Borgeaud, Leslie Caron u.a.
F 1976/77 OmU / 118 Min.

"Die Beine der Frauen waren die Zirkel, die den Erdball in allen Himmelsrichtungen durchmassen und ihm dadurch sein Gleichgewicht und seine Harmonie gaben." Diese Erkenntnis stammt von Bertrand Morane (Denner), den die Frauen, und noch vielmehr ihre Beine immer wieder aufs Neue faszinierten. Im Winter des Jahres 1976 wird der Mann, der die Frauen mehr liebte als sein Leben, zu Grabe getragen. Die Trauergemeinde besteht nur aus Frauen; allesamt Errungenschaften Moranes, dessen ungewöhnliche Geschichte von Geneviève erzählt wird, einer Verlagslektorin, die sein erstes Buch herausbrachte. Auf der Suche nach dem mysteriösen Weiblichen, eroberte Morane eine Frau nach der anderen. Immer wieder angelockt durch ihre Beine, ihre Stimme, ihre Gesten, sehnte er sich nach der Erfüllung seines Traumbildes der Frau, die ihn immer wieder fesselt und neugierig macht ...

Sa., 1.3., 21.30 / So., 2.3., 19.30

 


 

Liebe auf der Flucht

(L’amour en fuite)

Regie: François Truffaut; Buch: F. Truffaut, Suzanne Schiffman, Marie-France Pisier & Jean Aurel; Kamera: Nestor Almendros; Musik: Georges Delerue; Schnitt: Martine Barraqué; mit Jean-Pierre Léaud, Marie-France Pisier, Claude Jade, Rosy Varte u.a. F 1978/79 OmU / 94 Min.

Die fünfte und letzte von Truffauts Doinel-Geschichten. Das mit Zitaten aus frühen Filmen gespickte Werk zeigt die Suche nach dem "endgültigen Glück" und die gleichzeitige Flucht eines nicht erwachsen werden wollenden Mannes, dem sein Narzissmus und die Stärke der von ihm verehrten Frauen im Wege stehen. - Eine Rekapitulation, die all die früheren melancholischen Themen umfasst und ganz bewusst in einen schwerelos-glücklichen Ausgang münden lässt. ... Antoine Doinel, so scheint es, ist niemand anders als ein zweiter, fiktiver François Truffaut, der in diesem poetisch-literarisch zu nennenden Sinne sein eigenes Leben auf der Leinwand weitergedichtet hat.

Sa., 8.3., 21.30 / Do., 13.3., 19.30 ciné-club mit einer Einführung durch Guillaume Bérart & Christoph Herzog

 


 

Die letzte Metro

(Le dernier métro)

Regie: F. Truffaut; Buch: F. Truffaut, Suzanne Schiffman & Jean-Claude Grumberg; Kamera: Nestor Almendros; Musik: Georges Delerue; Schnitt: Martine Barraqué; mit Catherine Deneuve, Gérard Depardieu, Jean Poiret, Andréa Ferréol u.a. F 1980 OmU / 128 Min.

In der Zeit der deutschen Besetzung wird im Pariser Theater ,Montmartre‘ ein neues Stück geprobt. Während der Leiter des Hauses als Deutscher und Jude sich im Keller versteckt hält, versucht seine Frau das Unternehmen durch die Fährnisse der politischen Lage und menschlichen Komplikationen zu führen. In subtilem Ausgleich von Heiterem und Tragischem lässt Truffaut Spiel und Wirklichkeit ineinander greifen, um das Verhältnis von Politik und Kultur zu reflektieren.

Sa., 15.3., 21.30 / So., 16.3., 19.30

 


 

Die Frau nebenan

(La femme d’à côté)

Regie: François Truffaut; Buch: F. Truffaut, Suzanne Schiffman & Jean Aurel; Kamera: William Lubtchansky; Musik: Georges Delerue; mit Gérard Depardieu, Fanny Ardant, Henri Garcin, Michèle Baumgartner u.a. F 1981 OmU / 106 Min.

DIE FRAU NEBENAN ist die Geschichte einer amour fou, der einige Kritiker einen gewissen Hang zur Oberflächlichkeit vorwarfen. Schicksalsschwanger und unheilverkündend erzählt Véronique Silver als Madame Jouve die Geschichte zweier Liebender, die an ihrer Beziehung zerbrechen. Sie selbst ist verkrüppelt - die Konsequenz eines Selbstmordversuchs, den sie aus Liebeskummer in jungen Jahren unternommen hat; ein Schicksal, das auch das verhängnisvolle Ende der beiden Protagonisten vorwegnimmt.

Der Ingenieur Bernard Coutray (Depardieu) lebt mit seiner Familie in einem kleinen Dorf nahe Grenoble. Als eines Tages in das Nachbarhaus neue Mieter einziehen, muss er zu seinem Entsetzen feststellen, dass es sich dabei um seine ehemalige Geliebte handelt, mit der er vor acht Jahren eine leidenschaftliche Affäre hatte. Als die beiden sich wiedersehen, flammt die nie erloschene Liebe umso heftiger auf und reißt die beiden mit tödlicher Konsequenz in einen Strudel obsessiver Leidenschaft. - Trotz seiner zahlreichen vorherigen Leinwandauftritte verdankte Frankreichs Superstar Gérard Depardieu vor allem diesem Film seine spätere Popularität.

Sa., 22.3., 21.30 / So., 23.3., 19:30

 


 

Auf Liebe und Tod

(Vivement dimanche!)

Regie: F. Truffaut; Buch: F. Truffaut, Suzanne Schiffman & Jean Aurel, nach dem Roman The Long Saturday Night von Charles Williams; Kamera: Nestor Almendros; Musik: Georges Delerue; mit Fanny Ardant, Jean-Louis Trintignant, Philippe Laudenbach, Caroline Sihol u.a. F 1982/83 OmU / 111 Min.

Mit dieser augenzwinkernden Mischung aus Krimi und Liebesgeschichte, dem letzten Film des Regisseurs vor seinem Tode im Jahre 1984, landet Truffaut wieder da, wo er mit SCHIESSEN SIE AUF DEN PIANISTEN! angefangen hatte: bei den Kriminalromanen der Serie Noire. Gedreht in stimmungsvollem Schwarzweiss, befindet sich diese Geschichte einer Amateurdetektivin (Ardant), die ihren Chef aus Liebe vor einem Mordverdacht befreien will, in deutlicher Nähe zum Oeuvre Alfred Hitchcocks (dem Truffaut im Interviewbuch Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht? huldigte). Zugleich ist es die zweite Zusammenarbeit des Regisseurs mit Fanny Ardant, die in den Jahren vor seinem Tod seine Lebensgefährtin war und bereits in DIE FRAU NEBENAN eine Hauptrolle spielte. Kritik und Publikum waren von Charme und Eleganz von AUF LIEBE UND TOD gleichermaßen angetan: Er wurde der erfolgreichste Film Truffauts überhaupt. - Liberation schrieb: "Unterm Strich ist das exzellentes Kino - ein Mordsvergnügen, und das allein zählt."

Sa., 29.3., 21.30 / So., 30.3., 19.30

 


 

Gesamtprogramm unserer François Truffaut-Retrospektive, die noch bis Ende März läuft, im ausliegenden Sonder-Faltblatt.
In Zusammenarbeit mit Centre Culturel Français Freiburg, dem Frankreich-Zentrum und dem Romanischen Seminars der Universität Freiburg

 



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