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Mittwochskino - Glücksucher und Musiker in Lateinamerika

Diesen Monat zeigen wir Filme, die mit musikalischer Leichtigkeit Einblicke in das Leben und die Gesellschaft Lateinamerikas geben. El ACORDÉON DEL DIABLO ist ein bewegendes und sensibles Porträt kolumbianischer Musiker, das neben der inspirierenden Kraft der Phantasie auch die soziale Wirklichkeit jenseits westlicher Klischeevorstellungen wiedergibt. Mit LÁGRIMAS NEGRAS hat die holländische Filmemacherin Sonia Herman Dolz schon einige Zeit vor dem Ausbruch des kubanischen Musikbooms eine behutsame Dokumentation über das Son-Quintett 'La Vieja Trova Santiaguera' gedreht, die auf die Romantisierungen eines BUENA VISTA SOCIAL CLUB verzichtet. In dem originellen Spielfilm LA VIDA ES SILBAR (Das Leben, ein Pfeifen) schließlich wird gepfiffen statt musiziert und man begleitet drei Einwohner Havannas auf ihrer Suche nach dem Glück.

Auf vielfachen Wunsch wiederholen wir diesen Monat außerdem den Spielfilm DOMESTICAS. Ohne Betroffenheitspathos beschreibt er auf ironisch-humorvolle Weise den schwierigen Alltag und die Wünsche und Sehnsüchte brasilianischer Haushälterinnen.

Domésticas · Das Leben, ein Pfeifen · El Acordeón del Diablo · Lagrimas Negras — Schwarze Tränen

 


 

Domésticas

Regie: Fernando Meirelles und Nando Olival; Buch: Renata Melo nach ihrem eigenen Stück; Kamera Lauro Escorel; Schnitt: Deo Teixera; Musik: André Abujamra; mit Claudia Missura, Graziella Moretto, Lena Roque u.a.
Brasilien 2000 OmU / 90 Min.

 

In Brasilien gibt es so etwas wie ein unsichtbares zweites Land, jenes der Domésticas, der Hausangestellten. Sie heißen Cida, Roxanne, Quitéra oder Raimunda und sind tagaus tagein damit beschäftigt, anderen den Haushalt zu besorgen und das Haus sauber zu halten. Alle träumen sie von einer glücklichen Heirat, einem besseren Mann oder einer Karriere als Mannequin. DOMESTICAS ist nun nicht etwa ein dokumentarischer Report über Hausangestellte, es ist vielmehr ein schmissiger Spielfilm voller Witz und Humor, der für einmal ganz einfach Menschen hinter den Kulissen einer lateinamerikanischen Großstadt (in diesem Fall ist es Sao Paulo) zu Hauptfiguren macht.

DOMESTICAS ist auch ein starkes Stück lateinamerikanischer Realität. Die brasilianische Autorin Renata Melo hat sich intensiv mit den Domésticas auseinandergesetzt und schafft es, das Leben hinter den Kulissen auf amüsante und dennoch vielschichtige Art zu beschreiben. Während die "Herrschaften" gar nicht sichtbar werden, sind wir ganz auf der Seite der Hausangestellten. .

Mi., 7.8., 20:00 / Sa., 10.8., 18:00 / So., 11.8., 22:00 / Di., 13.8., 22:00

 


 

Das Leben, ein Pfeifen

(La Vida es Silbar)

Regie: Fernando Pérez; Buch: F. Pérez, Humberto Jiménez, Eduardo Del Llano; Kamera: Raúl Peréz Ureta; Musik: Edesio Alejandro; mit Luis Alberto García, Coralia Veloz; Isabel Santos; Claudia Rojas u.a.
Kuba / Spanien 1999 OmU / 110 Min.

 

Havanna, die Hauptstadt des Absurden und der Sehnsucht. Der Film beginnt in einem Waisenhaus: Weil die kleine Bébé im Unterricht pfeift, anstatt wie alle anderen "Gleichheit" vor sich hinzu-beten, wird sie von der Lehrerin vor die Tür gesetzt. Später sitzt sie als junge Frau auf der Hafenmauer, um uns von drei Menschen zu berichten, die so glücklich werden sollen, wie sie. Drei merkwürdige Protagonisten hat diese fröhliche Erzählerin ausgewählt: eine Altenpflegerin, die bei dem Wort "Sex" in Ohnmacht fällt; eine Balletttänzerin, die Gott Enthaltsamkeit ge-lobt, wenn sie die "Giselle" tanzen darf; und einen jungen Mulatten, der verzweifelt auf ein Zeichen seiner Mutter "Kuba" Valdés wartet, sich dann aber doch in eine amerikanische Ballonfahrerin verliebt.

Der Film folgt den Dreien bei ihrer Suche nach dem Glück, das sich immer gerade zu den unpassendsten Momenten und in der unpassendsten Form ankündigt.

Sinnlich, ein wenig surreal, melancholisch und vor allem komisch, ist der Film eine Liebeserklärung an Kuba und seine Hauptstadt.

Mi., 14.8., 20.00 / Sa., 17.8. 18.00

 


El Acordeón del Diablo

Regie & Buch: Stefan Schwietert; Kamera: Ciro Cappellari; Ton: Dieter Meyer; Produzent: Thomas Kufus
D / CH 2000 OmU / 90 Min.

 

El Acordeón del Diablo ist eine Reise an die kolumbianische Karibikküste, in die Heimat des großen Sängers und Komponisten Pacho Rada. Mit ihm taucht der Film ein in die Musik der Karibik, in das Reich von Cumbia, Vallenato und Son. Es ist eine Welt von Musikern wie Alfredo Gutierrez, der die Stierkampfmusik seiner Heimat in einen fiebrigen, pulsierenden Big-Band-Sound verwandelt. Oder Israel Romero, unbestrittener Star und König des Vallenato-Akkordeons, der sich mit seinem Neffen El Morré einen atemberaubenden Zweikampf unter Akkordeonvirtuosen liefert. Francisco "Pacho" Rada ist heute 93 Jahre alt. Er lebt in einer Wellblechhütte am Stadtrand von Santa Marta, während seine Musik die Hitparaden stürmt. Seine Lebensgeschichte aber ist eine Legende. Sie inspirierte Gabriel Carcía Márquez zusammen mit den Lebensläufen weiterer Akkordeonspieler zur Figur des Troubadours Francisco El Hombre, die sich wie ein roter Faden durch seinen Roman "Hundert Jahre Einsamkeit" zieht. Der Film folgt ihm auf seiner Reise in beide Welten: in ein Land, das von Armut und Gewalt zerrissen wird, und in ein Reich fantastischer Legenden und mitreißender Musik.

Mi., 21.8., 20:00 / So., 25.8., 18:00 / Di., 27.8., 22:00

 


Lagrimas Negras — Schwarze Tränen

Regie: Sonia Herman Dolz; Kamera: Melle Van Essen; Musik: Vieja Trova Santiaguera
Holland 1997 OmU / 75 Min.

 

Im Mai 1997 begleitete Regisseurin Sonia Herman Dolz die alten Männer in Kuba bei den Vorbereitungen auf ihre Europa-Tournee und den ersten Konzerten in England. Sechs Wochen lang filmte sie die Gruppe im Kreise ihrer Familien, sprach mit ihnen über ihre Erinnerungen an das alte Kuba, über die Veränderungen in ihrem Land und über ihr eignes Leben. LAGRIMA NEGRAS — Schwarze Tränen vermischt die menschlich interessanten Geschichten vom späten Erfolg, dem hohen Alter, der verlorenen Liebe und dem Blick für das heutige Kuba; untermalt von traditioneller kubanischer Musik und mit Bildern von Menschen, die es lieben, dieser Musik zuzuhören und dazu zu tanzen. Was in diesem jungen, munteren Film so etwas Altmodisches wie das Gemüt anspricht, ist auf bezaubernde Weise alt. Cirilio Reinaldo Creagh Veranes, Clave-Spieler und Sänger des kubanischen Son-Quintetts, ist 80, die anderen der Vieja Trova Santiaguera, der alten Troubadore von Santiago de Cuba, sind ebenfalls im Seniorenalter; mit den Schlagern ihrer Jugendzeit gehen wir in den Son-Swing der 40er, 50er und 60er Jahre zurück, diesem gefühlvollen Cross von schwarzem rhythm und spanischem danzon. Alt ist auch Fidel Castro, und er wird von den vitalen Musikaktivisten gelobt: "Er ist nun mal der einzige, der Musikern hilft."

LAGRIMAS NEGRAS — SCHWARZE TRÄNEN ist mehr als ein Porträt der alten Troubadore: Der Film selbst hat den Rhythmus, den Swing des Son. Das Wort Dokumentarfilm sollte man fallen lassen. Sprechen wir lieber von einer ebenbürtigen Hommage.

Mi., 28.8., 20:00 / Fr., 30.8., 20:00 / So., 1.9., 22:00

 


 

Das Mittwochskino ist eine Veranstaltung in Kooperation mit der Aktion Dritte Welt e.V. und wird vom Kirchlichen Entwicklungsdienst der Evangelischen Kirche in Deutschland durch den ABP gefördert.

 

 


 

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Zuletzt bearbeitet am 31.03.2002 © aptum1997-2002 Schreib mal wieder webmaster@aptum.de