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Zwitter und Geschlechterpolitik

Das verordnete Geschlecht

Regie: Oliver Tolmein und Bertram Rotermund; Kamera: Jörn Staeger; Musik: Schorsch Kamerun; Kameraassistenz: Marika Kavouras; Schnitt: Bertram Rotermund; mit Michel Reiter und Elisabeth Müller
Deutschland 2001 62 Min.

 

Für Ärzte ist Intersexualität eine Krankheit, die sie behandeln wollen. Die Betroffenen werden durch die Eingriffe aber nicht geheilt, sondern von frühester Kindheit an traumatisiert. Denn Zwitter sind nicht und fühlen sich nicht krank - sie fordern Anerkennung. Eines von 2000 Kindern wird ohne eindeutige Geschlechtsmerkmale geboren. In den westlichen Industriegesellschaften ist die Existenz von Zwittern aber ein Tabu: Dass es nur zwei Geschlechter gibt, Männer und Frauen, ist eine der grundlegenden gesellschaftlichen Normen, die nicht in Frage gestellt wird. Im Gegenteil: Auch heute werden schwerwiegende und irreversible chirurgische Eingriffe an den Genitalien von Kleinkindern vorgenommen, um sie einem der beiden Geschlechter anzupassen.

In DAS VERORDNETE GESCHLECHT geht es um die Geschichte von Zwittern - aber auch um die weiterreichende gesellschaftliche Bedeutung, die es hat, dass die Gesellschaft nur die Existenz von zwei Geschlechtern anerkennen will. Michel Reiter, der zum Mädchen gemacht wurde, und Elisabeth Müller, die genetisch, aber nicht hormonell, ein Mann ist, erzählen, welchen Preis sie dafür zahlen mussten, dass die Vorstellung der Gesellschaft von Normalität erhalten bleiben. Der Film kontrastiert diese beiden Geschichten mit den Erzählungen von Juristen, Eltern und Ärzten, die meinen, dass es für intersexuelle Kinder das Beste sei, frühzeitig operiert zu werden, weil sie sonst als Außenseiter aufwachsen würden. DAS VERORDNETE GESCHLECHT ist ein Dokumentarfilm über Geschlechter- und Körperpolitik. Er zeigt, wie gewalttätig sich der Zwang, normal zu sein, und die Logik des "Ist es nicht das Eine, muss es das Andere sein" auswirken kann. Der Film plädiert dafür, dass in der Gesellschaft nicht Normalität und das Denken in einfachen Alternativen die Leitlinie ist, sondern Unterschiedlichkeit anerkannt und Gleichbehandlung sicher gestellt wird.

Bertram Rotermund ist Mitbegründer der Medienwerkstatt Freiburg, lebt und arbeitet heute in Hamburg und ist dort am Aufbau des Abbildungszentrums beteiligt, an dem er diesen Film zusammen mit Oliver Tolmein produziert hat. Freiburger Erstaufführung.

Do., 16.5., 20:00 in Anwesenheit von Bertram Rotermund / Sa., 18.5., 18:00 / Mi., 22.5., 22:00




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Zuletzt bearbeitet am 26.04.2002 © aptum1997-2002 Schreib mal wieder webmaster@aptum.de