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Mai 2002

Ein Abend mit Al Razutis
Lettristisches Spiel über Kanada der frühen 70er

 


 

Ein Abend mit Al Razutis

(Kanada / USA) - Alchemist des Kinos

Mit Al Razutis haben wir einen der großen alten Herren des nordamerikanischen Underground- und Avantgardefilms zu Gast, einen Pionier der Holographie und international bekannten Computer- und Videokünstler. Nach einigen Jahren der Planung wird dieses Jahr auf dem renommierten EUROPEAN MEDIA ART FESTIVAL OSNABRÜCK eine Werkschau mit Arbeiten von Razutis zu erleben sein - seine anschließende Deutschland-Tour beschränkt sich auf die Kommunalen Kinos von Karlsruhe und Freiburg.

Neben zahlreichen Performances, Gemälden, Hologrammen und Intermedia-Produktionen hat er an die vierzig Filme und Videos vollendet. Obwohl er sich seit Jahren für eine sichere und institutionelle Basis für alle Aspekte des "Fringe" Films einsetzt, ist er eher für seine anti-institutionelle Haltung bekannt. 1986, bei der Eröffnung eines neuen, von Künstlern betriebenen Kinos, gab Razutis eine seiner unvergesslichen Performances. Vor einem schockierten Publikum zog er eine Sprühdose und schmierte auf eine brandneue Leinwand "Die Avant-Garde spuckt ins Gesicht institutioneller Kunst". Die Leinwand war für immer ruiniert.

Durch seine Filme ist er seit langem als Meister der Collage bekannt. Er klaubte Plunder vom Sunset Boulevard und ordnete geduldig Momente der Filmgeschichte um, um ihnen eine neue Aussagekraft zu geben. Diese sind in zwei seiner besten Arbeiten zusammengetragen: VISUAL ESSAYS (ein Augenschmaus und eine Hommage an den Stummfilm) und AMERICA , eine drei Stunden lange, achtzehnteilige Oper, serviert Sex und Tod in einer schäumenden Medienlandschaft. Die Fähigkeit sich zu erinnern hat noch nie so gefährlich ausgesehen.

Was genau Al Razutis bei uns vorstellen wird, wird sich erst am Abend selbst herausstellen, fest gebucht sind zumindest seine VISUAL ESSAYS, darüber hinaus ist eine Video- und Internetperformance geplant.

Sa., 4.5., ab 20.00 VISUAL ESSAYS, weiterer Ablauf und Ende unbekannt

Al Razutis Hompepage: Visual Alchemy

 


 

Lettristisches Spiel über Kanada der frühen 70er

La raison avant la passion

(Die Vernunft vor der Leidenschaft)

Regie: Joyce Wieland
Kanada 1971 80 Min.

Joyce Wieland (1931-1998) hängte ihre Kamera an die Lippen eines politischen Aktivisten, filmte eine Demonstration aus der Fußperspektive, setzte in ihrem Underground-Hit RAT LIFE AND DIET IN NORTH AMERICA (1968) eine Gruppe Hamster so lange verschiedenen Stresssituationen aus und filmte sie, bis deren einziger Ausweg Revolution und Flucht waren.

Die Kurzfilmtage Oberhausen zeigen dieses Jahr eine umfangreiche Werkschau von Arbeiten dieser ebenso innovativen wie vielseitigen Filmemacherin und Künstlerin.

Wir können einen ihrer abendfüllenden Filme in neuer Kopie vorstellen: LA RAISON AVANT LA PASSION. Auf der einen Ebene ist dieser Film die Frucht einer sehr persönlichen Auseinandersetzung mit den Realitäten Kanadas: seinen Landschaften, seinen Symbolen, seinen Politikern, seinen Stereotypen. Auf einer anderen Ebene betreibt der Film ein lettristisches Buchstabenspiel, das wie ein ironischer Kommentar zu den Bildern wirkt: am unteren Bildrand einkopiert erscheint der Satz "Reason over passion": In regelmäßigen Zeitabständen wird ein Buchstabe eines Wortes mit einem anderen vertauscht, so daß schließlich nur noch sinnlose Buchstabenkombinationen dastehen. Manchmal nähert sich die Kombination dem ursprünglichen Text wieder an, um sich jedoch von dem Ausgangspunkt wieder zu entfernen.

Di., 21.5., 20.00

 


 

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