Kommunales Kino im alten Wiehrebahnhof
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Die Suche nach den Eltern

Die Reihe widmet sich Filmen, die sich mit dokumentarischer Distanz auf die Suche nach den Eltern begeben. In zwei der hier vorgestellten Freiburger Erstaufführungen ist es die eigene Familiengeschichte der RegisseurInnen, die filmisch eingeholt wird. Mit unterschiedlichen ästhetischen Mitteln werden Momente aus den Lebensläufen der Eltern beleuchtet, Erinnerungsbilder angeordnet, wird das eigene Ich in die Familiengeschichte eingebracht.

In DANACH HÄTTE ES SCHÖN SEIN MÜSSEN streift Karin Jurschick mit ihrer Kamera durch die Wohnung, geradezu besessen, ganz so, als wollte sie auf Wände und Schränke einprügeln: Erzählt von der Mutter! Aber die Gegenstände bleiben stumm, ebenso der Vater: "Weißt du" sagt er zu seiner Tochter, "da weiß ich gar nicht so viel über deine Mutter." NICOLE ET JEAN dagegen zieht Zeugen, Briefe, Fotos, Landschaftsaufnahmen heran in der Hoffnung, ihren Eltern näher zu kommen und Antworten auf die Frage nach deren frühen Tod zu finden. Die Regisseurin Juliette Cazanave wird ihren poetisch-persönlichen, preisgekrönten Film selbst bei uns vorstellen.

Ganz anders, mit dem Blick von außen rekonstruiert BABYBOY, die Geschichte von Nikolai und Klaus Kinski, den Lebensweg des 25jährigen Schauspielers Nikolai (Nanhoi) Kinski. Angesichts der obsessiven Liebe Klaus Kinskis zu seinem Sohn entlässt der Film den Zuschauer mit vielen Fragen an den Vater ....

Die Reihe wird im Mai mit Irene Disches dokumentarischem Kunstwerk ZACHARIAS und der aussergewöhnlichen filmischen Biografie NOBODY'S BUSINESS von Alan Berliner fortgesetzt.

 


 

Danach hätte es schön sein müssen

Regie & Buch: Karin Jurschick; Kamera: Karin Jurschick, Andreas Fiegel; Ton: Karin Jurschick, Alexander Weuffen; Schnitt: Bettina Böhler
Deutschland 2001 72 Min.

 

1974 fährt meine Mutter nach Bremen. Sie nimmt ein Hotelzimmer und bringt sich darin um. Sie ist 42 Jahre alt geworden. Zuhause wird über den Selbstmord nicht gesprochen. 1997 treffe ich nach Jahren ohne Kontakt meinen Vater wieder. Er wohnt immer noch in der Wohnung, in die er vor 41 Jahren mit der Frau und dem Kind eingezogen ist. Im Schlafzimmer bedeckt dieselbe blaue Decke die Betthälfte meiner Mutter. Der Vater ist inzwischen 91 Jahre alt. Danach und über die folgenden 2 Jahre hinweg mache ich mit einer DV-Kamera Aufnahmen. Ich filme obsessiv die Wohnung. Dass man den Räumen nichts ansehen kann, entspricht dem früher Erlebten. Der Schrecken materialisiert sich nicht. Ich beobachte den Vater, folge ihm, sogar auf eine Schiffsreise durch die Karibik. Die Kamera ermöglicht Distanz, aber auch Nähe. Durch die Kamera können mein Vater und ich miteinander sprechen.
(Karin Jurschick)

Fr., 12.4., 20:00 / Sa., 13.4., 18:00 / Di., 16.4., 22:00

 


 

Nicole et Jean

Regie & Buch: Juliette Cazanave; Kamera: Isabelle Razavet, Jean-Marc Bouzou; Schnitt: Agnès Bruckert; Musik: Astor Piazolla
Deutschland 2001 OmU / 70 Min.

 

Eine Reise, einen Sommer lang, von Berlin nach Paris, von Paris nach Berlin. Nicole und Jean haben sich kennengelernt, sich verliebt, sich geliebt, sich verbraucht. Ihre Geschichte ist die zweier Menschen, die ihr Leben damit verbracht haben, ihren Platz zu suchen, den sie gemeinsam vielleicht nicht finden konnten. Beide sind in jungen Jahren an Krebs gestorben.

"Nicole und Jean sind meine Eltern. Dies ist auch die Geschichte einer Tochter, die sich auf eine Reise begibt, um ihren Eltern all die Fragen zu stellen, um die ihr Tod sie betrogen hat. (...) Ich möchte über Geheimnisse und Legenden reden, über Spuren und dunkle Stellen, über das Schweigen, die Scham, über die Wahrheiten aller und die jedes einzelnen, über die Erinnerung, das Bedürfnis, zu erfahren und die Notwendigkeit, zu vergessen."
(Juliette Cazanave)

Do., 18.4., 20:00 ciné club mit Einführung durch Guillaume Bérart & Christoph Herzog. Zu Gast die Regisseurin Juliette Cazanave
Fr., 19.4., 20:00 / Sa., 20.4., 18:00 / Di., 23.4., 22:00

 


 

Babyboy

Regie: Michael Dreher, Peter Geyer; Buch: Peter Geyer; Kamera: Yann Blumers; Schnitt: Peter Geyer, Michael Dreher; Musik: Amory Grol; Ton: John Pistauer
Deutschland 2001 OmU / 82 Min.

 

Im Mittelpunkt des Films steht die außergewöhnliche Vater-Sohn-Beziehung von Nikolai und Klaus Kinski. Anhand von Interviews wird Nikolais Leben erzählt: Wir erfahren von seiner Geburt, die bereits von seinem Vater fotografiert wurde, von seinem Schock, als er als Dreijähriger seinen Vater in NOSFERATU das erste Mal auf der Leinwand sterben sah, von der frühen Trennung der Eltern, den Auseinandersetzungen des Stiefvaters mit Klaus Kinski, den gemeinsamen Dreharbeiten von Vater und Sohn Kinski in dem Film PAGANINI und von Klaus Kinskis Todestag.

"Der Tod spielt eine zentrale Rolle in Babyboy, angefangen bei NOSFERATU, der nur sterben darf, wenn er aufrichtig geliebt wird, über den Tod des Vaters in PAGANINI und drei Jahre später auch im wirklichen Leben, bis hin zu Klaus Kinskis Prophezeiung an seinen Sohn: 'Die Leute werden sagen, dass ich tot bin. Glaub’ ihnen nicht. Sie lügen! Ich kann niemals sterben.'"

Mi., 24.4., 22:15 / Fr., 26.4., 20:00 / Sa., 27.4., 18:00

 


 

Zacharias

Regie & Buch: Irene Dische; Kamera: Horst Zeidler; Musik: Nan Marks
BRD 1986 90 Min

 

Der Film ZACHARIAS ist ein dokumentarisches Kunstwerk, der Rückblick aus dem Augenblick heraus, die Begegnung mit einem Menschen aus ferner Zeit und von hier und jetzt. Irene Dische, die das Textbuch geschrieben und die Regie geführt hat, konfrontiert das immer glattere Reportage-Medium mit ihrem individuellen Selbstbewusstsein. Der alte Mann, auf den sie sich im Bericht ausschließlich einlässt, ist ihr Vater, Zacharias Dische, ein Naturwissenschaftler und Philosoph, geboren in Lemberg, aufgewachsen in Wien, Flüchtling in Frankreich und Emigrant in New York, wo er inzwischen sein neunzigstes Lebensjahr erreicht und überschritten hat und mit wachsender Entfernung zur eigenen Hiesigkeit auf weitere Lebensjahrzehnte spekuliert.

Irene Dische hat Motive des Films, der durch seine Montage und durch die von Jutta Lampe gesprochenen Kommentartexte besticht, später in Erzählungen weitergesponnen, die Anfang der 90er Jahre unter dem Buchtitel "Fromme Lügen" in Deutschland zu Recht berühmt wurden.

Fr., 3.5., 20:00 / So., 5.5., 22:00 / Di., 7.5., 22:00

 


 

Nobody's Business

Regie: Alan Berliner; Kamera: A. Berliner, Phil Abraham & David W. Leitner
USA 1996 OmU / 60 Min.

 

Regisseur Alan Berliner nimmt es in NOBODY'S BUSINESS mit seinem zurückhaltenden Vater auf und macht ihn zum widerstrebenden Mittelpunkt einer ergreifenden und subtilen Untersuchung über Familiengeschichte und Erinnerung. Es entsteht eine außergewöhnliche filmische Biographie, in deren Wirbel von Konflikten und Affekten zwischen Vater und Sohn Humor als auch Pathos Platz haben.

Mit Vehemenz sträubt sich der Vater, über die Ursprünge der Familie, die aus einem kleinen Städtchen nordöstlich von Warschau stammt, nachzudenken: "Das geht niemanden etwas an!" Er sei Amerikaner und sonst nichts. Der Sohn aber lässt nicht locker und stößt dabei auf das Tabu des Holocausts. Alan Berliner macht aus dieser privaten und persönlichen Darstellung eine Geschichte mit universeller Resonanz.

Fr., 17.5., 20:00 / So., 19.5., 20:00 / Mo., 20.5., 22:00



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Zuletzt bearbeitet am 24.02.2002 © aptum1997-2002 Schreib mal wieder webmaster@aptum.de