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Film des Monats
März 2002

Die Sammler und die Sammlerin

(Les glaneurs et la glaneuse)

Regie & Buch: Agnès Varda; Kamera: Stéphane Krausz, Didier Rouget, Didier Doussin, Pascal Sautelet, A. Varda; Schnitt: A. Varda, Laurent Pineau; Ton: Emmanuel Soland u.a. Musik: Joanna Bruzdowicz, Pierre Barbaud, Ocean, François Wertheimer; mit Bodan Litnanski, A. Varda, F. Wertheimer
Frankreich 2000 OmU / 82 Min.

 

Dies ist ein kleiner Film: keine Stars, kein großer Titel, ein winziges Budget, keine nennenswerte Werbekampagne. Agnès Vardas neuester Film LES GLANEURS ET LA GLANEUSE zeigt die noch heute lebendige Tradition, in welcher Menschen, manchmal freiwillig, manchmal aus Not, nach der Ernte oder den Wochenmärkten Kartoffeln, Äpfel und andere zurückgelassene Dinge auflesen, nur dass heutzutage die Sammler auf ihren Wegen genauso gut Kühlschränke und anderen Schrott vorfinden können. Die Leute, die Varda filmt, leben oft am Rande der Gesellschaft, und die Tatsache, dass sie deren Vertrauen und Kooperationsbereitschaft gewonnen hat, wirft ein Licht auf die persönliche Integrität der kunstfertigen Filmemacherin. "Filmemachen ist auch eine Art des Sammelns", sagt sie. Vardas "Wanderstraßen-Dokumentarfilm" wurde zunächst wenig beachtet. Doch als der Film von Canal + ausgestrahlt wurde und dann am nächsten Tag ins Kino kam, löste er ein für einen Dokumentarfilm überraschendes Echo aus: eine enthusiastische Presse, Warteschlangen vor den Kinos, 43.000 Zuschauer in nur neun Wochen... Die Zuschauer applaudierten wie im Theater.

Godard hat einmal behauptet, er habe seinen Film auf dem Schrottplatz gefunden - Varda nimmt ihn beim Wort. Mit ihrer kleinen Kamera zieht sie los und liest ihren Film sozusagen von der Straße auf. Das ist keine Sozialreportage, sondern eine Reflexion über eine Gesellschaft, die von dem lebt, was durch den Rost fällt. Man kommt aus dem Staunen nicht mehr raus, was für Geschichten sich auf der Unterseite des Kartoffelklauber-Bildes finden - man muss sich nur bücken. Ein Film voller Lebendigkeit, voller Zugewandtheit zum Leben.

Do., 14.3., 20:00 / Fr., 15.3., 22:00 / Sa., 16.3., 20:00 / So., 17.03., 18:00 / ciné club mit Einführung durch Guillaume Bérart & Christoph Herzog: Di., 19.3., 19:30 / Mi., 20.3., 22:00



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