Kommunales Kino im alten Wiehrebahnhof
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Werkschau Klaus Wildenhahn im Kommunalen Kino
November 2001 · Dezember 2001 · Januar 2002: Kinoauge Arbeit · Februar 2002: Kinoauge Geschichte · März 2002

 


 

Klaus Wildenhahn - Dokumentarist / Kinoauge: Arbeit

"Ruhe stellt sich her in der Beobachtung. Leichtigkeit ist zu spüren, die federleichte Berührung in der formalen Bewältigung. (...) Das sieht aus wie eine Spielfilmszene, oder das, was wir im positiven cineastischen Sinne darunter verstehen, die vollkommene Beherrschung der Szene und des Apparats. Nur, im Dokumentarischen wird die Szene nicht beherrscht, sondern intensiv zurückversetzt in ihr Eigenleben. Da fällt Spiel und Dokumentarisches zusammen. (...) Im Dokumentarfilm schaffen Filmemacher und Protagonisten das ‘Spiel‘ zusammen. Wann geht das? Wenn die Menschen, die wir filmen, in ihrem Bereich souverän sind und uns — unausgesprochen — mitnehmen, mitschwingen lassen." (Klaus Wildenhahn 1973 beim Anschauen der Muster von DIE LIEBE ZUM LAND)

KINOAUGE: ARBEIT heißt der dritte Aspekt, unter dem wir uns dem Werk des Dokumentaristen nähern. Reale Arbeitswelten und ästhetische Arbeit. Auch sein eigenes "Handwerk" versteht Wildenhahn wahlverwandt der nichtkünstlerischen und der künstlerischen Arbeit.

 

In der Fremde · Was tun Pina Bausch und ihre Tänzer in Wuppertal? · Die Liebe zum Land · Smith, James O. - Organist, USA · Der Nachwelt eine Botschaft

 


 

 

IN DER FREMDE

Regie: Klaus Wildenhahn; Idee: Egon Monk, Klaus Wildenhahn; Kamera: Rudolf Körösi; Ton: Herbert Selk
BRD 1967 81 Min.

 

IN DER FREMDE zeigt den Bau eines Futtersilos im flachen Oldenburgischen Land. Man sieht dieses Land nicht, die Kamera konzentriert sich ‘klassisch’ auf einen Ort, eine Zeit, grenzt bewußt das Umland aus. ‘Flaches Land’ ist dieser Drehort auch abwertend: "Fremde". Die am Bau mitarbeiten, hier nicht wohnen, haben nur ein Ziel: möglichst viel Geld zu verdienen, die eigene Arbeitskraft optimal auszubeuten.

Gezeigt wird die Arbeit am Futtersilo, vor allem aber die Umgangs- und Herrschaftsformen in dieser Arbeitssituation, auch die Brüche und Widersprüche der Herrschaft; der autoritäre Geist, seine Nähe zur Infantilität, die ritualisierten Hoffnungen, die Vorurteile gegen die Fremden, die Frauen, der Spaß am Obszönen; die vielen Anekdoten, Angebereien, traurigen Erfahrungen.

Dieser Film Wildenhahns, sicher einer seiner besten und ein seltener Höhepunkt des deutschen Dokumentarfilms nach 1945, ist aussagekräftiger als hundert Industriefilme, ist eine intensive soziologische Studie, ein Dokument über eine Lebens- und Denkweise, die über andere Quellen kaum rekonstruierbar ist.

Fr., 11.1., 20.00 / So., 13.1., 18.00

 


 

 

WAS TUN PINA BAUSCH UND IHRE TÄNZER IN WUPPERTAL?

Buch: Klaus Wildenhahn; Kamera: Wolfgang Jost; Schnitt: Petra Arciszewski; Ton: Klaus Wildenhahn
BRD 1983 115 Min.

Pina Bausch
 

Eine schwermütige Stadt, wenn es regnet. Eine Industriestadt im Bergischen Land. Hier machen Pina Bausch und ihr Ensemble von meist ausländischen Tänzern Avantgardetanz. Tanz auf dem ganzen Fuß und nicht auf der Spitze. Pina Bausch steht als Choreografin in einer deutschen Tradition, dem Expressionismus. Im April und Mai 1982 fand die Entwicklung des Stückes ‘Walzer’ statt. Klaus Wildenhahn und Wolfgang Jost filmten während der Proben; den langen Prozeß der Erarbeitung einer Choreografie aus scheinbar unzusammenhängenden Elementen, das mühsame Sich-aneignen des Bewegungsablaufs einer Figur, seine Verfestigung bis zum spielerischen Ausdruck, bis zur permanenten Verfügbarkeit.

Doch Wildenhahn und Jost wollten nicht nur Tanztheater dokumentieren. Sie hatten immer auch ein Auge auf die Umgebung draußen. Beides, Arbeit und Tanz und die Menschen von Wuppertal, haben zunächst nichts miteinander zu tun. Zunächst.

Fr., 18.1., 20.00 / Sa., 19.1., 18.00 / Di., 22.1. 22.00

 


 

 

DIE LIEBE ZUM LAND

1. Teil: Familienbetrieb mit 64 Stück Milchvieh, Kreis Flensburg 1973

2. Teil: Drei Treckerfahrer, ein Melker und ihre Frauen, Kreis Herzogtum Lauenburg 1973

Regie, Idee: Klaus Wildenhahn; Exposé: Klaus Wildenhahn, Gisela Tuchtenhagen; Kamera: Thomas Hartwig; Ton: Klaus Wildenhahn; Schnitt: Gisela Tuchtenhagen. BRD 1973 Teil 1) 77 Min.; Teil 2) 73 Min.

 

Teil 1) Beobachtungen auf dem Hof des Bauern Petersen in Stenderup bei Gelting. Man sieht: Bauern sind eigentumsbezogene Arbeiter. Sie müssen ihre Betriebe konkurrenzfähig halten, indem sie sich, ihre Frauen, Kinder, Eltern ausbeuten.

Teil 2) Beobachtungen auf einem Hof in Klempau bei Ratzeburg. Man sieht: die Lebensumstände von Landarbeitern, die auf der untersten sozialen Stufe stehen, die das wissen und die trotzdem nicht in die Stadt und zur Industrie abwandern.

Die Filme sind, wird betont, keine Features, kein ‘Zeitungsjournalismus im Film’. Wildenhahn, mit seiner Drehbuch-Mitautorin und Cutterin Gisela Tuchtenhagen und dem Kameramann Thomas Hartwig, wollten das heutige Leben auf dem Land zeigen, ‘wie es wirklich ist’ — was immer man darunter verstehen mag. Beabsichtigt sind jedenfalls: ohne Romantik, ohne propagandistische Parteilichkeit, ohne Nachgiebigkeit gegenüber irgendeiner ideellen Konstruktion und Voreingenommenheit, ohne subjektive Ingredienzien der Kommentare und Ideologien. Und bei weitem kein l’art pour l’art und kein Formalismus. "Der dokumentarische Inhalt", sagt Wildenhahn (mit einem sympathischen Hauch von Leichtsinn), "sucht und bestimmt seine Form".

Teil 1: Do., 24.1., 18.30 / Sa., 26.1., 18.00

Teil 2: Do., 24.1., 20.00 / So., 27.1., 18.00

 


 

 

Smith, James O. - Organist, USA

Die Europa-Tournee des Jazz-Organisten Jimmy Smith

Regie: Klaus Wildenhahn; Kamera: Rudolf Körösi; Schnitt: Ria Uplegger
BRD 1965 57 Min.

 

Beobachtungen, wie Musik gemacht wird. Von James O. Smith/ Orgel, Quentin Warren/ Gitarre, Billy Hart/ Schlagzeug. Und Bilder von einer Reise. Das Jimmy Smith-Trio auf Tournee durch Europa: 15 Stationen vom 10. November bis 6. Dezember 1965. Der Film zeigt die Stationen Frankfurt/ Main, Kopenhagen, Malmö, Stockholm, Helsinki, London. Im Vorprogramm spielt das Dizzy-Gillespie-Quintett.

Zu sehen ist, wie die Musik in die Bilder eingeht.

Wildenhahn hat für seine Arbeit als Dokumentarist vom Jazz gelernt: "Wir nahmen das im Jazz vorhandene Prinzip von einer gewissen Struktur und der darin eingebetteten lebendigen Improvisation an."

 


 

 

Der Nachwelt eine Botschaft

Regie: Klaus Wildenhahn; Kamera: Gisela Tuchtenhagen; Schnitt: Petra Arciszewski
BRD 1979 55 Min.

 

Der Film ist der Versuch einer filmischen Annäherung an den Mülheimer Arbeiterdichter Günter Westerhoff. Seinen Erinnerungen, seinen Arbeiten, seinem Leben ist dieser Film gewidmet.

Günter Westerhoff ist gelernter Zechenschlosser, drei Kriegsverwundungen und fünf Arbeitsunfälle. Er ist der Fremdenführer durch seine Region, das Ruhrgebiet, und seine Zeit, die noch unmittelbare und lebendige Vergangenheit.

Erinnerungen an die Vorkriegszeit, Kriegszeit, Nachkriegszeit. Erinnerungen an Kindheitsspiele, an schwere Arbeit, an Zechenschließungen, an den Tod durch Staublunge und an Feierabendmusik. Die Erinnerungen sammeln sich um Gedichte und um eine Kurzgeschichte.

Ein deutsches Leben: Musik und Dichtung, Arbeit und Kriegserfahrung.

Fr., 1.2., 20.00 in Anwesenheit von Klaus Wildenhahn / Sa., 2.2., 18.00

 

 


 

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Zuletzt bearbeitet am 30.01.2002 © aptum1997-2001 Schreib mal wieder webmaster@aptum.de