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Der Pakt mit dem Teufel

Seit der Erfindung des Films gehört das Faust-Motiv zu den herausfordernden Themen. Bereits 1896 drehte Louis Lumière den ersten Faust-Film; 1897 folgte Georges Meliès, der später noch mehrere andere Faust-Filme inszenierte; 1900 entstand der erste amerikanische Faust. Murnaus FAUST (1926) begründet sich auf drei Quellen: auf Goethe, Christopher Marlowe und die alte Volkssage. Unter den zahlreichen späteren Filmen sind besonders bekannt geworden LA BEAUTÈ DU DIABLE (René Clair, Frankreich 1949) und FAUST (BRD 1960), die von Peter Gorski besorgte Film-Version einer Inszenierung von Gustav Gründgens.

Zeitgleich mit der Premiere von DIE TRAGISCHE GESCHICHTE VON DOKTOR FAUSTUS am Freiburger Theater (18. Januar, Großes Haus) starten wir eine längere Reihe von Filmen, die sich, zum Teil auch sehr frei, mit dem Faust-Mythos und dem Teufelspakt beschäftigen.

 

Faust (Friedrich Wilhelm Murnau) · Die Nacht mit dem Teufel · Im Auftrag des Teufels · Mephisto · Faust (Gorski / Gründgens) · Faust (Dieter Dorn, 1988) · Liebe, Tod und Teufel · Der Pakt mit dem Teufel · Simon in der Wüste

 


 

FAUST

Eine deutsche Volkssage

Regie: Friedrich Wilhelm Murnau; Buch: Hans Kyser nach Motiven von Johann Wolfgang Goethe, Christopher Marlowe und der alten Faust-Sage; Kamera: Carl Hoffmann; mit Gösta Ekman, Emil Jannings u.a.
BRD 1926 DF / 115 Min.

Faust - Szenenfoto

 

Faust - SzenenfotoMit dem Vorspiel beginnt die Verzauberung: Murnau läßt einen gleißenden Erzengel sein funken sprühendes Flammenschwert erheben und einen Dämon im schwarzen Federkleide mit riesigen Fledermaus-Schwingen den Himmel verdunkeln: Der gute und der böse Geist ringen um Faustens Seele. Das ist beste Märchen- und Sagentradition und sinnliches Filmbild. Düstere Kapuzenmänner tragen Pesttote durch die Gassen. Zerquält fühlt Faust seine Machtlosigkeit: "Es hilft kein Glaube, es hilft kein Wissen, alles ist Lüge ... Nur einen Tag heraus aus dieser Ohnmacht!" Für diesen Tag verschreibt er sich dem Teufel. Mit Blut besiegeln sie den Pakt: der bärtige Philantrop und der Teufel.

Eine wesentliche Rolle spielen in diesem Film die Bauten. Robert Herlth und Walter Röhrig entwarfen u.a. eine mittelalterliche Stadt mit spitzen Giebeln, dunklen Winkeln und treppenartigen Straßen. Gleich am Anfang liegt sie wie hingeduckt unter dem Ansturm der apokalyptischen Reiter. In dieser engen Welt beginnt und endet das große Drama, der Kampf des Erzengels mit Mephisto, den der Mensch durch seine freie Entscheidung nach vielen Irrwegen für das Licht und die Liebe entscheidet.

Sa., 26.01., 22.00 / So., 27.1., 20.00

Am Klavier: Günter A. Buchwald

 


 

 

DIE NACHT MIT DEM TEUFEL

(Les visiteurs du soir)

Regie: Marcel Carné; Buch: Jacques Prévert & Pierre Laroche; Kamera: Roger Hubert; mit Alain Cuny, Arletty, Marie Déa, Marcel Herrand, Jules Berry, Fernand Ledoux u.a.
Frankreich 1942 OmU / 119 Min.

Die Nacht mit dem Teufel - Szenenfoto

 

Der Film spielt im Mittelalter. Baron Hugues veranstaltet anläßlich der Verlobung seiner Tochter ein Fest. Unter den Gauklern, die herbeiströmen, befinden sich auch Gilles und Dominique, die in Wirklichkeit Abgesandte des Teufels sind und das Böse in die Welt tragen sollen. Während Vater und Verlobter alsbald Dominique verfallen und ihretwegen gar einen Zweikampf austragen, bei dem Hugues getötet wird, wächst zwischen Anne und Gilles eine echte Liebe.

Eindrucksvoll ist der Anfang des Films, der die Sendboten des Teufels unendlich klein in einer verkarsteten, weißen Landschaft zeigt. Auch das Schloß ist ganz weiß, und die ‘Grausamkeit‘ dieser Farbe wird hier deutlich. Über allem liegt ein Hauch von Melancholie und Resignation — besonders gelungen in dem seltsam traurigen Fest.

Di., 22.1., 19.30 ciné club mit Einführung durch G. Bérart & C. Herzog
Fr., 25.1., 22.00

 


 

 

IM AUFTRAG DES TEUFELS

(The Devil’s Advocate)

Regie: Taylor Hackford; Buch Jonathan Lemkin, Tony Gilroy (nach dem Roman von Andrew Neiderman); mit Keanu Reeves, Al Pacino, Charlize Theron, Jeffrey Jones u.a.
USA 1998 DF / 144 Min.

 

Rechtsanwälte, so könnte man glauben, sind die in Holywood meistverachtete Berufsgruppe. Nicht zu zählen sind die neueren Filme, in denen das Hinterhältige und Böse in Gestalt von Juristen präsentiert wird.

Mit IM AUFTRAG DES TEUFELS wird dieses Spiel auf die Spitze getrieben. Bösartiger als John Milton (Al Pacino) kann kein Anwalt sein, denn Milton ist - dies ist ein offenes Geheimnis des Films - der leibhaftige Teufel. Er leitet die mächtigste Anwaltskanzlei der Welt, seine Heerscharen von Advokaten vertreten vornehmlich diktatorisch geführte, südamerikanische Länder. Wie das Paradies erscheint diese Welt zunächst dem jungen, aufstrebenden Anwalt Kevin Lomax (Keanu Reeves). Er hat noch nie einen Fall verloren, aber er lebt auch in einem verschlafenen Nest in Florida. Er ist genau das, wonach John Milton ständig sucht. So kommt es, daß Lomax ganz unerwartet ein Angebot aus New York erhält - ein Angebot, das er nicht ablehnen kann. Ein Traum wird wahr - ein Alptraum beginnt ....

Dieses New York, in dem Milton der Statthalter ist, erscheint wie eine Mischung aus paradiesischer Schönheit und bedrohlicher Kälte. Die Bilder sind glasklar und besitzen eine hohe Tiefenschärfe, dennoch haben sie etwas seltsam Flirrendes, als stünde die Stadt kurz vor der Auflösung.

Al Pacino gibt ein diabolisches Portrait, das man so nicht von ihm erwartet hätte. Sein leises Sprechen, sein fahles Gesicht, das die Sonne scheut, und zusammengekniffene, pechschwarze Augen, lassen den Abgrund hinter der Dandy-Fassade erahnen. So schwer es einem dieser Mephisto macht, sich für das Gute zu entscheiden, zu zynisch ist denn auch die finale Gewißheit des Films: Heute kannst Du vielleicht noch widerstehen - aber schon morgen werden die Karten wieder neu verteilt.

Do., 31.1., 22.15 / Sa., 2.2., 22.15 / So., 3.2., 20.15 / Mi., 6.2., 22.00

 


 

 

Mephisto

Regie: István Szabó; Buch István Szabó und Péter Dobai, nach den Motiven des Romans von Klaus Mann; Kamera: Lajos Koltai; Musik: Zdenkó Tamassy; mit Klaus Maria Brandauer, Rolf Hoppe, Krystyna Janda, Christine Harbort u. a.
D, Österreich, Ungarn 1980 DF / 145 Min.

 

MEPHISTO ist das subtile Portrait des Schauspielers Höfgen, der aus Opportunismus seine Überzeugungen opfert und so während der Nazi-Zeit Karriere macht und zum Intendanten des Berliner Schauspielhauses wird.

Der Regisseur Szabó lehnte die Person des Schauspielers Höfgen unter Verwendung des 28 Jahre verbotenen Romans von Klaus Mann eng an die Person von Gustav Gründgens an. Heraus kam ein vielschichtiger filmischer Diskurs über Politik, Macht, Moral, Kunst und Kultur unter den Bedingungen totalitärer Systeme. Herausragend die Leistung des Hauptdarstellers. Mephisto wurde 1981 mit dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film ausgezeichnet.

Do., 14.2., 19.30 / Fr. 15.2., 21.30 / Sa., 16.2., 19.30 / So., 17.2., 22.00

 


 

 

Faust

Regie: Peter Gorski; Buch: Peter Gorski, Gustaf Gründgens, nach dem Bühnenstück von Johann Wolfgang von Goethe; K: Günther Anders; Musik: Mark Lothar; mit Will Quadflieg, Gustaf Gründgens, Ella Büchi, Elisabeth Flickenschildt, Hermann Schomberg u.a.
BRD 1960 128 Min.

Faust - Szenenfoto

 

1932 spielte Gustaf Gründgens zum ersten Mal den Mephisto, der über die Jahrzehnte hinweg zu einer seiner Lieblingsrollen auf der Bühne wurde. Insgesamt 600 Mal verkörperte er diese Figur aus Goethes FAUST. Zu einem international viel beachteten und gefeierten Ereignis wurde die Inszenierung am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg, die am 21. April 1957 Premiere hatte und mit der Gründgens neue Maßstäbe in der deutschen Theatergeschichte setzte.

Der Film reduziert sich dabei nicht auf ein blosses Abfilmen der Bühnenaufführung, sondern schöpft mit den gestalterischen Mitteln des Mediums (Schnitt, Kamerafahrt, Zoom) die hervorragende Darstellung der Akteure besser und perfekter aus, als sie vom menschlichen Auge aus dem Zuschauerraum wahrgenommen werden kann.

Sa., 9.2., 20.00 / So., 10.2., 18.00 / Di., 12.2., 15.00 und 22.00

Die Nachmittagsvorstellung am Dienstag bietet speziell für ältere Zuschauerinnen und Zuschauer Filme zu ermäßigtem Eintrittspreis von 4.- Euro.

 


 

 

Faust

Regie: Dieter Dorn; Kamera: Gernot Roll; Schnitt: Annette Dorn; Musik: Roger Jannotta; mit Helmut Griem, Romuald Pekny, Sunnyi Melles, Cornelia Froboess u.a.
BRD 1988 169 Min.

 

Faust im Kino — das ist ein schier unerschöpfliches Thema. Dorn lehnt sich in seiner Version eng an die eigene Inszenierung für die Münchner Kammerspiele an. Was im Theater verblüffte, auch Bewunderung für seine Trickkiste auslöste, die blitzartigen Kleinbürger-Tableaux des Osterspaziergangs, die Horrorwelt der Hexenküche, die Verwandlung Fausts, — das Spektakuläre der Aufführung also, erweist sich im Film als selbstverständlich, aus allerlei Horror- und Experimentalfilmen geläufig. Auch Roger Luis Janottas jazzige Bühnenmusik klingt nicht mehr verfremdend, sondern kinogemäß. Überhaupt ist dies immer wieder am überraschendsten in diesem Film: daß er dem Kino näher kommt, indem er sich ganz auf die Bühne konzentriert. Dorns FAUST-Film ist vor allem auch eine Huldigung an sein Ensemble, ein Schauspieler-Film: Griem, Pekny, die Melles, die Froboess, Lühr in seiner letzten Rolle, die Niklisch als Hexe.

So., 3.03., 20:00 / Sa., 9.3., 20:00

 


 

 

Liebe, Tod und Teufel

Regie: Heinz Hilpert, Reinhart Steinbicker; Buch: Kurt Heuser, Pelz von Felinau, Lieselotte Gravenstein, nach der Erzählung "Das Flaschenteufelchen" von Robert L. Stevenson; Kamera: Fritz A. Wagner; Musik: Theo Mackeben; Schnitt: Wolfgang Becker; mit Käthe von Nagy, Albin Skosa, Brigitte Horney u.a.
D 1934 104 Min.

 

Während eines Aufenthalts in einem Hafen kauft ein Matrose in einem Basar eine geheimnisvolle Flasche, die ihrem Besitzer alle Wünsche erfüllt — für seine Seele als Preis. Der Matrose erhält, was er begehrt, doch ihn packt die Angst, und er verkauft die Flasche. Als er ein von einer tropischen Krankheit befallenes Mädchen kennenlernt und sich verliebt, versucht er verzweifelt, wieder in den Besitz der Flasche zu gelangen.

Di., 12.03., Dienstagskino 15:00 & 20:00

Die Nachmittagsvorstellung am Dienstag bietet speziell für ältere Zuschauerinnen und Zuschauer Filme zu ermäßigtem Eintrittspreis von 4.- Euro.

 


 

 

Der Pakt mit dem Teufel

(La beauté du diable)

Regie: René Clair; Buch: R. Clair, Armand Salacrou; Kamera: Michael Kelber; Musik: Roman Vlad; mit Michel Simeon, Gérard Philipe, Raymond Cordy, Nicole Besnard u.a. Frankreich 1949 DF / 97 Min.

 

Die Bearbeitung der Faust-Legende durch René Clair und Armand Slacrou ist voller Witz und Tiefsinn. Dies und die Spielfreude der Hauptdarsteller Michel Simon und Gérard Philipe tragen dazu bei, dass die philosophischen Gedanken des Teufelspaktes schwerelos transportiert werden. Clairs außerordentlich dichter Film ist ein intellektuelles Vergnügen ersten Ranges. (Früherer Titel: "Die Schönheit des Teufels")

Sa., 16.03., 22:00 / So., 17.03., 20:00

 


 

 

Simon in der Wüste

(Simón del desierto)

Regie: Luis Buñuel; Buch: L. Bu_uel, Julio Alejandro; Kamera: Gabriel Figueroa; Musik: Raul Lavista; mit Claudio Brook, Silvia Pinal, Hortensia Mantovana
BRD 1965 DF / 45 Min.

 

Die zentrale Figur des Films, Simon, geht auf Simeon Stylites zurück, einen Heiligen, der in Syrien von 390 bis 459 lebte, und der das Gelübde ablegte, die Spitze einer Säule nicht zu verlassen; in der Tat verbrachte er die letzten 37 Jahre seines Lebens auf einer Säule thronend. Buñuels Film zeigt diesen Simon auf seiner Säule in einer Reihe episodenhafter Szenen. Mehrfach wird Simon vom Satan in Versuchung geführt, der in verschiedener, jeweils von Silvia Pinal gespielter Gestalt auftritt. Die letzte Szene versetzt Simon in die Gegenwart, in ein New Yorker Tanzlokal.

Im Vorprogramm: Buñuels berühmter surrealistischer Film DER ANDALUSISCHE HUND.

Sa., 23.3., 18:00 / So., 24.3., 20:00 / Di., 26.3., 22:00

 


 

 

Die Filmreihe "Der Pakt mit dem Teufel" entstand in Zusammenarbeit mit dem Freiburger Theater im Rahmen der aktuellen Inszenierung DIE TRAGISCHE GESCHICHTE VON DOKTOR FAUSTUS.

 

 


 

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