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Hommage: Marlene Dietrich zum 100. Geburtstag

Marlene Dietrich ist vor allem und ganz Frau im unfassendsten Sinne des Wortes. Man kann natürlich den "Mythos Marlene" nicht leugnen, ebensowenig wie die Tatsache, dass Sternberg teilweise dafür verantwortlich ist. Doch wie er in seiner Autobiographie ("Fun in a Chinese Laundry", deutsch: "Ich, Josef von Sternberg", Velber bei Hannover 1967) selbst sagt, hat er lediglich "ihre Eigenschaften dramatisiert", er hat nichts geschaffen, was nicht bereits vorhanden war. Und indem Marlene diesen Mythos wie einen Schutzwall benutzte, konnte sie das Bild der femme fatale ihr Leben lang erhalten.

Man könnte auch von der erotischen Ausstrahlung Marlenes sprechen. Ihr nur eingeschränkte Bedeutung zuzumessen bedeutet keineswegs, dass man dafür unempfänglich wäre oder dass sie in ihrer Karriere keine große Rolle gespielt hätte. Doch bietet der Versuch, ihre zutiefst menschliche Seite stärker zur Geltung zu bringen, möglicherweise mehr Neues.

Marlene Dietrich ist eine Frau in des Wortes ganzer Bedeutung: sie ist zugleich Mutter und Kind, Luxusdame und gute Hausfrau. Stark, aber verletzlich, bedarf sie dringend des Schutzes. Sie ist in erster Linie unabhängig und emanzipiert, doch bleibt sie stets ihren Prinzipien und einem gewissen Konservatismus verhaftet. Dieser Dualismus, diese Ambiguität, die sich in all ihren Filmen abzeichnet, macht sie zu einer überraschenden Persönlichkeit.

 

Zeugin der Anklage · Die Frau, nach der man sich sehnt (Stummfilm mit Musikbegleitung) · Der Blaue Engel · Eine auswärtige Affäre

 


 

Zeugin der Anklage

(Witness for the Prosecution)

Regie: Billy Wilder; Buch: B. Wilder, Harry Kurnitz; Kamera: Russell Harlan; Musik: Matty Malneck, Ralph Arthur Roberts; mit Charles Laughton, Marlene Dietrich, Tyrone Power, Elsa Lanchester, Una O’Connor u.a. USA 1958 DF / 116 Min.

 

Der herzkranke Londoner Staranwalt Sir Wilfried verteidigt Leonhard Vole, der des Mordes an einer reichen Witwe angeklagt ist. Voles Ehefrau Christine, die ihren Mann abgöttisch liebt, aber nicht von seinem Verhältnis zu einer jungen Geliebten ahnt, kann — obwohl Zeugin der Anklage — durch einen Trick einen Freispruch erreichen.

Von Wilder mit kühler Perfektion gestaltetes Kriminaldrama nach einem Theaterstück von Agatha Christie.

Charles Laughton ist wie immer exzellent; ebenso Tyrone Power; aber Marlene hat seit langem nicht mehr so gut gespielt. Bis zum Schluss bleibt man gefesselt von der Frau, die sie darstellt; sie schafft es, ihr die notwendige Härte, Kälte und Zweideutigkeit beizulegen und doch auf geheimnisvolle Weise verführerisch zu bleiben. Wilder gelingt es, sie in ihrer Darstellung einen abgerundeten Charakter hervorbringen zu lassen und nicht mehr nur ihre eigene Persönlichkeit zur Geltung zu bringen. Das ist für Marlene etwas völlig Neues.

Sa., 8.12., 20.00 / So., 9.12., 20.00 / Di., 11.12., 15.00 im Dienstagskino & 22.00 / Mi., 12.12., 22.00

Die Nachmittagsvorstellung am Dienstag bietet speziell für ältere Zuschauerinnen und Zuschauer Filme zu ermäßigtem Eintrittspreis von 8.- DM


Stummfilm

Die Frau, nach der man sich sehnt

Regie: Kurt Bernhardt; Buch: Ladislaus Vajda, nach Motiven des Romans von Max Brod; Kamera: Curt Courant, Hans Scheib; mit M. Dietrich, F. Kortner, Frida Richard u.a.
Deutschland 1929 DF / 76 Min.

 

Die Fabrik der Familie Leblanc steht vor dem Bankrott, als Henry Leblanc die Chance zur Sanierung des Werkes wahrnimmt und die Tochter eines reichen Industriellen heiratet. Auf der Hochzeitsreise begegnet Henry einer geheimnisvollen Frau: Stascha. Schon der erste Blick dieser Frau fesselt ihn, er verliebt sich in sie und verläßt seine Frau...

Die Blicke der Dietrich, ihr Gesichtsausdruck, ihre Körperbewegungen, ihre Gesten — sie sind inszeniert/fotografiert auf Wirkungen hin. Und auch ihr Augenaufschlag, ihr Lächeln, die knappen Bewegungen ihrer Arme und ihrer Hände dienen vor allem dem Spiel im Spiel. Einem Spiel, dessen Gesetze allein die Dietrich diktiert. Man muss alles aufgeben, wenn man einer Frau wie Marlene Dietrich in Liebe verfallen ist.

Stummfilm mit Musikbegleitung durch Günter A. Buchwald

Sa., 15.12., 22.00 / So., 16.12., 20.00


Der Blaue Engel

Regie: Josef von Sternberg; Buch: Robert Liebmann — nach dem Roman ‘Professor Unrat‘ von Heinrich Mann; Kamera: Günther Rittau & Hans Schneeberger; Musik: Friedrich Hollaender; mit E. Jannings, M. Dietrich, K. Gerron, Rosa Valetti, H. Albers
Deutschland 1930 116 Min.

 

Lange galt Der Blaue Engel wegen der darin geschilderten Dekadenz und sadistischen Elemente als gewagte Darstellung von Sex. Selbst heute wird der Film in erster Linie mit dem Seidenhut, den schwarzen Strümpfen und Strumpfhaltern sowie den teilweise nackten Oberschenkeln von Marlene Dietrich identifiziert. Ihr Barsong ‘Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt‘ ist noch immer dasjenige, das am ehesten mit ihrer rauhen, einzigartigen Singstimme in Verbindung gebracht wird. Die Rolle der Lola machte aus ihr über Nacht einen Star. Sternbergs Regie tat sich unter den schwierigen Bedingungen des frühen Tonfilms etwas schwer, kompensierte die mangelnde Beweglichkeit jedoch durch eine außerordentlich eindrucksvolle Bildkomposition, aufwendige Dekorationen und eine Fülle scheinbar nebensächlicher Details, die sich zu einer eindringlich realistischen Atmosphäre ergänzten.

Di., 25.12., 20.00 / Mi., 26.12., 18.00


Eine auswärtige Affäre

(A foreign affair)

Regie: Billy Wilder; Buch: Charles Brackett, B. Wilder, Richard L. Breen; Kamera: Charles B. Lang, jr.; Musik: Friedrich Holländer; mit Jean Arthur, M. Dietrich, John Lund, u.a.
USA 1948 OmU / 115 Min.

 

Billy Wilders rabenschwarze Satire auf das deutsch-amerikanische Verhältnis im Nachkriegs-Berlin. Jean Arthur spielt die spröde US-Kongress-Abgeordnete Phoebe Frost, die der bedenklich gesunkenen Moral amerikanischer Besatzungs-Soldaten in Berlin auf den Grund gehen soll. Mit dieser ist es auch bei Captain Pringle nicht gut bestellt, der eine Affäre mit der Nachtklubsängerin Erika unterhält — zum gegenseitigen Vorteil. Marlene hatte sich zunächst geweigert, eine "Nazi-Rolle" anzunehmen, doch glücklicherweise gelang es Wilder, sie zu überzeugen. Friedrich Holländer, der schon die Lieder für DER BLAUE ENGEL geschrieben hatte, komponierte drei neue Songs für sie: Black Market, Illusions und The Ruins of Berlin wurden von ihm während der Aufnahmen am Klavier begleitet.

Fr., 28.12., 22.15 / So., 30.12., 20.00 / Di., 1.1 / Di., 1.1.02, 20.15 /.Mi., 2.1.,22.00



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Zuletzt bearbeitet am 01.12.2001 © aptum1997-2001 Schreib mal wieder webmaster@aptum.de