Kommunales Kino im alten Wiehrebahnhof
Urachstr. 40
79102 Freiburg
Tel. 0761 - 709033

kino@freiburger-medienforum.de

 

 

Werkschau Klaus Wildenhahn im Kommunalen Kino
November 2001 · Dezember 2001 · Januar 2002: Kinoauge Arbeit · Februar 2002: Kinoauge Geschichte · März 2002

 


 

Klaus Wildenhahn - Dokumentarist

Von 1965 bis 1995 war er als festangestellter Regisseur beim NDR tätig. Er drehte Filme über das Leben in der Provinz wie über das in Hamburg St. Pauli. Er beobachtete John Cage bei seiner Arbeit genauso wie Pina Bausch, einen Bottroper Bandonion-Spieler oder Bauern und Landarbeiter. Er beschäftigte sich mit seinen Vorbildern, den Dokumentaristen Jerzy Bossak und Richard Leacock genauso wie mit dem SPD-Parteitag 1964 oder dem geteilten Mostar.

Vom ersten bis zum letzten Film tat sich der NDR mit Wildenhahn schwer, dessen Arbeiten nicht ins Spektrum des öffentlich-rechtlichen Fernsehdokumentarismus passen wollten, der in diesem System als Filmemacher einen eigenen Stil entwickelt hat. Seine meist kommentarlose Beobachtung - der Kommentar liegt in der Montage -fördert erstaunliche Erkenntnisse zutage, ist Reportage als Gegenberichterstattung. Klaus Wildenhahn ist wohl einer der profiliertesten Dokumentarfilmemacher der Bundesrepublik.

In den nächsten Monaten wollen wir in mehreren Schritten Einblicke in sein umfangreiches Werk geben. Klaus Wildenhahn selbst hat uns Orientierungshilfen geliefert, hat einige Filme von sich unter verschiedenen Aspekten zusammengefasst. 'Reisen' wird dieser Oberbegriff im ersten Teil der Reihe heißen.

Zum Auftakt der Werkschau wird der Regisseur am 15. November bei uns zu Gast sein. Wir haben ihm einen ganzen Abend gewidmet: Einen ersten Teil mit zwei Filmen, die Eckpunkte in seinem Produktionsprozess sind. Und im zweiten Teil eine 'carte blanche' für Klaus Wildenhahn: Filme von Kollegen, Filme, die für ihn wichtig waren und sind, die er sich und unserem Publikum (wieder)zeigen will.

Wir danken Klaus Wildenhahn für die Hilfe und die Mühe bei den Vorbereitungen. Wir sind neugierig auf Filme, die viel im Fernsehen zu sehen waren und sind, die auf etlichen Festivals für Diskussionen sorgten und nur vereinzelt ins Kino fanden.

 

John Cage / Ein kleiner Film für Bonn · Night Mail / Kisangani Diary · Eine Woche Avantgarde für Sizilien / Im Norden das Meer, im Westen der Fluss, im Süden das Moor, im Osten Vorurteile · Bandonion

 


 

 

JOHN CAGE

Regie: Klaus Wildenhahn; Idee: Hansjörg Pauli; Exposé: Klaus Wildenhahn; Kamera: Rudolf Körösi; Schnitt: Ria Upregger BRD 1966 58 Min.

Schauplatz des Films ist vor allem St. Paul-de-Vence und Pont Point (Oise), Frankreich. Hier hat der Pariser Kunsthändler und Galerist Maeght ein Anwesen. Im Park veranstaltet er den Sommer über das kleine Festival 'Les Nuits de la Fondation Maeght'. Im Sommer 1966 war dort die Tanztruppe Merce Cunningham zu Gast, mit der John Cage seit Jahren verbunden ist. Vor allem der Alltag dieser Truppe wird im Film beobachtet: Garderobenunterhaltungen, Proben, Improvisationen auf der Bühne. Dazwischen immer wieder: John Cage, der die Arbeit verfolgt, kommentiert, in die Abläufe eingreift.

 


 

 

EIN KLEINER FILM FÜR BONN
(Teil II)

Regie, Filmerzählung: Klaus Wildenhahn; Kamera: Rainer Komers, Gisela Tuchtenhagen; Ton: Klaus Wildenhahn; Schnitt: Margot Neubert-Maric.
D 2000 58 Min.

 

"Bonn und das Bundesdorf. Man hat das immer kritisch gesehen. Das hat unsere Republik geprägt: die Westorientierung, die unspektakulären Gebäude, das Auftreten ohne Großkotzigkeit...

Noch einmal Augenzeuge sein, aber nicht notwendigerweise Zusammenhänge verstehen. Am Täglichen kleben, dem Unübersichtlichen, ohne Metaphysik. Etwas außer Atem, nicht selbst betroffen und doch hineinverwickelt und nicht fähig, sich zu lösen. Noch einmal die schöne Neugier, zuhören, merkwürdig Vertrautes. Oberflächen. Die kleinen Zwischenräume. Dann vorbei." (Klaus Wildenhahn)

Der Film: DV-Kamera, O-Töne, Zeitungszitate und Texte von Wildenhahn. Ein atmosphärisches Bild von Bonn, ein Gruß von Wildenhahn an seinen Geburtsort und an eine Kommune, die zurückbleibt nach einer langen, zivilen Regierungszeit und sich in eine neue Orientierungsphase begibt. Wildenhahn sagt: So könnte man vergröbert das Credo meines Dokumentarfilmemachens ausdrücken: Die Auswirkungen der großen gesellschaftlichen Beschlüsse auf jene Menschen und ihr Umfeld festhalten, die diese Beschlüsse auszuhalten und umzusetzen haben.

Do., 15.11., 19.30 in Anwesenheit des Regisseurs / So., 18.11., 18.00

 


 

Carte blanche für Klaus Wildenhahn

NIGHT MAIL

Von John Grierson, Harry Watt, Basil Wright
Großbritannien 1936 24 Min.

Dokumentarfilm. Klassiker der britischen Schule. Das Sortieren der Post in einem Nachtzug ist der Anlass zu einem Kinogedicht.

KISANGANI DIARY

Von Hubert Sauper
Frankreich / Österreich 1997 45 Min.

Der Film Saupers ist unerträglich, er ist notwendig. Er zwingt uns dazu zu entscheiden, wieder Menschen zu sein.

Kisangani Diary von Hubert Sauper sieht in zehn Stationen Hutu-Flüchtlingen beim Sterben zu. Mit routinierter Betroffenheit tun ein paar News-Reporter und ein paar UNO-Helfer ihre Arbeit im Elend. 25.000 Hutu können evakuiert werden, dann kommen die Soldaten des neuen Regierungschefs Laurent Kabila, und 80.000 Menschen verschwinden aus der Geschichte.

Do., 15.11., 22.00 in Anwesenheit des Regisseurs

 


 

EINE WOCHE AVANTGARDE FÜR SIZILIEN

Regie, Exposé: Klaus Wildenhahn; Idee: Hansjörg Pauli; Kamera: Rudolf Körösi; Ton: Herbert Selk; Schnitt: Ria Uplegger BRD 1965 43 Min.

Klaus Wildenhahns erster Film, der zwei disparate Elemente — Kunstproduktion und Armut der Umwelt — in der Montage zusammenführt.

Baron Francesco Agnello investiert sein ererbtes Vermögen und sein persönliches Prestige in eine Kulturveranstaltung. Er ruft, im September für eine Woche, Künstler nach Palermo: Popart, Experiment, moderne Musik, Avantgarde. Andererseits: In manchen Gemeinden Westsiziliens fehlen mehr als fünfzig Prozent Männer in der Bevölkerung. Sie sind in den Norden abgewandert. Kinder arbeiten, wenn sie einen Gelegenheitsjob finden, ab neun oder zehn und gehen dann nicht mehr zur Schule. Das Elend hat historische Wurzeln.

IM NORDEN DAS MEER IM WESTEN DER FLUSS IM SÜDEN DAS MOOR IM OSTEN VORURTEILE

Regie, Idee, Ton: Klaus Wildenhahn; Exposé: Klaus Wildenhahn, Gisela Tuchtenhagen; Kamera: Gisela Tuchtenhagen; Schnitt: Beate Hugk, Sibylle Liebau BRD 1975/76 66 Min.

Ein Film über Ostfriesland. Annäherungen an die Geschichte und Gegenwart, an Kultur und Arbeit. Ein poetischer Dokumentarfilm. Ein Heimatfilm. Er hat in Ostfriesland viel Wirbel ausgelöst.

Fr. 23.11., 20.00 / So., 25.11., 18.00

 


 

BANDONION

Teil 1: Deutsche Tangos
Teil 2: Tangos im Exil

Regie, Exposée & Ton: Klaus Wildenhahn; Idee: Günter Westerhoff; Kamera: Rainer Komers; Schnitt: Petra Arciszewski BRD 1981 Teil 1: 55 Min./Teil 2: 46 Min.

Wildenhahns Bandonion-Film ist ein Reisefilm und ein Beispiel für die Beschreibung untergehender Arbeiterkultur. Der Film beginnt im Ruhrgebiet und verläuft über Bayreuth nach Berlin und Paris, immer auf der Suche nach verbliebenen Resten der Bandonion-Kultur.

Das erste Bandonion wurde um 1840 in Deutschland entwickelt. Seinen wahren Erfolg feierte das Instrument im Exil als unentbehrlicher Bestandteil südamerikanischer Tangoorchester. Doch auch in Deutschland gibt es noch einige wenige eingeschworene Bandonion-Enthusiasten, u.a. den Arbeiterdichter Günter Westerhoff und die Bergleute: "Der Ton des Bandonions liegt den Bergleuten. Vielleicht, weil er so traurig klingt." (G.W.)

Fr., 30.11., 20.00 / So., 2.12., 18.00



schreib mir mal! e-mail ans Kommunale Kino
kino@freiburger-medienforum.de
Startseite Kommnunales Kino Freiburg

Zurück zur
Startseite


Zuletzt bearbeitet am 27.10.2001 © aptum1997-2001 Schreib mal wieder webmaster@aptum.de