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Rainer Werner Fassbinder - Kino oder Leben

Die Werke dieses größten Filmkünstlers und Unruhestifters des deutschen Nachkriegskinos gewinnen neue Qualitäten, wenn man sie wiedersieht. Während manches von dem, was bei der Premiere provozierte, heute an Brisanz verloren hat, nimmt anderes, früher eher Übersehenes, an Deutlichkeit zu. Zerrüttungen und Täuschungen, die durch neue Moden, Ideologien und geänderte politische Weichenstellungen unsichtbar gemacht werden, treten im Licht seiner Filme schärfer hervor. Fassbinder, großer Stilist (bis hin zur Manieriertheit) und großer Realist (ohne in Naturalismus zu verfallen) bleibt Stachel im Fettlebe - Fleisch der Bundesrepublik, Prüfstein für ihre Glaubwürdigkeit, ihre Menschlichkeit und ihre Fähigkeit, das eigene Gesicht, wo es entstellt ist, kritisch anzusehen.

 

Der amerikanische Soldat · Warnung vor einer heiligen Nutte · Händler der vier Jahreszeiten · Die bitteren Tränen der Petra von Kant

 


 

 

DER AMERIKANISCHE SOLDAT

Regie & Buch: R. W. Fassbinder; Kamera: Dietrich Lohmann; Schnitt: Thea Eymèsz; Musik: Peer Raben; mit Karl Scheydt, Jan George, Hark Bohm, Kurt Raab, Margarethe v. Trotta, R. W. Fassbinder
BRD 1970 80 Min.

Der Amerikanische Soldat, eine Killergeschichte, zitiert perfekt den gesamten US-Krimi der späten dreißiger, der vierziger und fünfziger Jahre. Da stimmt alles, von der Einstellung über Gestik und Mimik bis hin zur Sprache. Und mehr noch: Fassbinder läßt weder tote noch lebende Personen noch den jungen deutschen Film noch sich selbst aus. Werden Klischees gekonnt erfüllt und übererfüllt, entsteht Ironie daraus. Der Amerikanische Soldat ist herrlich ironisch, witzig und brillant.

Drei Münchner Polizisten haben den Berufskiller und Vietnamveteranen Ricky angeheuert. Er soll für sie einige Personen umbringen, die sie als "Gesetzeshüter" nicht töten könnten.

Do., 1.11., 20.00 / Fr., 2.11., 22.00 / Sa., 3.11., 20.15 / So., 4.11., 18.00

 


 

WARNUNG VOR EINER HEILIGEN NUTTE

Regie & Buch: R. W. Fassbinder; Kamera: Michael Ballhaus; Schnitt: Franz Walsch (d.i. R. W. Fassbinder), Thea Eymèsz; Musik: Peer Raben, Gaetano Donizetti, Elvis Presley u.a.; mit Lou Castel, Eddie Constantine, Hanna Schygulla, Marquard Bohm, Rainer Werner Fassbinder
BRD 1970 103 Min.

 

In einem Hotel irgendwo am Meer wartet ein Filmteam auf den Star, das Geld der Staatlichen Filmförderung und das Filmmaterial. Eine Stimmung, gemischt aus Hysterie und Apathie, Hoffnungen, Gezänk, Neid, Affären. Als der Regisseur Jeff zusammen mit dem Star eintrifft, wird er sofort zum Mittelpunkt des Chaos. Das ganze Team, das sich zunehmend von Jeff abhängig fühlt, rebelliert in sinnlosen Aktionen.

Heute, 30 Jahre nach seiner Entstehung, wird man in diesem Künstlerportrait eine umfassende, die Tiefenschichten ausleuchtende Sicht auf die 68er-Bewegung und deren Folgen für die Gegenwart erkennen. Fassbinder erzählt vom inneren Zustand jener Zeit, von den Ängsten, der Zerrissenheit und den vergeblichen Emanzipationswünschen und öffnet damit dem Zuschauer selbst noch in den fehlschlagenden Versuchen seiner Protagonisten ein utopisches Fenster.

Do., 8.11., 22.00 / Fr., 9.11., 22.00 / Sa., 10.11., 18.00 / So., 11.11., 20.00

 


 

HÄNDLER DER VIER JAHRESZEITEN

Regie & Buch: R. W. Fassbinder; Kamera: Dietrich Lohmann; Schnitt: Thea Eymèsz; Musik: "Kleine Liebe" von R. W. F.; mit Hans Hirschmüller, Irm Hermann, Hanna Schygulla, Klaus Löwitsch
BRD 1971 89 Min.

Der Ex-Fremdenlegionär und Ex-Polizist Hans Epp zieht als Obsthändler mit seinem Karren durch die Hinterhöfe. In seinem Leben ist schon vieles schiefgelaufen. Den Ansprüchen seiner Mutter konnte er nie genügen, seine große Liebe durfte ihn aus Standesgründen nicht heiraten. Er trinkt, prügelt seine Frau, die ohne Liebe neben ihm lebt und Kind und Haushalt versorgt. Hans wird immer depressiver ...

Das Ereignis dieses Films ist, wie Fassbinder das Melodrama mit Leben füllt, wie er dem Pathos großer Gefühle einen realen Boden gibt, wie er die theatralische Form der Tragödie im Alltag des Wirtschaftswunder-Deutschlands ansiedelt,. Fassbinders Trauerarbeit über die Einsamkeit der "kleinen Leute". Eine Geschichte darüber, was es heißt, seinem eigenen Leben entfremdet zu sein.

Fr., 16.11., 22.00 / Sa., 17.11., 20.00 / So., 18.11., 22.00 / Di., 20.11., 22.00

 


 

DIE BITTEREN TRÄNEN DER PETRA VON KANT

Regie & Buch: R. W. Fassbinder; Kamera: Michael Ballhaus; Schnitt: Thea Eymèsz; mit Margit Carstensen, Hanna Schygulla, Irm Hermann, Eva Mattes, Katrin Schaake
BRD 1972 124 Min.

 

Die erfolgreiche Modeschöpferin Petra von Kant lebt in einem opulent eingerichteten Wohn-Atelier, zusammen mit ihrer Assistentin und Dienerin Marlene, die wortlos alle Befehle ausführt und alle Launen über sich ergehen läßt. Petra verliebt sich in die gut zehn Jahre jüngere Karin, und sie will sie ganz für sich haben. Karin möchte zwar die vermögende Petra ausnutzen, aber auch ihre eigene Unabhängigkeit bewahren.

Der Terror kommt in diesem Film freundlich daher: Wie diszipliniert und zivilisiert die Sprache, wie die Bilder dem Auge schmeicheln, wie elegant die Bewegungen gleiten, wie sanft das Licht. Doch hinter Floskeln und Selbststilisierung versteckt und schließlich zerstörerisch aufbrechend: der Wille zur Macht über den anderen Menschen, die Eifersucht, die Besitzgier und auch das Aufbegehren dagegen, fortdauernd unfrei zu sein.

Fr., 23.11., 22.00 / Sa., 24.11., 18.00 / So., 25.11., 20.00 / Di., 27.11., 22.00



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Zuletzt bearbeitet am 27.10.2001 © aptum1997-2001 Schreib mal wieder webmaster@aptum.de