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Rainer Werner Fassbinder - Kino oder Leben

Filme müssen irgendwann einmal aufhören, Filme zu sein, müssen aufhören, Geschichten zu sein und anfangen, lebendig zu werden, dass man fragt, wie sieht das eigentlich mit mir und meinem Leben aus. (Fassbinder, 1974)

Als 1969 die ersten beiden Spielfilme Fassbinders, LIEBE IST KÄLTER ALS DER TOD und KATZELMACHER, aufgeführt wurden, war das der Beginn einer neuen Epoche im deutschen Kino. Zwar hatten innovative Ideen, Programme und Spielfilme in der Folge des Oberhausener Manifests den Tod von Opas Kino besiegelt und Abschied von gestern genommen, und erste Zielgruppenfilme trugen die Revolte auf Super 8 und 16mm in Hörsäle, Gewerkschaftsgruppen und Kellerkinos, aber Fassbinder brachte nun mit seinem filmischen Doppelschlag eine neue Qualität in die Auseinandersetzung um den deutschen Kinofilm: Radikal in Form und Inhalt, kompromisslos gegenüber Verleihern und Fernsehredaktionen, operierte er mit Genres und einer Ästhetik, die seine Kritik an lebensfeindlichen Verhältnissen der Bundesrepublik einem breiten Publikum nahebringen sollte.

Von diesem ersten Moment an bis zu seinem Tod 1982 war Fassbinder Anreger und Motor des unabhängigen deutschen Films, öffnete Wege des Erzählens und des unabhängigen Denkens auch für andere FilmemacherInnen, zeigte, wie Kreativität mit gesellschaftlichem Scharfblick und Engagement zusammengehen konnte. Seine immense Bedeutung für das Kino liegt deshalb vielleicht auch weniger in einzelnen Werken, als vielmehr in der radikalen persönlichen Haltung, mit der er an seinen Stoffen arbeitete. Und je größer jetzt der Abstand zur Entstehungszeit der Filme wird, desto deutlicher tritt deren Konsequenz und innere Beziehung zueinander ans Tageslicht.

Der Basis-Film Verleih bringt anlässlich von Fassbinders 20. Todestag in Zusammenarbeit mit der Rainer Werner Fassbinder Foundation ein Programm von 15 Spiel- und 2 Kurzfilmen dieses Autor-Regisseurs heraus, das wir von Oktober an komplett vorstellen werden.

 

Liebe ist kälter als der Tod · Katzelmacher · Götter der Pest

 

 


 

Liebe ist kälter als der Tod

Buch & Regie: Rainer Werner Fassbinder; Kamera: Dietrich Lohmann; Schnitt: Franz Walsch (d.i. R. W. Fassbinder); Musik: Peer Raben/Holger Münzer; mit Ulli Lommel, Hanna Schygulla, R. W. Fassbinder, Hans Hirschmüller, Ingrid Caven; Ursula Strätz, Irm Hermann, Yaak Karsunke u.a.
BRD 1969 88 Min.

Liebe ist kälter als der Tod

Der Zuhälter Franz (R. W. Fassbinder) weigert sich, einem Verbrechersyndikat beizutreten. Das Syndikat läßt ihn zusammenschlagen und setzt Bruno (Ulli Lommel) auf ihn an. Franz liebt Bruno, will auch seine Freundin Joanna (Hanna Schygulla), die für ihn auf den Strich geht, mit ihm teilen. Im Auftrage des Syndikats begeht Bruno Morde, die Franz angelastet werden sollen. So soll dieser an das Syndikat gebunden und zur Mitarbeit gezwungen werden. Schließlich planen Bruno und Franz einen Banküberfall. Joanna verrät sie an die Polizei. Im Durcheinander des Überfalls wird Bruno von der Polizei erschossen. Franz und Joanna können fliehen.

Die Lust Fassbinders und seiner Darsteller, mit den Mustern amerikanischer und französischer Gangsterfilme zu spielen, erschöpft sich nicht darin, die Handlung einige bekannte Stationen des Genres durchlaufen zu lassen. Viel mehr ist das Interesse auf die Pausen zwischen den Aktionen gerichtet, auf das "Atemholen", in dem sich die Welt der Protagonisten entfaltet.

Do., 4.10., 22.00 / Sa., 6.10., 20.00 / So., 7.10., 18.00

 


 

Katzelmacher

Buch & Regie: R. W. Fassbinder; Kamera: Dietrich Lohmann; Schnitt: Franz Walsch (d.i. Rainer Werner Fassbinder); Musik: Peer Raben; mit Hanna Schygulla, Rainer Werner Fassbinder, Irm Hermann, Rudolf Waldemar Brehm, Hans Hirschmüller, Harry Baer, Lilith Ungerer, Elga Borbas, Doris Mattes; Produktion: antiteater-X-Film
BRD 1969 FSK ab 16 J. / 88 Min.

Katzelmacher

Eine Gruppe junger Menschen schlägt sich die Zeit tot. Man hockt zusammen in der Kneipe oder auf dem Hinterhof, trinkt, spielt Karten, endlos sich im Kreise drehende Gespräche, man spaziert herum, tauscht Klatsch und Tratsch, Gehässigkeiten und heuchlerische Freundlichkeiten, schläft miteinander, auch mal gegen Geld. Und als der Fremde, der griechische Gastarbeiter (R. W. Fassbinder), auftaucht, kann man an ihm seine Aggression abreagieren. Auch einen Profit kann Elisabeth (Irm Hermann) aus dem ausländischen Untermieter herausschlagen. Nur Marie (Hanna Schygulla) bricht aus der Gruppe und ihren Vorurteilen aus und geht mit ihm.

Do., 11.10., 20.00 / Sa., 13.10., 22.00 / So., 14.10., 20.00

 


 

Götter der Pest

Buch & Regie: R. W. Fassbinder; Kamera: Dietrich Lohmann; Schnitt: Franz Walsch; Musik: Peer Raben; mit Harry Baer, Hanna Schygulla, Margarethe von Trotta, Günther Kaufmann, Ingrid Caven u.a.
BRD 1969 91 Min.

Götter der Pest

Franz (Harry Baer) wird aus dem Gefängnis entlassen und sucht frühere Bekannte auf. Die Nachtclubsängerin Joanna (Hanna Schygulla), die ihn liebt, will ihm helfen. Aber um ihrem Besitzanspruch zu entkommen und sich nicht weiter von ihr aushalten zu lassen, verläßt er sie. Er sucht seinen Bruder und findet ihn tot. Der "Gorilla" Günther (Günther Kaufmann) gibt zu, ihn erschossen zu haben: "Er hat gesungen, es war ein Befehl". Franz lernt Margarethe (Margarethe von Trotta) kennen. Gemeinsam überlegen die drei, wie sie zu Geld kommen können, und Franz und Günther beschließen, einen Supermarkt zu überfallen. Doch sie werden von Joanna aus enttäuschter Liebe zu Franz verraten. Der Überfall misslingt, Franz und der Supermarktbesitzer werden von der Polizei erschossen. Günther kann entkommen, aber auch er wird nach einem weiteren Mord sterben. Margarethe und Joanna stehen gemeinsam am Grab von Franz.

Sa., 20.10., 20.00 / So., 21.10., 22.00 / Di., 23.10., 22.00.



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Zuletzt bearbeitet am 03.10.2001 © aptum1997-2000 Schreib mal wieder webmaster@aptum.de