Kommunales Kino im alten Wiehrebahnhof
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Hommage an die Kuh

"Von den Millionen von Tieren, die mit uns auf der Erde leben, hat eine Spezies eine besondere und bedeutende Rolle in der wechselvollen Geschichte der Menschheit gespielt: Stier und Kuh, aus der Gattung der Rinder, haben uns auf unserer Reise von Anfang an begleitet" schreibt Jeremy Rifkin in "Kulturgeschichte und Rinderkultur". Die Reisebegleitung ist ihnen schlecht bekommen: Von der Kuhgöttin der Ägypter zum vierbeinigen Sondermüll - ein wirklich tiefer Sturz! Gleichsam feuilletonistisch wollen wir das Thema umkreisen: Die Kuh als Protagonistin in Filmen aus verschiedenen Epochen, die poetisch-witzige Dokumentation, die brutale Realität, die nichts Idyllisches mehr hat. Unsere kleine Reihe soll vor allem eins sein: eine Liebeserklärung, eine Hommage an die Kuh.

 

Q - Begegnungen auf der Milchstrasse · Der Kampf der Königinnen · Go West - Der Cowboy · Red River · Bauernkrieg

 


 

Q - BEGEGNUNGEN AUF DER MILCHSTRASSE

Regie & Buch: Jürg Neuenschwander; Kamera: Patrick Lindenmaier, Steff Bossert; Schnitt: Regina Bärtschi Schweiz 2000 94 Min

 

In matten Dunst gehüllte Alpwiese, Kuhglocken klingen. Kühe tauchen auf wie Schemen aus dem Nichts, wie Fabeltiere aus Sagenwelten. Ein Mann im Morgendunst. Er versucht, Tiere anzulocken. Ein Hirte? Der Mann ist freilich kein Alpenländer, kein Simmentaler Bergler, sondern ein dunkelhäutiger Turbanträger aus Burkina Faso.

BEGEGNUNGEN AUF DER MILCHSTRASSE, das sind Begegnungen zwischen den Welten, zwischen Savannen und Bergmatten, zwischen Westafrika und der Schweiz. Ein ganz anderes Roadmovie auch, das nicht von Stadt zu Stadt, von Abenteuer zu Abenteuer führt, sondern Menschen mit Menschen verbindet. Momentaufnahmen dokumentieren Kontraste und dekken Ähnlichkeiten auf.

Schweizer und Westafrikaner kommen im Film paarweise zusammen, ein Großzüchter aus Burkina Faso trifft einen Seeländer Stallfabrikbauer, ein Biobauer einen charismatischen Veterinärmediziner aus dem Sahel. Trotz aller Differenzen finden sich immer wieder Gemeinsamkeiten: Sei es der kühle Blick auf den wirtschaftlichen Ertrag, sei es der Respekt vor Menschen und Tieren oder sei es das Betreben nach Entwicklung.

Die überraschend montierten Bilder sprechen für sich. Sie erzählen von der Begegnung der zweiten Art, zwischen Dritter Welt und Konsumwelt. Sie öffnen die Augen über Euter und Joghurt hinaus und hinterfragen gewitzt die Philosophie der Milch. (Jürg Neuenschwander)

Sa., 2.6., 18.00/ So., 3.6., 20.00

 


 

DER KAMPF DER KÖNIGINNEN

(Le combat des reines)

Regie: Pierre-Antoine Hiroz; Kamera: Benoît Fromanger; Buch: Catherine Hertault, Pierre-Antoine Hiroz; Musik: B. Fromanger; mit Pascale Rocard, J.-M. Bory, Daniel Prévost Schweiz 1995 OmU / 86 Min.

 

Julie Fellay, Wahl-Genferin, beschließt, zum elterlichen Bauernhof im Wallis zurückzukehren und dort endlich zu erreichen, was ihrem Vater nie gelungen ist: den örtlichen Großbauern und Erzrivalen Prospère Carron beim Kuhkampf, dem berühmten "Kampf der Königinnen", zu schlagen.

Die Königinnen sind Kühe der Hérens-Rasse, einer Zucht, die in den steilen Bergen des Wallis lebt. Jede Herde wird von einer Leitkuh, der Königin, geführt, deren Angriffslust legendär ist. Jeden September treffen sich die Besitzer der Königinnen in Martigny, um die "Königin der Königinnen" zu küren.

Bei einer Versteigerung setzt Julie nun ihr ganzes Vermögen ein, um Glorieuse, eine wunderschöne, bisher noch nie besiegte Kuh zu kaufen und Carrons Gebot zu übertrumpfen. Aber Glorieuse versagt nicht nur beim ersten Kampf, es kommt viel schlimmer: am nächsten Morgen liegt sie tot im Stall.

Julie ist verzweifelt, aber als sie feststellt, daß Glorieuse ermordet wurde, flammt ihr Kampfgeist auf - wer ist der Mörder?

Fr., 8.6., 20.00/ Sa., 9.6., 20.00/ So., 10.6., 22.00

 


 

GO WEST - DER COWBOY

Regie: Buster Keaton; Buch: Raymond Cannon, Buster Keaton; mit: Buster Keaton, Howard Truesdale, Kathleen Myers, Ray Thompson, Browneye (die Kuh) USA 1925 59 Min.

 

Weil ihn in der Stadt nichts mehr hält, befolgt Buster die Aufforderung einer Denkmalsinschrift: "Go West, Young Man". So landet er schließlich im Westen und sucht einen Job. Ein Rancher stellt ihn als Cowboy ein. Die Kuh, die er melken soll, wird seine Freundin und fortan sind er und "Browneye" unzertrennlich. Als der Rancher gezwungen ist, die Herde zu verkaufen und in den Schlachthof zu transportieren, versucht Buster zuerst, Browneye zu retten. Als das nicht gelingt, begleitet er sie auf dem Transport, der von den Cowboys eines Rivalen überfallen wird. Buster ist allein mit der ganzen Herde auf dem Zug. In der Stadt angekommen, kümmert sich Buster erst einmal um Browneye. Die Herde strömt in alle Himmelsrichtungen. Buster probiert ein Teufelskostüm. Die Leitstiere werden von der roten Farbe gereizt und verfolgen ihn. So wird die in der Stadt verstreute Herde gesammelt und in den Schlachthof getrieben. Der dankbare Rancher gibt Buster einen Wunsch frei. Er möchte "sie" - nicht die Tochter des Farmer, sondern die Kuh.

Wenn die Herde sich durch die Stadt wälzt und die Kühe in Türkische Bäder, Frisiersalons und Kaufhäuser eindringen, dann sind das Bilder, "die durch ihre Komposition und in der Explosivkraft ihres Ausdrucks jeden Surrealisten vor Neid erblassen lassen könnten".

Mit Vorfilm

Sa., 16.6., 22.00 / So., 17.6., 20.00

Am Klavier begleitet von Günter A. Buchwald

 


 

RED RIVER

Regie: Howard Hawks; Buch: Borden Chase, Charles Schnee nach dem Roman "The Chisholm Trail" von Borden Chase; Kamera: Russell Harlan; Musik: Dimitri Tiomkin; mit John Wayne, Montgomery Clift, Joanne Dru, Walter Brennan, Coleen Gray USA 1948 DF / 92 Min.

 

10000 Rinder auf dem Weg nach Missouri in Howard Hawks bestem Western.

Ein Zeitblock: Warten und fiebrige Ruhe in der Morgendämmerung. Dann eine Montageexplosion von Gesichtern jauchzender, brüllender Cowboys. Und in machtvoller Totale setzt sich die Rinderherde in Bewegung, begleitet von Tiomkins nicht minder machtvoller Musik. Mit einer grandiosen Kinosequenz schickt Hawks seine Rinder und Reiter auf den Chisholm Trail und seinen Film auf die Tausendmeilenreise, deren Duktus mit dem des Erzählens zusammenwachsen wird - epische Gelassenheit und dramatische Ballung wechseln einander in souveränem Zweipaß ab.

Sa., 23.6., 22.00/ So., 24.6., 20.00

 


 

BAUERNKRIEG

Regie, Buch, Kamera & Schnitt: Erich Langjahr; Ton, Kamera- und Schnittassistenz: Silvia Haselbeck; Musik: Mani Planzer
Schweiz 1998 84 Min.

 

Langjahr zeigt, was Produktivitäts- und Wirtschaftlichkeitsdiktat für die Tiere in der industriellen Landwirtschaft bedeuten, in der Kühe und Stiere nur noch als Reproduktionsmaschinen genutzt werden. In der fabrikmäßigen Melkstation, in der Fleisch- und in der Embryonen- und Samenproduktion werden die Tiere auf Höchstleistungen programmiert. Für viele unerträglich sind die Bilder von der industriellen Kadaververwertung, wo - von einem Fachmann didaktisch einwandfrei erläutert - ganze Kühe mit Hühnern und Innereien durch den Fleischwolf gedreht und zu Tiermehl verarbeitet werden. Weit schockierender, weil ethisch ungleich fragwürdiger, sind die Praktiken, mit denen aus Kühen Embryonen gespült und Stiere zum "Absamen" in Gummivaginas gezwungen werden, um das Produkt in Samenbanken zu lagern. Hier wird auf brutale Weile ins "Tiersein" eingegriffen, das Tier seiner Würde beraubt. Die nachhaltige Wirkung von Langjahrs Film entsteht aber nicht nur aus der schonungslosen Darstellung einer schockierenden Realität, sondern auch daraus, daß er hartnäckig auf die Ursache hinweist: den Profit als höchsten Wert.

Do., 28.6., 20.00/ So., 1.7.,. 18.00



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Zuletzt bearbeitet am 24.05.2001 © aptum1997-2000 Schreib mal wieder webmaster@aptum.de