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Ödön von Horváth

Angeregt durch die aktuelle Inszenierung "Geschichten aus dem Wienerwald" am Freiburger Theater zeigen wir zwei Verfilmungen von Horváth-Vorlagen, beide von Regisseuren, die ursprünglich von der Bühne kommen. Maximilian Schell hatte das Stück 1977 mit großem Erfolg am Londoner National Theatre inszeniert und damit Horváth für den angelsächsischen Raum entdeckt. Seine Adaption von GESCHICHTEN AUS DEM WIENERWALD (1979) setzt das dramatische Grundmotiv der Horváth'schen Dichtung, den "ewigen Kampf zwischen Bewußtsein und Unterbewußtsein" auf möglichst volkstümliche Art darzustellen, adäquat in die filmische Sprache um. WIE ICH EIN NEGER WURDE nach "Jugend ohne Gott" hält sich ebenfalls sehr nah an seine literarische Vorlage. Der Debütfilm des Theaterregisseurs Roland Gall vertrat die Bundesrepublik 1970 beim Festival des Jungen Films in Pesaro neben Fassbinders KATZELMACHER und überraschte die Zuschauer bei den Filmfestspielen in Cannes und Berlin.

 

GESCHICHTEN AUS DEM WIENERWALD

Regie: Maximilian Schell; Buch: Christopher Hampton, Maximilian Schell, nach dem Volkstück von Ödön von Horváth; Kamera: Klaus König; Musik: Toni Stricker, Johann Strauss; mit Birgit Doll, Hanno Pöschl, Helmut Qualtinger, Jane Tilden, Adrienne Gessner, Götz Kauffmann, Walter Schmiedinger BRD 1979 95 Min.

Wien, zu Beginn der dreißigerJahre: Marianne, die Tochter eines Zauberladenbesitzers, verlässt ihren ungeliebten Verlobten, den Fleischer Oskar, um mit dem Hallodri Alfred zusammenzuleben. Dieser verlässt seinerseits sein Bratkartoffelverhältnis, die alternde Valerie. Aber schon bald gehen ihm das in wilder Ehe gezeugte Kind und Mariannes Liebe auf die Nerven. Er bringt das Kind zu seiner Großmutter, die den "Bastard" absichtlich umkommen lässt. Alfred setzt sich angeblich nach Frankreich ab, verspielt aber das "Reisegeld" auf Rennplätzen. Marianne stript in einem verrufenen Etablissement und wird dort von ihrem Vater und seinen Bekannten entdeckt. Schon vorher von der Familie verstoßen, provoziert sie damit einen neuen Skandal, zumal sie noch einen reichen Gast bestiehlt und im Gefängnis landet. Valerie schafft es aber, Vater, Tochter, Alfred und Oskar zu versöhnen.

Maximilian Schells adäquate Verfilmung des Bühnenstücks von Ödön von Horváth nutzt dessen "Geschichten aus dem Wienerwald" zu einer tragikomischen "Revue" eines politisch wie moralisch verkommenen Kleinbürgertums. In ruhigen, stimmig eingefangenen Bildern, ganz auf das "Innere" hin inszeniert und von einem bis in die kleinste Nebenrolle sicher geführten und hervorragend interpretierenden Schauspielerensemble gespielt, ist der Film ein sehenswertes Kino-Ereignis.

Do., 5.4., 20.00 / Fr.,6.4., 22.00 / Sa., 7.4., 22.00 / So., 8.4., 18.00


WIE ICH EIN NEGER WURDE

Regie & Buch: Roland Gall, nach dem Roman "Jugend ohne Gott" von Ödön von Horváth; mit Gerd Baltus, Walter Ladengast, Wolf Euba, Linda Caroll BRD 1970 104 Min.

Der Film zeigt die hilflose Position der deutschen Intellektuellen während der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten und beschäftigt sich am Rande mit der gleichen Hilflosigkeit des Klerus der jeweils herrschenden Klasse gegenüber. Hauptfigur des Films ist ein junger Gymnasiallehrer, der wegen seiner sozialliberalen Einstellung in die Schusslinie nationalistisch gesinnter Eltern und Schüler geraten ist. Während eines Zeltlagers, das der vormilitärischen Ausbildung seiner Klasse dient, wird er indirekt in einen Mordfall unter seinen 15jährigen Schülern verwickelt. Nachdem er nicht verhindern kann, dass ein an der Tat unschuldiges asoziales Mädchen für den Mord verantwortlich gemacht wird, emigriert er nach Afrika, um an einer katholischen Missionsschule sein Geld zu verdienen.

Do., 12.4., 20.00, / Sa., 14.4., 18.00, / Di, 17.4.,22.00



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Zuletzt bearbeitet am 28.03.2001 © aptum 1997/98 Schreib mal wieder webmaster@aptum.de