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Die Rückkehr des Idioten - Szenenfoto

Film des Monats - Januar 2001

Die Rückkehr des Idioten

Navrat Idiota

Regie & Buch: Sascha Gedeon; Kamera: Stepän Kucera; Musik: Vladimir Godär; Schnitt: Petr Turyna; mit Pavel Liska, Anna Geislerova, Tatiana Vilhelmova, Jiri Langmajer, Jiri Machäcek u.a.
Tschechien 1999, OmU / 103 Min.


Frantisek will dem Leben nicht mehr ausweichen. Nach Jahren in einer Nervenheilanstalt macht er sich zwei Tage vor Silvester auf den Weg zu entfernten Verwandten in seine abgelegene Heimatstadt.
Dostojewskis Roman "Der Idiot" dient Sascha Gedeon nur als Ausgangspunkt. Auch seine Adaptation beginnt in einem Zug, aber aus den zwei ungleichen Frauen des Romans werden in DIE RÜCKKEHR DES IDIOTEN die beiden Schwestern Olga und Anna. Auf letztere trifft Gedeons "Idiot" gleich zu Beginn des Films, als er durch das Guckloch der Fensterscheibe beobachtet, wie Anna auf dem Bahnhof flüchtig einen Mann küsst. Später teilen beide zufällig das gleiche Schlafabteil. Am frühen Morgen streift Frantisek mit seiner Pudelmütze und dem braunen Koffer durch die Kleinstadt, auf der Suche nach seinen Verwandten. Einen Tag später wird Frantisek bei ihnen im kleinbürgerlichen Wohnzimmer dort zu einem feierlichen "Verlobungsmahl" sitzen. Der Zufall will, dass er die meisten Familienmitglieder bereits kennt und als einziger die komplizierten zwischenmenschlichen Beziehungen durchschaut. Den Zuschauer lässt Sascha Gedeon die Handlung konsequent durch die naiven Augen seiner Hauptfigur verfolgen. So weiß man als Betrachter immer soviel wie Frantisek, der bereits dahinter kam, dass Emil, der eigentlich mit Anna liiert ist, eine Affäre mit ihrer jüngeren Schwester Olga hat. Dass auch Anna untreu ist, hatte Frantisek bereits auf dem Bahnhof beobachtet. Nun stellt sich heraus, dass Annas Liebhaber, Robert, Emils Bruder ist. Die Komik und Spannung, die sich in dieser Schlüsselszene am festlich gedeckten Tisch entlädt, entsteht durch versteckte misstrauische Blicke und die bissigen Kommentare der vier, die sich wechselseitig betrügen. In dieser verlogenen Welt fühlt sich nur der angeblich Schwachsinnige der Wahrheit verpflichtet, dabei besteht seine Lebenserfahrung fast ausschließlich aus ersten Eindrücken. Für die Schwestern Anna und Olga wirkt er als Katalysator, während die Brüder Emil und Robert in ihm zunehmend eine Gefahr sehen, der ihre schöne Lügenwelt aus der Balance bringt. Gedeons Film ist wunderbar leicht und subtil und wirkt in seiner Unaufgeregtheit geradezu hypnotisch.

Do., 18.1., 20.00/Fr., 19.1., 22.00/Sa., 20.1., 18.00/ So., 21. 1., 20.00/Di., 23.1., 20.00/Mi., 24.1., 22.00



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