Martha

PSYCHOANALYTIKER STELLEN FILME VOR

MARTHA

Regie und Buch: Rainer Werner Fassbinder, Kamera: Michael Ballhaus, mit Margit Carstensen, Karlheinz Böhm, Barbara Valentin, Peter Chatel, Ortrud Beginnen, Kurt Raab, Ingrid Caven
| Deutschland 1973 | 116 Min. |

MARTHA ist Fassbinders schnörkellosestes Melodram. Es erzählt, wie der eine Mensch am anderen zu Grunde geht, und auch zu Grunde gehen will. Solche Katastrophen gibt es bei Fassbinder ja immer, aber nie so nackt wie hier.

Margit Carstensen ist Martha, dreißigjährig, wohlhabend, unerfahren, vaterfixiert. Karlheinz Böhm ist Helmut, schniek, erfolgreich, berechnend. Er heiratet Martha, nachdem deren Vater gestorben ist. Erst unterweist er sie darin, was sie nun als gute Gattin zu sagen hat, zu lesen, hören und denken. Dann kündigt er ihren Job. Meuchelt ihre Katze. Verfügt über ihren Körper. Ein sadistischer Pygmalion, dessen Lächeln stets zu verstehen gibt, dass alles zu Marthas Bestem geschieht. Woran auch sie lange keine Zweifel hegt. Martha und Helmut brauchen keine Grausamkeiten von Außen, um ihre inneren zu katalysieren. In Rom, wo sie sich begegnen als füreinander Bestimmte, die zusammenfinden, ohne gesucht zu haben, erscheinen sie ebenso als Fremdkörper wie später in der heimischen Bodenseeidylle. Zwei gleichgültige Monaden auf freier Bahn, die im Vorbeistreifen ihrer wechselseitigen Anziehungskraft nicht mehr entkommen. Es muss krachen.

Fr 11.04., 19:30, Filmanalyse: Otto Beckmann | So 13.04., 17:30 | Mi 16.04., 21:45