Kommunales Kino im alten Wiehrebahnhof
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Face to Face

Alltagswelten des Islam im Kurz- und Dokumentarfilm

Alltagswelten des Islam im Kurz- und Dokumentarfilm

In der Reihe »Face to Face« setzen sich das Kommunale Kino und die Europäische Kurzfilmbiennale Ludwigsburg mit Kurz- und Dokumentarfilmen aus islamischen Kontexten auseinander, die in Deutschland sonst kaum zu sehen sind. Angesichts der gegenwärtigen Zuspitzung der politischen Situation ist es das Anliegen unseres Programms, eine differenzierte Wahrnehmung islamisch geprägter Welten zu ermöglichen. Wir zeigen ein breites Spektrum an aktueller Film- und Medienkunst, die auf hohem künstlerischen Niveau Alltagsthemen moderner islamischer Gesellschaften aufgreift.

Im Mittelpunkt stehen zum einen die Rolle und die Lebensräume von Frauen, zum anderen Fragen der Sexualität. Wie gehen Frauen in islamischen Ländern mit der ambivalenten Situation zwischen religiöser Reglementierung und zunehmender Liberalisierung um? Wo kommt es zum Widerstand und wo werden die auf islamischen Traditionen beruhenden Vorgaben von Frauen akzeptiert? Auch der Umgang mit Sexualität stellt eine große Herausforderung für die islamische Gesellschaft dar – eine Gesellschaft, in der Homosexualität oder Prostitution noch heute Tabuthemen sind.

Unsere Reihe kombiniert den Kurzfilm mit anderen Formen der Populärkultur und der bildenden Kunst. Dazu haben wir den europaweit bekannten Medienkünstler 2 /5 BZ aka Serhat Köksal aus Istanbul eingeladen und den Filmemacher Cem Kaya mit seiner Präsentation »Do Not Listen«. Ganz besonders freuen wir uns, ambitionierte FilmemacherInnen aus Iran und Libanon mit ihren Werken in unserem Kino begrüßen zu dürfen.

detaillierte Informationen...

 


 

Das Programm und unsere Gäste:

Türkei
VJ-Workshop · »Remake, Remix, Rip Off«. · 2/5 BZ aka Serhat Köksal: no turistik, no egzotik

Iran
Zohre & Manouchehr · Iranisches Kurzfilmprogramm · Prostitution behind the Veil

Libanon
Kurzfilmprogramm aus dem Libanon

Palästina
News Time / 3 cm less

 

 


 

Freitag, 16. 9. (Türkei)

 

17.00 bis 19.00 Uhr (Teilnahmegebühr: 5 Euro)

VJ-WORKSHOP mit 2/5 BZ aus Istanbul.

2/5 BZ aka Serhat Köksal


20.00 Uhr

»Remake, Remix, Rip Off«.

Strategien der Differenz und Wiederholung im türkischen Kino der Sechziger und Siebziger Jahre. Vortrag von Cem Kaya, anschl.: DO NOT LISTEN – Ein Found-Footage Film von Cem Kaya.

In seinem Vortrag über das türkische Kino, konzentriert sich Cem Kaya auf das türkische Mainstream Kino der Sechziger und Siebziger Jahre, genannt „Yesilçam“. So hieß die einheimische Filmindustrie, die bis in die Achtziger Jahre hinein billig, schnell und auf die Wünsche der Bevölkerung zugeschnittene Filme produzierte. Bei einem Output von bis zu 300 Filmen pro Jahr, gingen den Drehbuchschreibern naturgemäß die Stoffe aus, was zu einer immensen Flut an Remakes, Genreadaptionen und Literatur- bzw. Comic-Strip Verfilmungen führte. Aufgrund fehlender Urheberrechtsgesetze konnten sich die türkischen Filmemacher aus dem kulturellen Pool der gesamten Welt bedienen. Türkische Versionen von TARZAN, ZORRO, DON QUICHOTE, SOME LIKE IT HOT oder THE EXORCIST sind nur wenige Beispiele für Stoffe, die vom Westen adaptiert wurden. Die Aneignung der Themen war jedoch nicht so einfach wie man glaubt. Die meisten Geschichten mussten durch einen türkisch/islamischen Filter um dem lokalen Publikum zugänglich gemacht zu werden. Wertvorstellungen, kulturell spezifische Kodierungen und Referenzen mussten z.T. weggelassen oder hinzugefügt werden. Diese Praxis führte zu kulturellen Hybriden, die bei genauer Betrachtung sehr viel über das türkische Selbstbildnis aussagen. Der vielbeschworene Ost-West Dualismus prägt diese Filme, jedoch vielmehr als Belege für das Funktionieren von kultureller Diversität mit all ihren sich gegenseitig scheinbar ausschließenden Paradoxien.

Do Not Listen!

Auf dieses Hintergrundwissen aufbauend realisierte Cem Kaya seinen Found Footage Film DO NOT LISTEN!

Die Arbeit untersucht den Film »The Exorcist« und seinen türkischen Klon »Seytan« auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede.

In DO NOT LISTEN! treffen sich die Exorzisten aus beiden Filmen um eine ökumenische Teufelsaustreibung vorzunehmen. Ihre gemeinsame Waffe ist ihr Glaube an Gott und an das Gute. Die Mädchen (Gül und Regan) sind besessen von einer bösen Macht, die Intoleranz, Ausgrenzung und Brandmarkung predigt. Diese Macht gilt es auszutreiben. Während des Exorzismus aber stachelt der Teufel mit seinen Lügen unsere frommen Helden an. Latent durchdringt sie das Böse und bevor sie merken was wirklich geschieht, stehen sich Christen und Moslems unversöhnlich gegenüber und preisen die Allmacht ihrer eigenen Götter.

Wer hat mehr Power? King Kong oder Godzilla? Mandrake oder Kilink? »Allah« oder »Christus«?


22.00 Uhr

2/5 BZ aka Serhat Köksal: no turistik, no egzotik

Serhat Köksals 1986 in Istanbul gegründetes Projekt 2/5 BZ ist eine anarchische Multimedia-Maschine mit einem unüberschaubaren Output an Tapes und Videos, billigen Photocopy-Zines und selbstgebrannten CDs. Als live-performender Künstler mixt Köksal unter dem Motto »no turistik no egzotik« raue Elektronika mit Istanbuls Straßenlärm-Kulisse und Ghetto-Blaster-verzerrtem Orient-Pop. In Analogie zum Sound dekonstruiert Köksal neben seiner Arbeit an Sampler und Elektronik zusätzlich türkische Filme der 70er Jahre: Cut-Up-Kunst für Auge und Ohr.

Anschl.: Sixties Beat und psychedelischer Rock aus Anatolien. DJs: Cpt. Mono und Schwabentürke (Stuttgart)

 

 


 

Samstag, 17. September (Iran)

19.00 Uhr

ZOHRE & MANOUCHEHR

Iran / Frankreich 2004, 70 Min., OmeU

Wie kann sich eine Religion zu einem politischen System erklären, das sich in unser intimstes Privatleben einmischt und Sexualität mit Angstgefühlen belegt? Wie finden im heutigen Iran Liebe und Sexualität ihren Weg durch diesen Dschungel aus Verboten und Geboten? Diese Fragen stehen im Zentrum von Mitra Farahanis Film, der aus einem dokumentarischen und einem inszenierten Teil besteht. Zu der Kombination der Genres entschloss sich Farahani, nachdem sie die ersten Interviews geführt hatte. Farahani: „Wenn man heute jemanden im Iran bittet, Liebe zu definieren, wird seine Antwort unweigerlich voller poetischer Bilder sein. Man würde niemals von seiner Vergangenheit oder letzten Erlebnissen sprechen, aber dafür immer eine poetische Metapher finden. Die Poesie ist im Iran von zentraler Bedeutung. Ihre Allgegenwart in Filmen, Gemälden und noch mehr in der Umgangssprache hat Einfluss auf alles und jeden, selbst auf Politiker und Mitglieder des religiösen Establishments. Ohne Poesie kann man im Iran nicht über Liebe und Sexualität sprechen.“ Für ihre Inszenierung wählte die Regisseurin ein Gedicht von Iraj Mirza, das ohne jede Doppeldeutigkeit von Liebe und Sehnsucht erzählt. Farahani: „Ich wollte die Verbindungen zwischen einer Gesellschaft aufdecken, die einmal so wunderbar ihre Kultur mit der Kunst zu lieben verband, während sich heute ein Paar, das sich küsst, fragen muss, ob es gerade eine schwere Sünde begeht.“

Zu Gast: die Regisseurin Mitra Farahani aus Teheran.


21.30 Uhr

IRANISCHES KURZFILMPROGRAMM

Iran 2001-2004, ca. 90 Min., OmeU

In Iran gibt es zum einen eine florierende, teilweise staatlich unterstützte Kurzfilmproduktion; zum anderen präsentiert sich das Land als »real existierender« Gottesstaat. Bei genauerem Blick durch die Lupe des Kurzfilms zeigen sich zahlreiche Brüche und Paradoxien. Wir zeigen u.a. Videos des Documenta 11 – Teilnehmers Seifollah Samadian aus Teheran, den wir für diesen Abend als Gast begrüßen werden.

Asi Entezar
Captive Waiting

Iran 2002
Regie: Mohammad Ahmadi

Eine Gruppe irakischer Kriegsgefangener wartet seit 20 Jahren auf die Freiheit. Es scheint, als habe die Welt sie vergessen.

The White Station

Iran 1999
Regie: Seifollah Samadian

Eine Frau im schwarzen Tschador versucht sich mit einem Schirm vor einem Schneesturm zu schützen, während sie auf den Bus wartet.

Tehran, the 25th Hour

Iran 1999
Regie: Seifollah Samadian

Der Film zeigt Szenen in den Straßen Teherans, unmittelbar nach der Qualifikation der iranischen Fußballnationalmannschaft für die Weltmeisterschaft 1998.

Iranian Conserve

Iran 2004
Regie: Mohammad Shirvani

In einem kleinen grauen Metallcontainer und einer Schauspielerin in weniger als vier Stunden abgedreht, handelt Shirvanis Film von einer Frau, die in einem Aufzug gefangen ist und eine persönliche Beziehung zu einem jungen Mann entwickelt, den sie über ihr Handy kennenlernt. Von Abbas Kiarostami gepriesen als einer der besten Kurzfilme, die im postrevolutionären Iran gemacht wurden, erhielt der Film den „Reflet d’Or“-Preis als bester Kurzfilm beim Cinéma Tout Ecran Festival 2004 in Genf.

Silent Companion

Iran 2004
Regie: Elham Hosseinzadeh

Während der amerikanischen Invasion im Irak muss ein Mann die gefährliche iranische Grenze überwinden, um an das Hochzeitskleid für seine Frau zu gelangen.

Zu Gast: der Regisseur Seifollah Samadian aus Teheran

 


 

Sonntag, 18. September (Iran / Libanon)

18.00 Uhr

PROSTITUTION BEHIND THE VEIL

(VERSCHLEIERTE PROSTITUTION)

Regie: Nahid Persson, Dänemark / Iran 2004, 58 Min., OmeU

Der Filmregisseurin gelang vor 20 Jahren die Flucht aus dem Iran. Heute ist sie mit der Kamera dorthin zurückgekehrt, um den Alltag der Bevölkerung zu porträtieren. Besonders interessieren sie die Schicksale von Frauen, die, wie sie selbst festhält, ihr eigenes Los sein könnten, wenn sie nicht nach Schweden emigriert wäre.


19.30

KURZFILMPROGRAMM AUS DEM LIBANON

Die Academie Libanaise des Beaux Arts (ALBA) gehört zu den interessantesten Filmhochschulen des Nahen Ostens. Sie verknüpft arabische Filmtraditionen mit europäischem Kino. Progressive Inhalte und ein Bezug zu Autorenfilmern wie Rainer Werner Fassbinder, insbesondere aber zur französischen Filmkultur machen ALBA zu einem einzigartigen Brückenkopf zwischen europäischer und arabischer Filmkultur. Außerdem stehen die Filmstudenten in engem Kontakt mit anderen Abteilungen wie Architektur, Stadtplanung und Design, so dass eine interdisziplinäre Auseinandersetzung über gesellschaftliche Realitäten im Libanon stattfindet.

Gäste: Alain Brenas und Khalil Smayra aus Beirut

 

 


 

Montag, 19. September (Palästina)

20.00

NEWS TIME

Regie: Azza El-Hassan, Palästina 2001, 59 Min., OmeU

3 CM LESS

Regie: Azza El-Hassan, Palästina 2003, 60 Min., OmeU

“Wie kannst du es wagen, deine Familie zu verlassen und abzuhauen?”
Das sagt Ra’eda zu ihrem toten Vater, der nach einer Flugzeugentführung 1972 starb. Ihr Zorn auf ihn ähnelt den Gefühlen von Samia, Suraida und Sara zu Hagar, ihrer abwesenden Mutter, die ihr Leben lang damit beschäftigt war gegen die Israelis zu kämpfen.
3 CM LESS zeigt, wie sich diese Frauen das Medium Film zu Nutze machen um den Kluft in ihren Familien zu schließen.

Der Film prüft das Phänomen des ‚unsichtbaren Hungers’ nach Liebe, Sicherheit und die Auswirkungen auf Familienleben und die Psyche.

NEWS TIME

In Zeiten des Krieges und der Konflikte zeigen die Medien das Leben in einer Kleinstadt bei Ramallah im Westjordanland dominiert von Tod und Gewalt. Eine palästinensische Filmemacherin möchte dieses Image nicht übernehmen und entschließt sich, den Alltag zu porträtieren: die nachhaltig blühende Liebe zwischen ihrem Vermieter und dessen Frau. Jedoch wird Ramallah während der Dreharbeiten von Kampfjets bombardiert und das Paar flieht aus der Stadt. Zurück bleibt eine Filmemacherin mit einem unfertigen Film. Diese Wendung rückt ihre Aufmerksamkeit in eine andere Richtung, nämlich auf vier Jungen aus der Nachbarschaft, die ihre Zeit mit Steinschleuder-Übungen verbringen, um sich im Falle eines Angriffs feindlicher Soldaten verteidigen zu können.

Tag um Tag wird „News Time“ mehr und mehr zum Tagebuch der Filmemacherin und der Jungen. Als die politische Realität sich schließlich zunehmend verschlimmert, müssen die fünf erkennen, dass ihr Alltag von den politischen Ereignissen bestimmt wird.

Die Filmemacherin Azza El-Hassan zeigt keine eindimensionalen palästinensischen Erbauungsfilme, die nur den Feind Israel kennen, sondern versucht mit großer Sensibilität, Poesie und einem guten Schuss Humor, auch die innerpalästinensischen Probleme zu ergründen.

 


 

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Zuletzt bearbeitet am 30.08.2005 © vivasoft1997-2005 Schreib mal wiederinfo@vivasoft.de