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Bundesweiter Kinopreis 2005 des Kinematheksverbundes
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| Hohe Auszeichnung für das Kommunale Kino Freiburg:
Wir erhalten den bundesweiten Kinopreis 2005 des deutschen Kinematheksverbundes
für unser Jahresprogramm 2004. Die Begründung der Jury: Der Kinopreis des Kinematheksverbundes wurde vom Beauftragten der Bundesregierung für Angelegenheiten der Kultur und der Medien im Jahr 2000 ins Leben gerufen, um die kulturelle Kinoarbeit in der Bundesrepublik Deutschland zu stärken. Er wird in fünf Kategorien – je nach Größe der Stadt – vergeben und ist der einzige Preis, um den sich die knapp 200 kommunalen Kinos in Deutschland bewerben können. Das Kommunale Kino Freiburg erhält diese Würdigung bereits zum zweiten Mal. Unser Dank und die Einladung zu einer kleinen Feier am Freitag, dem 8. Juli um 17:30 Uhr, gehen an alle Mitarbeiter und Freunde des Alten Wiehrebahnhofs, unsere vielen Kooperationspartner, an die Kulturverantwortlichen der Stadt Freiburg, der MFG-Filmförderung Baden-Württemberg und andere Unterstützer und an den wachsenden Kreis unserer Fördermitglieder.
Jury-Statement zum Kinopreis der Kinemathekenverbundes 2005
Diese Beurteilungen sollen jedoch keinen Pessimismus verbreiten, sondern nur rechtzeitig und mit aller Vorsicht auf eine eventuell sich verstetigende Tendenz hinweisen. Pessimismus ist auch gar nicht gerechtfertigt und würde nur den Blick auf die immer noch an vielen Orten ganz hervorragende Arbeit Kommunaler Kinos verstellen. Auch in diesem Jahr gab es trotz unserer etwas gedämpften Feststellungen wieder insgesamt mehr auszeichnungswürdige Kinos, als Preise zu vergeben waren. Erneut war wieder der vergleichsweise hohe Anteil Kommunaler Kinos aus Baden-Württemberg in der engeren Auswahl bemerkenswert, was dann auch zu insgesamt vier Auszeichnungen in dieses Bun-desland führte. Damit findet sicher die seit rund dreißig Jahren vorbildliche Förderung Kommunaler Kinos dieses Bundeslandes eine eindrucksvolle Bestätigung und kann deswegen Muster zur Nach-ahmung für eine wirksame und nachhaltige Politik gegen die geschilderten negativen Tendenzen sein.
Kinopreis des Kinematheksverbundes 2005Jury-BegründungenVerleihung am 25. Juni 2005Kategorie I 1. Preis: Mit bewundernswerter Konsequenz entwickelte der Filmclub 813 sein hoch interessantes Programm der letzten Jahre erfolgreich weiter, das von hoher filmischer Kompetenz ebenso zeugt wie von Sensibilität und kritischem Bewusstsein gegenüber den gesellschaftlichen Verhältnissen und Anteilnahme an den Lebensproblemen der Menschen. Der Filmclub fühlt sich der Pflege der Filmkunst in Vergangenheit und Gegenwart in ihren vielfältigen Facetten verpflichtet. Neben Retrospektiven von Klassikern wie Ingmar Bergman oder Alain Resnais findet sich etwa eine Werkschau von Robert Bramkamp oder eine Reihe mit DEFA-Filmen über junge Leute, wo jeweils Spiel- und Dokumentarfilme intelligent, einander ergänzend und erhellend, zusammengefügt wurden. Dieses nun schon über Jahre mit geringsten finanziellen Mitteln und großem persönlichen Engagement der ausschließlich freien Mitarbeiter realisierte Programm verdient Respekt und Bewunderung. 2. Preis: Entsprechend seiner Zugehörigkeit zum Deutschen Historischen Museum, spielt im Programm der Bezug zu geschichtlichen Ereignissen eine große Rolle, zu denen jeweils filmische Schwerpunkte gesetzt werden, etwa eine Retrospektive zum Marshall-Plan oder zum 1. Weltkrieg. Bei der Filmauswahl zu solch übergreifenden Themen werden stets wichtige Arbeiten der osteuropäischen Kinematografien mit einbezogen und so überraschende Sichten ermöglicht. Das Interesse für den Osten wie den Westen in der Welt der Filmkunst ist überhaupt generelles Prinzip. Aber dieses Kino setzt sich auch, z. B. in der Reihe »Berliner Schule« mit Filmen von Bademsoy, Petzold, Arslan, Schanelec und Torsten Schultz für unangepasste Vertreter des zeitgenössischen Films ein. Es ist wünschenswert, dass dieses Kino, das im vergangenen Jahr nach langer Pause wieder eröffnet wurde, seine Position festigen und seine Publikumsakzeptanz wieder vergrößern kann.
Wie in den vergangenen Jahren zeigte dieses Kino ein anregendes, weitgefächertes, die Welt ins Bild rückendes Programm, das von vielfältigen thematischen Reihen und Retrospektiven geprägt ist. Neben Neuem Kino aus Italien gibt es russisches modernes Kino, neben dem Okkupationskino in Frankreich finden wir New Hollywood 1967 – 71, neben Tati, stehen Duras. Ozu, Dreyer, Sjöström, Kaurismäki, aber auch so originelle thematische Zusammenstellungen wie Die Tschechows oder Filme aus aller Welt über Don Quichotte belegen den weiten Horizont der präsentierten Filmwelt. Auch der zeitgenössische deutsche Film ist mit Karmakar, Bramkamp, Wyborni und Emigholz interessant vertreten.
1. Preis: Der erste Preis geht an das Kommunale Kino Freiburg im Alten Wiehrebahnhof. Das Koki Freiburg erhält den Preis in Anerkennung der kontinuierlichen Arbeit, die in diesem Jahr noch eine qualitative Steigerung erfahren hat. Uns beeindruckte das vielfältige, thematisch spannende Programm, das sich an verschiedene, klar definierte Zielgruppen richtet, ohne dabei dem Mainstream anheim zu fallen. Die Auswahl der Filme bezieht auch weniger bekannte Filmländer oder vermeintlich schwierige Genres ein und die Programmankündigungen sind ansprechend und übersichtlich gestaltet sowie mit ausführlichen Informationen versehen. Ebenfalls positiv aufgefallen ist uns die fruchtbare Zusammenarbeit mit anderen Institutionen - die, wie zum Beispiel mit der Medienwerkstatt, in der gemeinsamen Ausrichtung des Freiburger Schüler Film Forums gipfelt, oder aber auch eine Reihe von Veranstaltungen mit eher untypischen Gästen - wie in der Reihe: "Psychoanalytiker stellen Filme vor". Das Gesamtprogramm des Kokis strahlt einen selbstbewußten und intelligenten Umgang mit der Institution Kino aus, der sogar in den Besucherzahlen sein Echo findet. Dieses Kino ist ein Beispiel dafür, wie man als Kommunales Kino wirken kann, ohne den Mainstream-Kinos hinterherzulaufen. 2. Preis: Der zweite Preis geht an das Filmhaus Nürnberg. Das Filmhaus Nürnberg zeichnet sich wie bereits im Vorjahr durch eine interessante Programmkonzeption aus, die sowohl Termine des städtischen Lebens berücksichtigt, als auch darüber hinaus gehende cineastisch interessante Schwerpunkte eingebracht hat - wie zum Beispiel die Agnes Varda Filmschau. Es werden innerstädtische wie überregionale Kooperationen für das eigene Programm gewinnbringend gepflegt und genutzt. Auch im Filmhaus Nürnberg kann man - wie in einigen anderen Kommunalen Kinos - Spezialprogramme für Schüler finden - hier z.B. als Werkschau Volker Schlöndorff -, aber auch das seit Jahren realisierte Filmfestival Türkei/Deutschland oder den letztjährigen Schwerpunkt Afrika stellen herausragende Programmpunkte dar. Das Filmhaus Nürnberg stellt nunmehr in Kontinuität eines der herausragenden Kommunalen Kinos in dieser Kategorie dar und wir wünschen weiterhin Kraft und Vergnügen mit der Kinoarbeit. 3. Preis: Der dritte Preis geht an das Kino Caligari in Wiesbaden. Dieses kommunale Kino zeichnet sich durch ein abwechslungsreiches, interessantes Programm aus, das in Kooperation mit vielen Partnern entsteht und ein breites Spektrum an Zielpublikum ins Kino lockt. Hervorzuheben sind hier die Schwerpunkte "go east" und der Hochschulwettbewerb sowie die Filmreihen "Bildgestaltung im Film" oder "krebs spielt keine Rolle" - zu denen jeweils interessante und kompetente Gesprächspartner eingeladen wurden. Lobenswert ist die regelmäßige Aufführung eines Stummfilms mit Live-Musik, was bei einigen Kinos leider kaum noch im Programm vorkommt. Etwas mehr Engagement und Mut würden wir uns im Bereich des Dokumentarfilms wünschen, der bei aller schätzenswerter Programmpolitik etwas kurz kommt - wenngleich das Caligari auch hier noch vor manch einem anderen kommunalen Kino liegt.
Das Film- und Medienbüro Oldenburg erhält 2005 den 1. Kinopreis des Kinematheksverbundes in der Kategorie III für das Jahr 2004. Ausschlaggebend für die Entscheidung der Jury waren insbesondere die Originalität und die Intelligenz des Programmangebots, das augenfällig vorhandene Publikumsbedürfnisse bedient und neue weckt. Kooperationen mit verschiedenen Partnern sorgen dabei dafür, dass das Kino nicht allein um der Kunst willen der Kunst huldigt, sondern Kunst als Anlass für Gedankenaustausch nutzt, etwa durch außergewöhnliche Filmreihen oder die Initiierung von über den Rahmen des Films hinausgehenden Veranstaltungen. Hier hat die Filmkunst eine wahre Heimstatt.
Das CinéMayence Mainz erhält 2005 den 2. Kinopreis des Kinematheksverbundes in der Kategorie III für das Jahr 2004. Gestern, heute und morgen - in diesem Kino ist tatsächlich die gesamte Palette der Filmgeschichte und -gegenwart zu entdecken. Dem Standort im Maison de France entsprechend, gibt es eine rege und anregende Auseinandersetzung mit dem Film Frankreichs, was in seiner Konsequenz vollkommen überzeugt. Weil klug in ein reiches Programm eingebettet, bedeutet dies nicht Einschränkung, sondern Erweiterung.
Das kino achteinhalb e.V. Saarbrücken erhält 2005 eine Ehrenurkunde des Kinopreises des Kinematheksverbundes in der Kategorie III für die geleistete Arbeit im Jahr 2004. Das in den Vorjahren bereits mehrfach von der Jury geehrte Kino besticht immer wieder durch die kontinuierliche Qualität der Arbeit. Hier gibt es kein 08/15-Abspulen, sondern ein gleichermaßen mit Liebe und Sachkenntnis zusammengestelltes Leckerbissen-Programm.
Seit einigen Jahren beobachten wir das Programm des Marburger Kinos Café Trauma. Und wir müssen wieder mal feststellen, dass die vielfältigen, nicht anbiedernden, doch publikumsnahen Angebote uns besonders gut gefallen. Kleine Independent Filme, No- und Lowbudget haben ihren Platz neben den Filmen aus Afrika oder Asien. Filmklassiker und Filmreihen zu Themen sind hier genauso vertreten, wie fast oder ganz vergessene Werke. Einmal im Jahr gibt es ein Kurzfilmfestival, das weit über die Grenzen Marburgs ausstrahlt und dessen Programmheft besonders erwähnenswert ist: Das Open Eyes Festival findet draußen in einer Burgruine statt, und sein Programm lässt davon träumen mal dahin zu fahren.
Das Zebra Kino in Konstanz mit seinem hübschen Namen hat ein preiswürdiges und inhaltsreiches Programm zu bieten. Es ist seine Zusammenarbeit mit vielen verschiedenen sozialen, politischen und anderen kulturellen Einrichtungen hervorzuheben, denn sie schützt vor ideellen Blackouts und erweitert Blickwinkel (und der sollte im Medium Film maßgebend sein). Filmgespräche mit RegisseurInnen, Chancen für Amateurfilmer ihre Arbeit zu präsentieren, erheiternde Kurzfilme und Kurzfilmfeste, ein von Jugendlichen organisiertes Programm, all das und noch viel mehr ist im wahrsten Sinne des Wortes Kommunales Kino, Kino von unten und mit Geschichte.
Neben internationaler Filmkunst und filmgeschichtlichen Reihen werden in diesem kleinen, feinen Kino auch aktuelle Produktionen aus der ganzen Welt gezeigt. Besonders lobenswert ist das jährlich stattfindende europäische Filmfest "dokumentArt" das traditionell im Oktober/ November stattfindet und insbesondere jungen Regisseuren und Filmstudenten ein internationales Forum verschafft. Die enge Zusammenarbeit mit einer eigenen Medienwerkstatt ist ein gutes Beispiel für das Engagement der Kinomacher, das Medium Film zu erhalten, aber auch mit den neuen Technologien des Bilderwelten-Erstellens Schritt zu halten, Neues zu schaffen und dem interessierten Publikum zu präsentieren. Somit setzt das Kino Latücht dem Trend der industriellen Filmindustrie zur stetigen Wiederholung immer gleicher Themen ein individuelles und deshalb auch besonderes Image entgegen.
Kategorie V 1. Preis: An der Auszeichnung dieses Kinos konnten wir auch in diesem Jahr unmöglich vorbeikommen: In einer Stadt mit nicht einmal 25.000 Einwohnern ist die hohe Qualität der Programmgestaltung beim fabrik.kino 2 wahrlich einmalig in Deutschland. Ganz herausragend ist das geschlossen wirkende Programmkonzept, das mit spürbarem Know-how ein Filmspektrum präsentiert, das einerseits künstlerischen Anspruch verfolgt und andererseits aber auch thematisch und inhaltlich zur Bewusstseinserweiterung des Publikums wirksam beiträgt. In diesem Sinne ist am Gesamtprogramm ablesbar und spürbar, dass hier ganz streng im Qualitätsanspruch eines Kommunalen Kinos kulturpolitische und damit auch gesellschaftspolitische Verantwortung übernommen wird. Erfreulich ist bei diesem Kino der Beweis, dass die kompromisslose Umsetzung dieses Anspruchs mit langem Atem auch von Erfolg gekrönt sein kann: Die Zuschauerzahlen in Neustrelitz sind zwar nicht berauschend, aber im vergangenen Jahr um 10% gestiegen. Der herzliche Glückwunsch dazu soll mit der Aufforderung und Bitte zum weiteren Durchhalten verbunden sein! 2. Preis: Sehr beeindruckt hat uns hier, dass es diesem Kino in einer Kleinstadt der oberschwäbischen Provinz gelingt, mit einem täglichen Vollprogramm in zwei Sälen und mit jeweils nahezu täglichen drei Vorstellungen ein konsequent durchgängiges Filmkunstprogramm zu präsentieren. Dass dabei die Linse auch die Funktion eines in normalerweise viel größeren Städten vorhandenen gewerblichen Filmkunsttheater erfüllt und aktuelle internationale Arthouse-Produktionen präsentiert, erscheint logisch und notwendig. Dies wird auch mit einem beeindruckenden Anteil Dokumentar- und Kurzfilmen sowie einem engagierten, fachlich fundiertem und kontinuierlichem Kinderkino ergänzt. Die absolut herausragenden Zuschauerzahlen und die Konstruktion als eingetragener Verein mit über 600 Mitgliedern, dem es gelungen ist, auch den Bau dieses Kulturzentrums als große Investition auf die Beine zu stellen, spricht für eine breite, feste und regionale Etablierung in der Öffentlichkeit. Wünschenswert wäre, dass diese Basis als Chance für eine weitere Professionalisierung und Positionierung noch nicht so ausgeprägter und für Kommunale Kinos typischer Programmteile ergriffen wird, wie Repertoire, Filmgeschichte und thematischer Kontextgestaltungen in Filmreihen. 3. Preis: Mit seiner Gründung vor über 33 Jahren zählt dieses Kino zu den ältesten Kommunalen Kinos in Deutschland und fühlt sich auch heute noch den ursprünglichen Ansprüchen der Kommunalen Kinos streng verpflichtet. Dies war auch im Kinoprogramm des Jahres 2004 deutlich ablesbar. Konsequent kombiniert dieses Kino aktuelle Filmkunst mit Repertoire und Filmgeschichte, wofür selbstverständlich auch Stummfilme programmiert werden. Thematische Vorgaben in Reihen und Kooperationen mit anderen Institutionen bestimmen ebenfalls dieses sehr abwechslungsreiche Programm und vor jedem Langfilm wird ein ausgesuchter Kurzfilm präsentiert. Dass auch dem guten Kinderfilm unter dem bezeichnenden Programmtitel „FamilienKino“ ein beständig ausgewiesener Platz eingeräumt wird, ist bei diesem ausschließlich mit ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern betriebenen Kino keine Selbstverständlichkeit und deswegen ebenfalls erwähnenswert.
Suzan Beermann, Dr. Erika Richter, Dr. Kerstin Stutterheim, Peter Claus, Dieter Krauß
Kinopreis des Kinematheksverbundes 2005PreisträgerKategorie I
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